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„Vogeley wurde von Altlasten eingeholt“

Hameln „Vogeley wurde von Altlasten eingeholt“

„Das darf doch nicht wahr sein, die sollten sich schämen“, schimpften einige Vogeley-Mitarbeiter gestern, nachdem ihnen in einer Betriebsversammlung von den Gesellschaftern eröffnet worden war, dass das Unternehmen dichtgemacht wird und damit 110 Mitarbeiter in Hameln ihren Job verlieren.

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Quelle: pr.

Von Thomas Thimm

Hameln. Die Angestellten in der Produktion und Verwaltung des vor 120 Jahren gegründeten Traditionsunternehmens stehen somit kurz vor Weihnachten vor dem Nichts.

 Die Hügli AG, ein Schweizer Lebensmittelhersteller mit Standorten in der Schweiz, Österreich, Tschechien, Ungarn, der Slowakei, Polen, Italien und im baden-württembergischen Radolfzell hat Vogeley mit Wirkung zum 31. Dezember gekauft. Das Unternehmen übernimmt die Marke Vogeley, deren Rezepturen sowie den Kundenstamm, schließt jedoch den Standort Hameln. Der Kauf wird über die neu gegründete Hügli-Tochter „Vogeley Nahrungsmittel GmbH“ abgewickelt. Hügli übernimmt von den derzeit 180 Vogeley-Mitarbeitern die bundesweit tätigen Außendienstler, den Vertriebsinnendienst und das Telefonmarketing und erhält so 70 Arbeitsplätze – von denen jedoch nur 17 auf Dauer in Hameln bleiben. Hügli-Finanzchef Andreas Seibold: „Für uns und die 70 übernommenen Mitarbeiter war dies eine sehr gute Gelegenheit. Ohne die Übernahme hätten vermutlich alle 180 Mitarbeiter ihre Stelle verloren.“

 Ziel von Hügli ist, ab dem kommenden Jahr mit den Vogeley-Produkten „einen Umsatz von jährlich über 20 Millionen Euro“ zu erwirtschaften. Der Schweizer Konzern wird die Produktion der Hamelner Produkte nach und nach in sein eigenes Werk am Bodensee verlagern. Dieser Prozess wird maximal ein halbes Jahr dauern, so lange wird in Hameln noch weiterproduziert. Spätestens im Sommer ist dann Schluss am jetzigen Vogeley-Standort. 110 Mitarbeiter werden ihre Kündigungen erhalten, ein Sozialplan wird seit gestern zwischen Betriebsrat, Gewerkschaft und Unternehmen verhandelt.

 Seit Anfang des Jahres hatten drei Fondsgesellschaften noch versucht, das hoch verschuldete Unternehmen Vogeley zu retten. Die Fondsgesellschaften waren bereits zuvor als Geldgeber im Geschäft. Als die Lage immer prekärer wurde, erließen sie Vogeley acht der 18 Millionen Euro Schulden, übernahmen dafür aber 70 Prozent der Geschäftsanteile und das Ruder in der Gesellschaft. Stephan Lotz von der Fondsgesellschaft Patrimonium sitzt seither im Beirat des Unternehmens. Gestern musste er eingestehen, dass der Rettungsversuch „gescheitert ist“. Im ersten Quartal seien die Geschäfte noch gut gewesen, doch seit Mai seien dann die Umsätze zurückgegangen. Lotz: „Wir konnten die Probleme nicht lösen. Vor acht Wochen haben wir den Vertriebsleiter ausgetauscht und hofften, dadurch einen neuen Schub zu bekommen. Aber wir konnten es nicht mehr wenden.“ Der Umsatz von Vogeley blieb in diesem Jahr mit 26 Millionen Euro hinter den Erwartungen zurück. Lotz: „In den letzten fünf Jahren ist der Umsatz pro Jahr jeweils um fünf bis zehn Prozent nach unten gegangen.“

 Doch das war offenbar nicht der alleinige Grund für das Ende des Unternehmens: Zu den „Schwierigkeiten im Vertrieb“ in einem „ohnehin schwierigen Markt“ seien interne Probleme gekommen. Lotz: „Vogeley wurde von Altlasten aus der Zeit der alten Gesellschafter eingeholt.“

 Zum Kaufpreis will Lotz keine Auskünfte erteilen, auch die Hügli AG schweigt sich dazu aus. Lotz erklärte gegenüber der Dewezet lediglich: „Es wird für die Gesellschafter nichts übrig bleiben. Der Kauferlös wird einen Teil der Altlasten decken und den Sozialplan für die 110 zu entlassenden Mitarbeiter finanzieren. Die Fondsgesellschaften werden nach den acht Millionen Euro nochmals auf einen Betrag im siebenstelligen Bereich verzichten müssen. Und für die Familie Vogeley fließt kein Euro mehr.“

 Hamelns Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann reagierte schockiert auf die Nachricht vom Ende Vogeleys: „Das ist ein weiterer schwerer Schlag für Hameln. Wir werden uns schnellstmöglich einen eigenen Eindruck verschaffen und wir müssen schauen, wie wir die Mitarbeiter bei der Jobsuche unterstützen können.“ Wenn im Sommer der letzte Mitarbeiter das Vogeley-Werk abschließt, kommt neben der Wesermühle die nächste Nachnutzungsfrage auf Hameln zu. Lotz: „Ohne Alternativnutzung hat das Vogeley-Gebäude keinen Wert, zumal es in einem schlechten Zustand ist. Mögliche Abrisskosten dürften höher sein als der Wert von Gebäude, Grund und Boden.“

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