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Wissen 27 Möglichkeiten, wie eine Hitzewelle Sie töten kann
Nachrichten Wissen 27 Möglichkeiten, wie eine Hitzewelle Sie töten kann
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14:06 07.08.2018
Ein Mann wischt sich den Schweiß aus seinem Gesicht in der sengenden Hitze in Tokio. Quelle: Koji Sasahara/dpa
Hannover

Hitze kann tödlich sein. Der Hitzewelle von 2003 fielen in Europa 70.000 Menschen zum Opfer. Das ist beunruhigend, vor allem wenn man sich klar macht, dass die Häufigkeit, Dauer und Intensität von Hitzewellen deutlich zunehmen werden – eine Folge des Klimawandels.

Auf den ersten Blick scheint es da vielleicht ein wenig deplatziert, eine wissenschaftliche Studie „Siebenundzwanzig Möglichkeiten, wie eine Hitzewelle Sie töten kann“ zu nennen. Aber das Ziel von Camilo Mora und seinen Kollegen, die die Studie 2017 veröffentlichten, war es auch, vor den Folgen des Klimawandels zu warnen. Sie geben „einen besorgniserregenden Einblick, was ein erwärmender Planet für uns bereithalten könnte“.

Hitze kann für alle Menschen ein Problem sein

Denn, so sagen die Wissenschaftler: Hitze ist zwar vor allem für ältere, Kinder oder Kranke ein Problem – aber eben nicht ausschließlich. Die Wissenschaftler haben insgesamt 27 Möglichkeiten, an einer Hitzewelle zu sterben, identifiziert. Die Zahl ergibt sich daraus, dass fünf verschiedene Mechanismen unterschiedliche Organe wie das Herz, das Gehirn oder die Lunge treffen können. Das passiert so:

Blutmangel und Zelltod

Wenn der Körper Hitze ausgesetzt ist, veranlasst der Hypothalamus, mehr Blut aus dem Körperinneren in Richtung Haut zu transportieren, um den Körper zu kühlen. Bei den anderen Organen wie dem Herz oder Gehirn kann diese Reaktion aber zu Blutmangel (Ischämie) beziehungsweise Sauerstoffmangel führen. Zellen können dann absterben.

Die Hitze kann auch die Zellen direkt schädigen: Wenn die Körpertemperatur die Toleranzwerte der Zellen überschreitet – weil der Körper es nicht mehr schafft, sich selbst zu kühlen – können sie beschädigt werden oder den Zelltod sterben (Hitze-Zytotoxizität).

Werden Hitze-Zytotoxizität und Ischämie Zellmembranen beschädigt, können sie durchlässig für Giftstoffe und Krankheitserreger werden. Wenn dann zum Beispiel die Darmschleimhaut passierbar für Bakterien ist, können diese ins Blut übergehen und eine Blutvergiftung auslösen.

Blutgerinnsel und Nierenversagen

Eine solche systemische Entzündungsreaktion und Verletzungen der Blutgefäße können dazu führen, dass Proteine, die die Blutgerinnung kontrollieren, plötzlich hyperaktiv werden. Heißt: Blutgerinnsel bilden sich, die Blutzufuhr zu den Organen kann verstopfen.

Schließlich können sich durch die Hitze (und die dadurch ausgelösten Mechanismen) auch Muskelzellen abbauen. Dabei wird ein bestimmtes Protein freigesetzt, das besonders für die Niere schädlich ist. Nierenversagen kann die Folge sein.

Teufelskreis Organversagen

Dabei sind alle diese Reaktionen miteinander verbunden: Funktioniert ein Organ nicht mehr richtig, kann das negative Auswirkungen auf ein anderes haben. „Ein Teufelskreis aus Multiorganversagen“ könne ausgelöst werden, der oft zu Tod, dauerhaften Behinderungen oder langwieriger Genesung führe, schreiben die Wissenschaftler.

Dass die Menschen schnell eine bessere Resistenz gegen Hitze entwickeln, ist unwahrscheinlich. Viel eher werde eine immer wärmere Welt, die Menschen zunehmend im Inneren einsperren, schreiben Mora und seine Kollegen. Vorausgesetzt sie können sich so etwas wie eine Klimaanlage überhaupt leisten.

Von asu/RND

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