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Zahl der Schuldner in Schaumburg steigt

Wirtschaft / Landkreis Zahl der Schuldner in Schaumburg steigt

Die Schuldenfalle schnappt schnell zu: Bundesweit ist fast jeder zehnte Erwachsene (9,65 Prozent) überschuldet. In Schaumburg liegt die Quote mit 11,48 Prozent sogar noch ein wenig höher.

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Oft häufen sich Schulden in kurzer Zeit an. Betroffenen bleibt meist kaum finanzieller Spielraum, um die aufgelaufenen Ausstände zu begleichen.

Quelle: pr.

Landkreis (aw/bes). Zu diesem Ergebnis kommt die Wirtschaftsauskunftei Creditreform in ihrem Schuldner-Atlas 2012.

 Ging die Zahl der Schuldner in den Jahren 2006 bis 2009 auf 10,22 Prozent zurück, verzeichnet sie seither wieder einen Anstieg. Allerdings hält sich das Niveau der Privatinsolvenzen und Kontopfändungen nach Auskunft der ortsansässigen Kreditinstitute konstant auf einem niedrigen Niveau. 2010 sei die Zahl der Privatinsolvenzen „extrem hochgegangen“, sagte beispielsweise Juliane Djouimai, Pressesprecherin der Volksbank Hameln-Stadthagen. Im Folgejahr habe sich dieser Trend mit 167 Privatinsolvenzen allerdings wieder umgekehrt, und für 2012 verzeichnet die Bank in ihrem Einzugsgebiet bislang 128 Fälle – Tendenz abnehmend. Die Sparkasse und die Volksbank in Schaumburg verzeichnen nach eigenen Angaben keine Verschlechterung – allerdings auch keine Verbesserung. „Ich kann nur sehen, dass es eine Verschiebung vom gewerblichen zum privaten Bereich gibt“, sagte Carsten Lampe, bei der Sparkasse Schaumburg für die Sanierung und Abwicklung von Krediten zuständig. Zurückzuführen ist diese Entwicklung auf die Wirtschaftskrise, infolge derer viele Mitarbeiter beispielsweise auf einen Teil ihres Lohns verzichtet hätten.

Schuldenregulierung als bester Ausweg

Hilfe bekommen Betroffene unter anderem bei der Verbraucherberatung Schaumburg. Angefangen hatte der in Bad Eilsen ansässige Verein 2010 noch als reine Schuldnerberatung, inzwischen wird das Angebot aber unter dem Vorsitz von Anja Keller deutlich ausgebaut. „Wir haben schätzungsweise 120 Fälle im Jahr“, sagt Oliver Keller, der derzeit die Schuldnerberatungsstelle des Vereins leitet. Die Nachfrage verhalte sich zwar zyklisch zum Arbeitsmarkt und zur allgemeinen Wirtschaftsentwicklung, aber: „Der Bedarf ist immer da.“
Die Gründe für eine Überschuldung sind vielfältig. Arbeitslosigkeit beispielsweise bringt eine sofortige Einkommenseinbuße von 30 Prozent mit sich, und die Tatsache, dass ältere Arbeitnehmer große Schwierigkeiten haben, eine Stelle zu finden, macht es nicht gerade einfacher. Noch schlechter ergeht es Menschen mit einer schweren Krankheit: Sie können kein Geld mehr verdienen, haben womöglich noch hohe Behandlungskosten zu tragen und sind von einer Berufsunfähigkeitsversicherung abhängig. Und auch die Scheidung, die das Einkommen der Eheleute schnell mal „halbieren“ kann, ist eine der Hauptursachen. Hinzu kommt, dass es, so Keller dank „heutzutage relativ einfach“ sei, Schulden zu machen. Als Beispiel nennt er die Ratenfinanzierung im Einzelhandel. Dabei verlieren die Schuldner sehr leicht den Überblick über ihre Verpflichtungen. „Viele Leute häufen immer mehr Schulden an.“

  • Wer in eine solche Schuldenfalle geraten ist, kann gemeinsam mit der Schuldnerberatung den Weg einer Schuldenregulierung versuchen. Dabei werden alle anstehenden Zahlungsverpflichtungen überprüft, und der Schuldnerberater versucht, mit den Gläubigern eine Regelung zu treffen, dank der der Schuldner seinen Verpflichtungen auf Basis eines Schuldenbereinigungsplans in angemessenem Maße nachkommen kann.
  • Ist dieser Weg nicht erfolgreich, bleibt die Verbraucherinsolvenz . Das sei, betont Keller, „nichts Schlimmes, sondern für viele etwas Gutes.“ Dabei handelt es sich um ein stark vereinfachtes Insolvenzverfahren, bei dem ein Treuhänder eine Tabelle mit sämtlichen Forderungen zusammenstellt und das Vermögen des Schuldners verwertet. Ziel ist meist, eine Restschuldbefreiung zu erreichen.

In jedem Fall aber rät Keller, die Schuldnerberatung möglichst frühzeitig aufzusuchen. „Wenn die Leute zu uns kommen, ist das Kind meistens schon in den Brunnen gefallen.“ Sobald absehbar sei, dass man die fälligen Zahlungen nicht mehr leisten kann, sei jedoch der Gang zur Beratungsstelle dringend angeraten. Außer der Beratungsstelle in Bad Eilsen bieten auch die gewerkschaftseigene Bildungsvereinigung „Arbeit und Leben“ und das Diakonische Werk in Stadthagen Schuldnerberatungen an.

Kontakt suchen statt übereilt handeln

Auch für diejenigen, die etwa als Vermieter ungewollt zu Gläubigern geworden sind, gibt es professionelle Hilfe. „Ich sollte mich absichern, dass der Zahlungsrückstand nicht ins Unermessliche steigt“, sagt Andreas Reichelt. Der promovierte Jurist ist Rechtsanwalt beim Haus-und-Grundeigentümer-Verein in Hannover und steht gemeinsam mit seinen Kollegen Immobilienbesitzern in solchen Fällen zur Seite. Allerdings rät der Experte von einer vorschnellen Kündigung ab. Vielmehr sollten Betroffene den Kontakt zu den Mietern suchen, um den Grund für den Ausstand zu erfahren. „Dahinter kann zum Beispiel eine Trennung stehen, der Mann ist ausgezogen und zahlt nicht, und der Unterhalt ist noch ungeklärt.“
Insbesondere bei langjährigen Mietern, mit denen es zuvor keine Probleme gegeben hat, empfiehlt Reichelt diesen Schritt. „Es ist durchaus ratsam, auch auf eine Monatsmiete zu verzichten. Bei der Suche nach neuen Mietern entstehen hohe Kosten.“
Zudem könne man nicht immer „hinter die Fassade“ der Interessenten schauen, sodass im schlimmsten Fall auch Mietnomaden in die Wohnung oder das Haus einziehen. „Die ruinieren die Immobilie, sodass sie so schnell wie möglich wieder raus sollten“, hebt der Jurist hervor. Anzeichen für solche Mietbetrüger seien das Ausbleiben der Kaution und der ersten Miete. „Wenn die Mieter nicht erreichbar sind und die Handynummer nicht stimmt“, sei auch Vorsicht geboten.
Um einen solchen Fall zu vermeiden, gibt es bei dem Verein Haus-und-Grundeigentümer spezielle Fragebögen, in denen auch nach etwaigen Eidesstattlichen Versicherungen, laufenden Insolvenzverfahren und anderen Daten der potenziellen Mieter gefragt wird.

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