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Wissen Trauer um Max Mannheimer
Nachrichten Wissen Trauer um Max Mannheimer
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15:46 25.09.2016
Max Mannheimer mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Gedenkstätte in Dachau. Quelle: dpa
München

Trauer um Dr. h.c.Max Mannheimer: Der Schoah-Überlebende, der sein ganzes Leben in den Dienst der Versöhnung und Aufklärung gestellt hatte, ist tot. Er starb nach einer Bein-Operation in einem Münchner Krankhaus. Bundespräsident Joachim Gauck bezeichnete Mannheimer als großartigen Menschen und einen bedeutenden Zeitzeugen: „Niemals hat er Rache oder Vergeltung das Wort geredet, sondern immer Zeichen der Versöhnung gesetzt.“ Berühmt wurde Max Mannheimers Satz: „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte Mannheimer. „Wir schulden ihm Dank“, twitterte Regierungssprecher Steffen Seibert. Mannheimer sei ein „Mahner gegen das Vergessen und großer Versöhner“ gewesen. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sprach von einem schmerzlichen Verlust. „Er wird uns allen fehlen“, sagte Seehofer laut Mitteilung. „Max Mannheimer war ein Überlebender des Grauens, der die Menschen trotz aller bitteren Erfahrungen liebte“, erklärte Christoph Heubner, Vizepräsident des Internationale Auschwitz Komitees.

Eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, schrieb zum Tode Mannheimers: „Max Mannheimer verkörperte die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Er war eine unersetzliche Stimme für die Millionen im Holocaust ermordeten Menschen und zugleich für die Überlebenden der Schoah und ihre Botschaft an die Heutigen. Daher verstand er sich eben nicht nur als Mahner, sondern ganz bewusst auch als Vermittler. Er ließ sich von seinem grauenvollen Schicksal nicht den Lebensmut nehmen, verzagte und verzweifelte nicht, ließ sich nicht verbittern. Vielmehr war er unvorstellbar gnädig und bereit, auf die Menschen, vor allem die jungen Menschen in unserem Land, zuzugehen.“

Ein Kämpfer gegen das Vergessen

Die jüdische Familie Mannheimer aus Mähren im heutigen Tschechien geriet trotz Flucht in die Hände der Hitler-Schergen. Sie wurde ins Konzentrationslager Theresienstadt und von dort nach Auschwitz-Birkenau gebracht. Mannheimer verlor fast seine ganze Familie. Er selbst war mehr als zwei Jahre in Konzentrationslagern gefangen, ehe er wenige Tage vor Ende des Zweiten Weltkrieges von US-Soldaten befreit wurde. Es wurde seine Lebensaufgabe, öffentlich gegen Rechtsradikalismus und Antisemitismus zu kämpfen. Unermüdlich engagierte er sich seit den 1980er Jahren als Zeitzeuge für die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus.

Mannheimer engagierte sich in der Lagergemeinschaft Dachau und war seit 1988 deren Vorsitzender. Wie kein Zweiter habe sich Mannheimer mit seiner ganzen Person eingebracht, um gegen das Vergessen anzukämpfen und gleichzeitig als Versöhner aufzutreten, teilte die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, Gabriele Hammermann, mit. „Die Gedenkstätte und ihre Mitarbeiter trauern um einen guten Freund“, sagte Hammermann. „Sein Tod wird eine große Lücke reißen.“

Von RND/dpa