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Wenn Frauen Bilanz ziehen: „Wo ist denn Ihr Chef?“

Landkreis Wenn Frauen Bilanz ziehen: „Wo ist denn Ihr Chef?“

Frauen in Führungspositionen sind im klassischen Handwerk nach wie vor selten. „Die Mehrheit der Betriebe ist von Männern dominiert“, meint Fritz Pape, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft.

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Nicht jeder Mann ist bereit, eine richtungsweisende Frau zu akzeptieren.

Quelle: dpa

Landkreis. Nur schätzungsweise 20 Prozent seien Frauen – oftmals übernehmen sie die Spitze des Familienunternehmens.

 Ausnahme bildet Pape zufolge die Friseurbranche. Auch Bäckerei- und Fleischereifilialen werden häufig von Frauen geleitet. Anders in der Bau- und Elektrobranche. Aber auch in der gibt es Sonderfälle.

 Kerstin Becker (39) musste ihre Führungsqualitäten sehr früh, nämlich mit 29 Jahren beweisen. Seit zehn Jahren leitet die Mutter von zwei Kindern das Familienunternehmen, den Meisterbetrieb Konrad Becker Elektro, in Hohnhorst. „Vorurteile bestehen noch immer“, sagt sie. Die Mitarbeiter hätten sich daran gewöhnt, eine Chefin zu haben, nur die Kunden – die seien oftmals verwundert, und fragten nicht selten: „Wo ist denn der Chef?“ Becker – die Gas- und Wasserinstallateurin und anschließend Elektroinstallateurin gelernt hat – bezeichnet das als den „Überraschungseffekt“, der sich bei neuen Kunden beim ersten Kontakt immer wieder zeige. Beckers Angestellte seien überwiegend männlich, aktuell gebe es nur eine Installateurin.

 Während so manche Frau mit der Vereinbarung von Chefrolle und Mutter zu kämpfen hat, hat Becker Glück gehabt – ihr Arbeitsplatz liegt im Familienhaus und damit in unmittelbarer Nähe zu ihrem eigenen zu Hause, was die Betreuung erleichtere.

 Auch Anke Wolter behauptet sich auf dem Chefsessel. Die 43-Jährige leitet seit 2006 das Familienunternehmen „Wolter Bau“ in Rinteln. „Mein Vater hatte drei Töchter, da war es eigentlich klar, das eine von uns ran musste“, sagt sie. Anders als in großen Konzernen mit einer stark ausgeprägten Hierarchie hat es ihrer Ansicht nach eine Chefin in mittelständischen Betrieben leichter. Im Großen und Ganzen habe sie nicht mit Vorurteilen zu kämpfen.

Einfach nur andere Prioritäten gesetzt?

In den Schaumburger Volksbanken und bei der Sparkasse sind Frauen in leitenden Positionen rar. Die Vorstände sind rein männlich besetzt. Auf der Marktbereichsleiter- und Abteilungsleiterebene, der sogenannten zweiten Führungsebene, gibt es mit Prokuristin Juliane Djouimai nur bei der Volksbank Hameln-Stadthagen eine Frau. In allen drei Instituten stellen die Verantwortlichen nach eigenen Angaben fest, dass Frauen weniger Lust auf Karriere zu haben scheinen als Männer.

So sagt Djouimai, die als Leiterin des Vertriebsmanagements auch für die Personalentwicklung zuständig ist, Frauen stünden zwar grundsätzlich dieselben Möglichkeiten offen. Viele setzten aber offenbar andere Prioritäten. Auch Sparkassen-Pressesprecher Werner Nickel beziffert die Bewerbungen von Frauen auf ausgeschriebene Führungspositionen mit einer von zehn. Dabei seien, Teilzeitstellen mitgezählt, 60 Prozent der Sparkassen-Mitarbeiter weiblich.

Markus Strahler ist Leiter des Vertriebsmanagments der Volksbank in Schaumburg. Genau wie Djouimai und Nickel gibt er an, es zeigten deutlich mehr Männer Interesse an leitenden Posten.

Djouimai, die unter anderem sieben Jahre lang in der Finanzmetropole London gearbeitet hat, hat zwei Kinder. Sie selbst habe sich nicht von Anfang an als karriereorientiert verstanden. „Mir hat das Mehr an Verantwortung einfach Spaß gemacht“, sagt die Prokuristin.

Trotzdem sagt sie: „Als Frau muss man doch immer noch ein bisschen kompetenter und pfiffiger sein“, um sich zu beweisen. Außerdem müsse man ab und zu besonders aufpassen – ein Beispiel: Nicht alle Männer könnten damit umgehen, von einer Frau in die Schranken gewiesen zu werden. Es sei auch schon vorgekommen, dass ein Umschüler den Betrieb wieder verlassen hat, weil er mit einer Chefin nicht zurecht gekommen sei.

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