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Wirtschaft lokal „Sorgenkind“ sein ist kein Schicksal
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17:26 18.10.2012
Referent Arno Brandt zufolge sollten Bildung und Ausbildung im Fokus gebeutelter Kommunen wie Schaumburg stehen. Quelle: fwi
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Stadthagen (jcp). Brandt sprach von der „Wissensökonomie“ und der zunehmenden Bedeutung „wissensintensiver“ Industrien und Dienstleistungen. Als wissensintensiv bezeichnete er Unternehmen, in denen der Abteilung Forschung und Entwicklung besonderes Augenmerk gilt. Solche Arbeitgeber seien zum Beispiel in der Automobilindustrie und im Umfeld derer Zulieferer zu finden. Wissensintensive Dienstleistungen umfassten unter anderem die Unternehmensberatung und, wie Brandt sie in seinen recht leger vorgetragenen Erkenntnissen nannte, „Software-Buden“ – also Computer-Spezialisten.

 Diese Bereiche verzeichneten die stärksten Zuwächse. Die nicht wissensintensiven Industrien dagegen seien von „Abwanderung nach Osteuropa und China“ bedroht. Brandt nannte in diesem Zusammenhang etwa große Lebensmittelhersteller.
Wissensbasiert bedeute nicht ausschließlich „High Tech“, räumte Brandt ein. Es gehe „nicht nur um das Gymnasium, um akademische Abschlüsse und Jobs für Ingenieure“. Auch die qualifizierte Facharbeit gewinne immer mehr an Bedeutung. Daher der Wink in Richtung der Politik, dass den Schulen und Berufsschulen gar nicht genug Aufmerksamkeit zuteil werden könne. Brandt predigte „intensive Wissensproduktion bis zum Handwerk“.

Ein weiterer Denkanstoß lautete „Die Chancen der Energiewende erkennen“. CIMA-Mann Brandt verwies auf seine Heimat Ostfriesland. Das einstige „Sorgenkind“ Niedersachsens habe in der jüngsten Vergangenheit massiv von Investitionen im Bereich der Windenergie profitiert.

Inhaltlich konnten Zuhörer an dieser Stelle die Brücke schlagen zu den einleitenden Worten des Vortrags. Brandt hatte darin der vermeintlichen Schicksalhaftigkeit einer Prognose – die für Schaumburg im Allgemeinen und Stadthagen im Besonderen sieht derzeit alles andere als rosig aus – eine klare Absage erteilt. „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“, zitierte der Volkswirt. Die Worte werden dem dänischen Physiker und Nobelpreisträger Niels Bohr zugeschrieben. „Prognosen“, führte Brandt aus, „sind Einschätzungen der Zukunft basierend auf dem Wissen der Gegenwart.“ Statt sich in solche Vorhersagen zu ergeben, sollten politische und wirtschaftliche Akteure sie als Anregung dahin gehend verstehen, welche Fragestellungen besonders viel Aufmerksamkeit verdient haben.

Unter dem Punkt „Sicherung der Infrastruktur“ betonte Brandt, dass hierzu nicht nur Straßen gehören. Mindestens ebenso einwandfrei müsse die Kommunikation – Stichwort Internet – funktionieren.

Wichtig sei außerdem, nicht auf „Rettung von Außen“ zu warten. Unternehmen zöge es dahin, wo sie die gesuchten „gut ausgebildeten Leute“ fänden. Deshalb gelte es, Stadthagen als Wohnstandort so attraktiv wie möglich zu machen. Die sich im Idealfall gegenseitig befeuernde Wechselwirkung zwischen Zuzug von Bürgern und Unternehmen nannte Brandt den Effekt einer „positiven Rückkopplung“.

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