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Spezialisierung und Flexibilität als Überlebensstrategie


In der Spezialisierung liegt für den Obermeister der Bäckerei-Innung Schaumburg, Dieter Pesalla, die Chance für das heimische Bäckerhandwerk, auch künftig im schärferen Wettbewerb mit Bäckerei-Großbetrieben einerseits, Tankstellen und Einkaufsmärkten um die Verbrauchergunst zu bestehen.

Die Qualität der Produkte überzeugt die Kunden und verhilft auch kleineren Betrieben zum Erfolg.

© jpw

Landkreis (jpw, gus, par). „Und man darf nicht zu billig werden, nicht versuchen, mit den Märkten mitzuhalten“, sagt der Steinhuder. Bäckereien seien variabler, könne noch am selben Tag flexibel auf Nachfragen und Bestellungen reagieren. Pesalla setzt auf ein breites Sortiment voller Quali-tät, müsse Trends erkennen und mitmachen.

„Umstellen“, sagt er an die Adresse der eigenen In-nungsmitglieder mit Blick auf die Konkurrenz der Großbäckereien mit ihren Filialen im Landkreis gerichtet: „Nicht immer nur Brot und Brötchen backen.“ Den Kunden müsse auch mal ein Snack, belegte Brötchen, Sitzplätze und ein Frühstück angeboten werden. „Das wird heute einfach verlangt.“

Pesalla konstatiert, dass sich Ernährungsgewohnheiten verändert haben. Früher seien belegte Brote in einer Brotdose mit zur Arbeit genommen worden. „Heute fährt man an die Tankstelle oder zur Bäckerei und holt sich dort etwas.“ Fast in jedem Einkaufsmarkt sei inzwischen ein Bäcker oder eine Backstation, an der „das warme Brot vorgetäuscht“ werde.

Der Konsum von Brot sei nicht zurückgegangen, nur das Sortiment habe sich geändert „Ein paar Kollegen sind auch noch mit dem Verkaufswagen unterwegs, in den Orten oder auf Märkten.“

Der Obermeister erinnert sich an die erste Zeit seiner Selbstständigkeit Ende der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts: „Damals gab es noch 90 backende Betriebe in Schaumburg. Jetzt sind noch 18 Betriebe in der Innung.“

Das Handwerk backt keine kleinen Brötchen

Fritz Pape, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Schaumburg, kennt das Problem, dass die kleinen und meist inhabergeführten Läden in den vergangenen Jahren immer weniger geworden sind. Jene, die bis heute überlebt haben, werden seiner Meinung nach aber eine Zukunft haben. „Eine gute Rezeptur und Qualität werden immer die aufgebackenen 15 Cent Brötchen aus dem Supermarkt schlagen“, sagte er. Ein gutes Brötchen dürfe 25 Cent und mehr kosten, so der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft.

Die kleinen Betriebe würden es verstehen, sich zu individualisieren und ein Angebot zu schaffen, das sich abgrenzt und Käufer findet. „Gerade bei den Vollkornprodukten gibt es qualitative Unterschiede.“

Immer beliebter werden seiner Meinung nach die mobilen Fahrgeschäfte auf den Schaumburger Dörfern, wo es keine Bäckereien mehr gibt. „Die Betriebe entdecken dort ihre Chancen und nehmen sie wahr. Teilweise sind sie auch im Catering-Bereich aktiv“, so Pape.

Er bedauert es hingegen, dass kleinere Betriebe keinerlei Möglichkeiten besäßen, in die größeren Supermärkte zu kommen. „Zu der Edeka-Gruppe gehört beispielsweise eine eigene Bäckereikette. Klar, dass diese bevorzugt wird.“ Seiner Meinung nach sei dies ärgerlich für die traditionellen Handwerksbetriebe, da viele Personen ihre Einkäufe „in einem Schwung“ erledigen würden.

„Schäfer“ Nummer eins, aber andere holen zahlenmäßig auf

• Unter den Bäckereien, die im Landkreis Schaumburg mehr als zwei Verkaufsstellen führen, gibt es eine eindeutige zahlenmäßige Nummer eins. Unter dem Namen „Bäckerei Schäfer“ firmieren 18 Filialen, die Backerzeugnisse der Edeka-Tochter anbieten.Allerdings zieht sich der Branchenriese (rund 900 Filialen zwischen Nordrhein-Westfalen und Brandenburg) an einigen Stellen im Kreis zurück. So machten die Verkaufsstellen im Stadthäger „Hagebaucentrum Altenburg“ und im Lindhorster Edeka an der Gewerbestraße dicht. Derweil stockt die Konkurrenz auf.

An der Lindhorster Gewerbestraße soll beispielsweise wie im Ortskern eine Filiale der „Bäckerei Bertermann“ aufmachen. Es wäre die zehnte Niederlassung des 36 Shops zählenden Unternehmens im Landkreis. Wie „Schäfer“ hat „Bertermann“ seinen Sitz in Minden.

Auf Platz drei rangiert die „Backstube Siebrecht“, die achtmal zu finden ist. Im Bereich der Vertretung in Brakel sind mehr als 100 Niederlassungen in Betrieb, die Vertretung in Erfurt ist in etwa genauso groß. Im Jahr 2011 plante das Unternehmen, im Bereich Brakel zahlreiche Filialen zu schließen.

Auf immerhin fünf Verkaufsstellen bringt es die Pollhäger „Bäckerei Otto“, die sich aber deutlich von den Ketten wie „Schäfer“ und „Siebrecht“ abgrenzt. Denn bei den vier Filialen und der Verkaufsstelle in Wiedensahl handelt es sich bereits um das gesamte „Otto“-Netz. Das Unternehmen zog übrigens als Nachfolger der „Bäckerei Schäfer“ im Stadthäger Hagebaucentrum ein. „Otto“ ist Mitglied der Bäckerinnung Schaumburg.

Vier Verkaufsstellen der Obernkirchener „Bäckerei Achter“ – ebenfalls Innungsmitglied – sind im Landkreis geöffnet, nachdem unter anderem eine Filiale in Hespe geschlossen worden war. Es handelt sich derzeit um drei Filialen und einen Verkaufswagen.

Auf jeweils drei Verkaufsstellen in Schaumburg bringen es die Pohler „Bäckerei Stummeyer“ und das Unternehmen „Karlchens Backstube“ mit Sitz in Löhne. Beide unterscheiden sich jedoch stark: „Karlchen“ betreibt 38 Filialen, würde gern weiter in Schaumburg expandieren, Stummeyer betreibt insgesamt vier Filialen und eine „Wiederverkaufsstelle“ und ist Mitglied der Schaumburger Innung.

In zwei Bad Nenndorfer Läden verkauft die Barsinghäuser „Bäckerei Hühnerberg“ ihre Erzeugnisse. Insgesamt hat das Unternehmen zwölf Filialen. In Rinteln und in Bad Nenndorf gibt es je eine Niederlassung der Wunstorfer „Bäckerei Hanisch“, die insgesamt an 18 unterschiedlichen Orten verkauft.

Eine klare Grenzziehung zwischen Kette und „kleinem Bäcker“ ist nicht ganz einfach. Eine Sprecherin der „Bäckerei Hanisch“ beschreibt es so: Dem Familienunternehmen sei es wichtig, alle Filialen täglich mehrfach frisch zu beliefern, was ein Industriebäcker nicht leisten könne.

Landkreis „sehr interessant“

• Das Schaumburger Land ist bei Bäckereiketten offenbar beliebt. Zumindest zieht es das Löhner Unternehmen „Karlchens Backstube“ zunehmend in den Landkreis. In Bückeburg und Stadthagen sowie zuletzt in 2011 in Kirchhorsten eröffneten Filialen des Unternehmens.

Und Laut Chef Karl Krüger sollen es noch mehr Niederlassungen werden. „Der Landkreis Schaumburg ist für uns sehr interessant“, betonte er gegenüber dieser Zeitung. Es handle sich um „keinen armen“ Landkreis, und zudem gebe es einen hohen Anteil an Familien. Ein Großteil der Kunden schätze daher Qualitätsware statt billigen Brötchen und Broten.

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