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Wissen Physik-Nobelpreis geht nach Großbritannien
Nachrichten Wissen Physik-Nobelpreis geht nach Großbritannien
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13:27 04.10.2016
Bringt nicht nur Ruhm: Die Nobel-Auszeichnungen sind mit je 8 Millionen schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) dotiert. Quelle: dpa
Stockholm

Der Nobelpreis für Physik geht im Jahr 2016 an drei englische Forscher: Die in den USA tätigen Wissenschaftler David Thouless, Duncan Haldane und Michael Kosterlitz bekommen die Auszeichnung für ihre Arbeit in der Quantenphysik. Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm mit.

Die höchste Auszeichnung für Physiker ist mit umgerechnet etwa 830.000 Euro (8 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Eine Hälfte erhält Thouless, die andere teilen sich Haldane und Kosterlitz.

„Tür zu einer unbekannten Welt geöffnet“

„Die Geehrten haben eine Tür zu einer unbekannten Welt geöffnet, in der Materie seltsame Zustände annehmen kann. Sie haben fortschrittliche mathematische Methoden benutzt, um ungewöhnliche Phasen oder Zustände von Materie zu untersuchen, beispielsweise Superkonduktoren, Superfluide oder dünne magnetische Schichten“, hieß es von der Akademie. „Dank ihrer Pionierarbeit ist die Jagd auf neue und exotische Zustände von Materie eröffnet.“

Physik-Nobelpreisträger im Jahr 2016: David Thouless, Duncan Haldane und Michael Kosterlitz Quelle: AFP

Leer ausgegangen sind dagegen die Wissenschaftler des Ligo-Observatoriums in den USA, die im Februar den ersten direkten Nachweis von Gravitationswellen verkündet haben. An der spektakulären Entdeckung waren Physiker der Leibniz Universität Hannover sowie des Albert-Einstein-Instituts maßgeblich beteiligt.

Gravitationswellen sind eine Vorhersage von Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie. Ihre Entdeckung ein Jahrhundert nach Einsteins Prognose öffnet ein neues Beobachtungsfenster ins Universum. Für ein Nobelpreis im Jahr 2016 reichte das aber nicht aus – stattdessen entschied sich die Jury für die theoretischen Arbeiten von Thouless, Haldane und Kosterlitz.

Komplizierte Theorien – selbst für Experten

Das stößt nicht überall auf Begeisterung. Es sei für ihn völlig überraschend, dass der Preis für Grundlagentheorie vergeben wurde, „die vielleicht irgendwann einmal angewendet wird“, sagte Rolf-Dieter Heuer, Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.

Die Theorien der drei Preisträger sind nicht einfach zu verstehen. Selbst den Nobel-Juroren fiel es schwer, sie zu erklären. Die drei bekanntesten Zustände von Materie kennt jeder: gasförmig, flüssig, fest. Unter bestimmten Bedingungen kann Materie aber auch exotischere Zustände annehmen und ungewöhnliche Eigenschaften entwickeln.

Dazu gehören beispielsweise sogenannte Superkonduktoren, in denen Strom besonders leicht fließen kann, aber auch sogenannte Superfluide oder dünne magnetische Schichten. Mit ihren Theorien machen es Thouless, Haldane und Kosterlitz möglich, diese Phänomene zu erklären.

Auf den Arbeiten der drei gebürtigen Briten ruhen große Hoffnungen. „Ihre Arbeit, die ungewöhnliche Zustände von Materie unter die Lupe nimmt, könnte zu neuen Materialien führen, die neuartige Anwendungen in der Materialwissenschaften und der Elektronik möglich machen“, erklärte Robert Brown, Geschäftsführer des Amerikanischen Instituts für Physik. „Es gibt die Hoffnung, dass man elektronische Zustände findet, die besonders robust gegen Störungen von außen sind“, sagte Henning Riechert vom Paul-Drude-Institut für Festkörperelektronik in Berlin.

Chemie-Nobelpreis folgt am Mittwoch

Mit der Bekanntgabe der begehrten Auszeichnung in Medizin hatte am Montag die Woche der Nobelpreise begonnen. Der Japaner Yoshinori Ohsumi hatte den Preis für die Entschlüsselung eines lebenswichtigen Recycling-Systems in Körperzellen zuerkannt bekommen.

Am Mittwoch wird der Nobelpreisträger in Chemie in Stockholm gekürt. Den Träger des Friedensnobelpreises 2016 gibt eine Jury am Freitag in Oslo bekannt. Wer den diesjährigen Literaturnobelpreis bekommt, erfährt die Welt erst am darauffolgenden Donnerstag. Die Auszeichnungen sind mit je 8 Millionen schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) dotiert. An Alfred Nobels Todestag, dem 10. Dezember, werden sie in Stockholm und Oslo verliehen.

Physik-Nobelpreisträger von 2006 bis 2015

Der Physik-Nobelpreis wird seit 1901 vergeben. Die erste Auszeichnung erhielt der deutsche Physiker Wilhelm Conrad Röntgen für die Entdeckung der „X-Strahlen“, der später nach ihm benannten Röntgenstrahlen.

  • 2015: Der Japaner Takaaki Kajita und der Kanadier Arthur McDonald. Sie hatten nachgewiesen, dass Neutrinos eine Masse besitzen. Die winzigen neutralen Elementarteilchen durchströmen das All und selbst Mauern.
  • 2014: Die gebürtigen Japaner Isamu Akasaki, Hiroshi Amano und Shuji Nakamura für die Erfindung hocheffizienter Lichtquellen. Die blau leuchtenden Dioden ermöglichen helle und energiesparende LEDs.
  • 2013: Der Belgier François Englert und der Brite Peter Higgs für die Vorhersage des Higgs-Teilchens.
  • 2012: Serge Haroche aus Frankreich und David Wineland aus den USA für Fallen, mit denen sich geladene Teilchen (Ionen) und Licht (Photonen) einfangen lassen. Sie schufen damit Grundlagen für genauere Uhren und grundsätzlich neue Computer.
  • 2011: Saul Perlmutter, Adam G. Riess (beide USA) und Brian P. Schmidt (USA und Australien) für die Beobachtung, dass sich das All derzeit immer schneller ausdehnt.
  • 2010: Der Niederländer Andre Geim und der britisch-russische Physiker Konstantin Novoselov für ihre Arbeiten zu Graphen. Das einlagige Gitter aus Kohlenstoffatomen leitet hervorragend Hitze und Strom.
  • 2009: Charles Kao (China), Willard Boyle und George Smith (beide USA) für die schnelle Datenübertragung durch Glasfasern sowie für den lichtempfindlichen CCD-Chip.
  • 2008: Yoichiro Nambu (USA), Makoto Kobayashi (Japan) und Toshihide Maskawa (Japan) für die Entdeckung und Erklärung sogenannter Symmetriebrechungen in der Teilchenphysik, die das Verständnis der Natur entscheidend verbessert haben.
  • 2007: Peter Grünberg (Deutschland) und Albert Fert (Frankreich) für die Entdeckung des „Riesenmagnetowiderstands“, durch den sich die Speicherkapazität von Computer-Festplatten drastisch erhöhen ließ.
  • 2006: John C. Mather und George F. Smoot (beide USA) für die Entdeckung der Saat der Galaxien in der kosmischen Hintergrundstrahlung, dem „Echo des Urknalls“.

Von dpa/RND