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„Wir brauchen einen Markt für Strom“

Hameln / Energie „Wir brauchen einen Markt für Strom“

Sie wollen mit Wind Geld verdienen und gleichzeitig die Energiewende unterstützen – deshalb bauen die Stadtwerke Hameln zusammen mit elf anderen Energieversorgern ihre Stromerzeugung aus Windkraft aus.

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Zusammen mit der „Tobi-Windenergie“ beteiligen sich die Stadtwerke Hameln an Windrädern in ganz Deutschland

Quelle: pr.

Von Hans-Joachim Weiß

Hameln. Über die gemeinsame Gesellschaft „Tobi Windenergie“ wurden bereits im Dezember 2009 elf Anlagen mit einer Leistung von 20 Megawatt (MW) erworben; 2012 kamen fünf weitere Windräder mit einer Leistung von zehn MW hinzu und erst kürzlich ist der Zukauf von sechs zusätzlichen Rotoren (12 MW) mit einem Rostocker Anlagenhersteller vereinbart worden. Knapp zwei Millionen Euro ist dem heimischen Versorger diese Investition in die Zukunft wert.

Tobi Windenergie – eine Kooperation der Stadtwerke aus Hameln, Bad Pyrmont, Hildesheim, Neustadt am Rübenberge, Bad Salzuflen, Bad Honnef, Bocholt, Iserlohn, Menden, Peine, Böhmetal und Steinhagen – produziert bereits jetzt deutschlandweit rund 80 Millionen Kilowattstunden Strom. Auf die Stadtwerke Hameln mit ihrem Tobi-Gesellschaftsanteil von 14,7 Prozent entfällt eine Strommenge von zwölf Millionen Kilowattstunden. „Dies entspricht einem Jahresverbrauch von 3400 Haushalten“, betont Susanne Treptow, Geschäftsführerin des heimischen Versorgers.

Dafür haben die Stadtwerke Hameln die Pläne, sich an dem Offshore Windpark Bard 1 vor der Nordsee-Insel Borkum zu beteiligen, heimlich, still und leise zu den Akten gelegt. „Die Gesellschaft, an der wir beteiligt waren, wird liquidiert, weil der Satzungszweck, zu kaufen, nicht mehr verfolgt wird“, berichtet Treptow. Das Projekt sei nicht mehr finanzierbar gewesen. „Die Bank war nicht mehr bereit, zu dem vereinbarten Preis zu verkaufen. Da haben wir gesagt: Dann nicht“, begründet die GWS-Geschäftsführerin. Abgeschrieben werden müssen Projektkosten, die Treptow jedoch nicht näher beziffern kann. Sie betont jedoch, dass dieser Betrag kaum nennenswert sei und zwischen den ehemals beteiligten Stadtwerken aufgeteilt werden.

Doch trotz geschäftlicher Erfolge aus dem Bereich der erneuerbaren Energien sieht Treptow noch eine Menge Probleme, wenn der von der Bundesregierung für 2020 avisierte Ausstieg aus der Atomkraft gelingen soll. Der Grund liege in den konventionellen Braunkohle-, Steinkohle oder Gaskraftwerken, die als Reserve zur Verfügung stehen müssten, wenn weder die Sonne scheint, noch der Wind weht. „Die Fixkosten werden gedeckt, aber das zahlt ebenfalls der Verbraucher“, bemängelt Treptow und beklagt, dass seitens der Bundesregierung derzeit wegen der bevorstehenden Wahl „alles auf Sparflamme gehalten wird“, was das Erneuerbare Energiengesetz (EEG) angehe.

So funktionierten die freien Märkte für Strom nicht mehr, weil über die EEG-Umlage alles reguliert werde, was in die Verbraucherpreise einkalkuliert werden müsse. „Wir brauchen einen Preis für gesicherte Leistung, denn sonst wird niemand mehr Kraftwerke betreiben oder bauen. Dann ist der Wirtschaftsstandort Deutschland gefährdet“, sagt Treptow und rechnet vor, dass auf den derzeitigen Preis von 27 Cent für eine Kilowattstunde Strom 52 Prozent an staatlichen Abgaben entfielen. Deshalb werde der Strompreis auch weiter steigen, prognostiziert die Stadtwerke-Chefin. Sie erhofft sich, dass nach der Bundestagswahl das EEG zugunsten der Verbraucher geändert werde. „Der Verbraucher fühlt sich nicht mitgenommen. Ich wünsche mir Märkte, sonst brauchen wir keinen liberalisierten Energiemarkt mehr“, sagt Susanne Treptow, die zusammen mit den an der Tobi beteiligten Stadtwerken gerade ein Konzept erarbeitet, das nach der Wahl der Bundesregierung vorgelegt werden soll.

„Wir wollen uns als Stadtwerke Hameln vom Energiemarkt unabhängiger machen, sind deshalb auch in die Stromerzeugung eingestiegen und streben einen Mix aus konventioneller und erneuerbarer Energie an“, sagt Treptow und begründet damit die Tobi-Beteiligung an einem Gaskraftwerk in Bremen-Mittelsbüren, das derzeit gebaut werde und ab Mitte nächsten Jahres auch die Rattenfängerstadt mit Strom versorgen soll. Den Stadtwerken Hameln ist das eine Investition von 800.000 Euro wert.

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