Landkreis (par/jpw). Der Orkan kam am Nachmittag: „Nach ersten Ausläufern mit heftigen Regenfällen und bereits nicht unterheblichen Windböen in den Vormittagsstunden, überschlugen sich im Landkreis Schaumburg in den kommenden Stunden die Ereignisse“, heißt es noch heute auf den Internet-Seiten einiger Feuerwehren.
Am späten Nachmittag begann bei vielen Einsatzkräften im Landkreis die über Stunden unablässige Alarmierung, wenn es galt, Bäume von der Straße zu ziehen. „Kyrill“ wütete entschlossen und heftig: Eine halbe Stunde nach Ankunft des Orkans liefen über die Rettungsleitstelle bereits 14 Einsätze zeitgleich.
Der Winterorkan, der in Europa Windgeschwindigkeiten bis zu 225 Stundenkilometern erreichte, trieb die Zahl der Feuerwehreinsätze als „technische Hilfeleistungen“ in Schaumburg für das Jahr 2007 auf das vorher noch nicht gekannte Maß von 1360. Üblich sind sonst, so die Dezernentin des Landkreises Schaumburg, Ursula Müller-Krahtz, zwischen 500 und 600 Einsätze. Diese Zahl wurde erst 2010 mit den Sommer-Überschwemmungen mit 1293 Einsätzen wieder fast erreicht.
Der Orkan deckte unzählige Dächer ab. In Stadthagen erlitten zwei Fahrradfahrer Verletzungen, weil sie mit umstürzenden oder umgestürzten Bäumen kollidierten. Während der eher flache Norden des Landkreises eher glimpflich davon kam, schlug „Kyrill“ in exponierten Waldlagen des südlicheren Gebietes voll zu.
Kahle Stellen wieder aufgeforstet
In weiten Teilen der Wälder im Landkreis Schaumburg hat in den Tagen nach „Kyrill“ ein Ausnahmezustand geherrscht – umgekippte Bäume waren weit und breit zu sehen. „Ein derartiger Orkan ist auch immer der Startschuss für eine neue Entwicklung in der Natur“, erklärte Kreisforstamtsleiter Lothar Seidel.
In erster Linie sei „Kyrill“ aber eine Katastrophe gewesen, von der sich die Forstwirtschaft auch fünf Jahre danach noch nicht gänzlich erholt habe. Besonders unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten sei ein immenser Schaden entstanden. „Das Holz haben wir natürlich zu deutlich schlechteren Konditionen verkauft.“
Auch mit den Nachfolgeschäden hatte die Forstwirtschaft in Schaumburg sehr zu kämpfen. „2008 und 2009 gab es ein hohes Schadholzaufkommen von Bäumen, die sich doch nicht mehr erholt haben“, sagte Seidel. Rund 300 000 Bäume wurden in den vergangenen fünf Jahren als Ausgleich am Bückeberg gepflanzt. „Wenn man dort jetzt spazieren geht, kann man förmlich spüren, wie die jungen Bäume wachsen – das ist wunderbar.“ Insgesamt wurden die kahlen Flächen mittlerweile zum größten Teil durch Laubbäume wieder aufgeforstet.
Die Waldflächen, die bislang noch nicht wieder neu bepflanzt worden sind, müsse man nach Angaben des Kreisforstamtsleiters zufolge als eine Chance verstehen. „Beispielsweise Eichen sind Bäume, die viel Licht brauchen. Für sie ist es gut, wenn sie mehr Sonne bekommen,“ erklärte Seidel.
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