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Wissen Taubenschwänzchen: Schwirrt da ein Kolibri vorm Balkon?
Nachrichten Wissen Taubenschwänzchen: Schwirrt da ein Kolibri vorm Balkon?
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14:40 29.10.2018
Immer öfter im Norden Europas anzutreffen: Ein Taubenschwänzchen sammelt an Blüten Nektar. Quelle: picture alliance/Patrick Seeger/dpa/
Hannover

Wer zum ersten Mal ein Taubenschwänzchen entdeckt, muss unweigerlich an einen kleinen, flinken Vogel denken: So wie sich der Schmetterling bewegt, die Flügel in permanenter Bewegung und im Schwirrflug von Blüte zu Blüte eilt, sieht er einem Kolibri verdammt ähnlich.

Mit rund 80 Flügelschlägen in der Sekunde kann er nicht nur in der Luft verharren, sondern auch rückwärts fliegen. Wie Kolibris kosten auch ihn diese akrobatischen Flüge viel Energie, weshalb der Nachtfalter den Tag nutzt. In fünf Minuten schwirrt er mehr als hundert Blüten an, um seinen Energiebedarf zu decken. Wie die in Nord- und Südamerika beheimateten Kolibris ernährt er sich von Blütennektar.

Mittelmeerbewohner als Balkongast

Taubenschwänzchen sind immer häufiger auch in Deutschland in Gärten- und Balkonkästen zu entdecken. Mit ihrem langen Rüssel saugen sie die Kelche von Blüten aus, die anderen Insekten unzugänglich sind. Der wendige Schwärmer favorisiert Geranien, Petunien oder Phlox, wie Michael Ochse vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) erklärt. Der Wanderfalter besuche aber auch andere Pflanzen wie Flieder, Primeln oder Veilchen.

Taubenschwänzchen stammen eigentlich aus Südeuropa, sie sind im Mittelmeerraum, aber auch in Asien weit verbreitet. Jedoch sei es keine Seltenheit, dass sie bis zu 2000 Kilometer in zwei Wochen auf ihrer Wanderschaft zurücklegen, sagt Nabu-Experte Ochse. Immer wärmere Sommer wie der in 2003 oder in diesem Jahr machen es möglich, dass die Falter die Alpen überqueren und sich immer weiter nach Norden vortasten. Selbst in Skandinavien und den Britischen Inseln seien sie bereits gesichtet worden.

Nabu: Im August eines der am häufigsten beobachteten Insekten

Beim diesjährigen „Insektensommer“ des Nabu, bei dem bundesweit Bürger teilnehmen und Insekten zählen konnten, rangierte das Taubenschwänzchen bei der ersten Zählung im Juni noch auf Rang 30. Bei der zweiten Zählung im August wurden mit rund 800 Meldungen vier Mal so viele Tiere gezählt. Damit landete das Taubenschwänzchen im Hochsommer auf Platz zehn der häufigsten Insektenbeobachtungen, wie der Nabu meldete.

Die Bürgersichtungen bestätigen auch andere Studien: „Seit Jahren beobachtet man, dass dieser tagaktive Nachtschwärmer sich durch ein wärmeres und milderes Klima weiter nach Norden vorschiebt“, beschreibt Daniela Franzisi, die das Mitmach-Projekt des Nabu leitet. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich mittlerweile eigene Populationen des Taubenschwänzchens in Deutschland niederlassen. So ziehe der Wanderfalter nicht mehr im Winter über die Alpen zurück in seine Heimat, sondern bilde hierzulande eine eigene Population.

Die nördlichste Sichtung verzeichnete der Nabu in diesem Jahr aus Leck in Nordfriesland ganz in der Nähe der dänischen Grenze. Der in diesem Jahr erstmals ins Leben gerufene „Insektensommer“ soll einerseits Daten zu Beständen und Verteilungen von Insekten liefern. Die Bürger sollen aber auch Arten kennenlernen und auf das oft unbekannte Leben in ihren Gärten aufmerksam werden. Im nächsten Jahr sollen die Daten vom 31.Mai bis zum 9. Juni und vom 2. bis 11. August gesammelt werden.

Schmetterling mit Vogelschwanz

Oft verwechselt wird das Taubenschwänzchen nicht nur durch seinen schwirrenden Flug, den ein leichtes Brummen begleitet. Auch sein Saugrüssel kann schnell für den langen Schnabel eines Kolibris gehalten werden. Zudem erinnert der schwarz-weiß gezeichnete Hinterleib an einen Vogel: Dort befinden sich verlängerte Schuppen, die einem Federschwanz nicht nur optisch ähneln. Sie helfen im Flug zu steuern.

Während im deutschen Sprachraum die vermeintlichen Schwanzfedern den Namen für den Falter gaben, rücken ihn andere Nationen in die Nähe der Kolibris. Im Spanischen heißt er „Esfinge colibrí“ (Sphinx Kolobri), im Englischen „Hummingbird Hawk-moth“ (Kolobri Hawk-Motte).

Der Bienenfresser (Merops apiaster) siedelt ebenfalls vermehrt in Mitteleuropa. Quelle: imago/blickwinkel/McPHOTO/A.Trunk

Bienenfresser folgt seiner Beute

An Kolobris erinnert auch ihre Größe: Taubenschwänzchen sind mit 18 bis 30 Millimeter Länge relativ groß. Ihre Spannweite der rostbraunen Flügel kann sich mit 36 bis 60 Millimetern durchaus mit einem kleinen Vogel messen. Das macht sie auch für heimische Insektenfresser wenig interessant. Allerdings folgen ihnen ihre natürlichen Feinde nach: So ist laut Bund für Umwelt- und Naturschutz der Bienenfresser, ein auffallend bunter Vogel, in Deutschland ansässig geworden. Auch er profitiert von einem wärmeren Klima.

Von RND/nie

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