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Wissen Von der Kunst des Abstiegs
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08:02 11.05.2018
Martin Wehrle ist Karrierecoach und Bestsellerautor, sein aktuelles Buch: „Der Klügere denkt nach – Von der Kunst, auf die ruhige Art erfolgreich zu sein“ (Mosaik, 2017). Quelle: gpt
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Hamburg

Viele Jahre hat die Karriereleiter nur eine Richtung gekannt: Es musste aufwärts gehen. Wer „etwas sein“ wollte, brauchte einen Titel auf der Visitenkarte, je höher, desto besser. Der Abteilungsmitarbeiter wollte zum Teamleiter aufsteigen, der Teamleiter griff nach der Position des Abteilungsleiters, und der Abteilungsleiter streckte sich nach dem Job des Bereichsleiters. Als wäre es ein Naturgesetz.

Was tun, wenn die Karriereleiter zu steil ist?

Doch immer häufiger kommen Menschen zu mir in die Karriereberatung, die nicht aufsteigen, sondern absteigen wollen. Da ist der Bereichsleiter, der nach ein paar Jahren sagt: „Eigentlich war ich in meiner Fachaufgabe viel glücklicher als jetzt im Management. Ich sitze nur noch in Meetings und komme jeden Tag ausgebrannt nach Hause.“ Oder der Abteilungsleiter, dem die Erkenntnis kommt: „Ich will keine Arbeit delegieren, sondern sie selbst möglichst gut machen.“ Oder die Vertriebsleiterin, der auffällt: „Seit ich nicht mehr jeden Tag zu den Kunden fahre, habe ich nur noch halb so viel Spaß an der Arbeit.“

Abstieg ist ein Zeichen für Willensstärke

Doch wie gelingt es diesen Menschen, auf der Karriereleiter abzusteigen, ohne als gefallene Engel zu gelten? Denn schnell kommt der Verdacht auf, sie seien mit dem Führen überfordert gewesen und hätten ihre Aufgabe nicht gepackt. Kaum ein Beobachter kommt auf die Idee, es könnte ein Zeichen für Willensstärke, Reife und Flexibilität sein, dass ein Mitarbeiter nicht zwanghaft nach oben, sondern freiwillig nach unten strebt.

Die Arbeitswelt der Vergangenheit prägt das Denken. Die Wirtschaftswunder-Generation entschied sich für einen Beruf, um ihn lebenslang auszuüben, für einen Arbeitgeber, um ihm für Jahrzehnte treu zu sein, und für eine Führungsposition, um bis zur Rente zu führen. Der Berufsweg war eine geradlinige Einbahnstraße, die idealerweise immer weiter nach oben führte, von der Ausbildung bis zur Rente.

Die heutige Arbeitswelt – ein reißender Fluss

Heute jedoch ist die Arbeitswelt ein reißender Fluss, der sich täglich wandelt. Berufe verschwinden, Firmen werden zerschlagen, Märkte von der Globalisierung verwirbelt. Mitarbeiter müssen in kürzester Zeit wichtige Entscheidungen fällen, neue Dinge lernen, sich auf wechselnde Chefs und Kunden einstellen. Dass man sich umstellt, sich wandelt, ja neu erfindet, ist zur Kernkompetenz avanciert. Veränderungen und Wechsel prägen das moderne Berufsleben. Dass ein Angestellter als Führungskraft arbeitet, um diese Erfahrungen später wieder als Fachkraft zu nutzen, wird in Zukunft ganz normal sein.

Würdevoll eine Sprosse nach unten kommen

Was einem Menschen liegt und was nicht – niemand weiß es besser als er selbst. Wer als Führungskraft merkt, dass ihn eine Fachaufgabe mehr reizt, hilft seiner Firma durch ein ehrliches Feedback. Zumal ihn die Erfahrungen aus der Führungsaufgabe befähigen, als Fachkraft effektiver zu sein. Wer so für seinen Abstieg argumentiert, erhöht die Chance, würdevoll eine Sprosse nach unten zu kommen. Eine ehemalige Führungskraft versteht Zusammenhänge, sieht übergeordnete Ziele und kann als Fachkraft bei ihren Kollegen um Verständnis für die Sicht der Führungsetage werben. Davon profitiert die Firma genauso wie der Mitarbeiter. Eine Leiter hat immer zwei Richtungen – aus gutem Grund!

Von Martin Wehrle/RND

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