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08:17 28.07.2017
Ehrenamtliche Mitarbeiter in Rettungsdiensten sind automatisch pflichtversichert. Quelle: Foto: dpa
Frankfurt

Sie jäten Beete, bringen Kinder zum Training, kümmern sich um Alte und Kranke, agieren als Heimbeirat, rücken zum Löschen aus oder sind politisch aktiv. Mehr als 20 Millionen Menschen in Deutschland engagieren sich ehrenamtlich. Doch was passiert, wenn Freiwilligen im Dienst für die Gesellschaft etwas passiert?

Für ehrenamtlich Tätige gibt es eigene Versicherungen, die existenzielle Risiken wie Unfall und Haftpflicht abdecken. Schutz bestehe sowohl auf gesetzlicher als auch auf freiwilliger Basis, erklärt Holger Niese vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), der zu den größten Organisationen mit Ehrenamtlichen gehört.

Weil der Staat das Engagement fördern will, ist ein großer Teil der Ehrenamtler über die gesetzliche Unfallversicherung geschützt. Deren Träger sind Berufsgenossenschaften (BG) und Unfallkassen, die zum Beispiel bei denjenigen einspringen, die in Notsituationen helfen – von Rettungsdiensten über das Technische Hilfswerk bis zur Bergwacht. Auch wer ehrenamtlich in der Alten-, Wohlfahrts- und Gesundheitspflege tätig ist, in der Kirche oder in der Kommunalpolitik, wird in der gesetzlichen Unfallversicherung pflichtversichert.

Übungsleiter in Sportvereinen genießen laut Niese gesetzlichen Schutz durch die BG, sollten sie sich zum Beispiel verletzen. Eltern, die Kinder zu Training und Wettkampf chauffieren, fallen jedoch durchs Raster, erklärt Christine Ramsauer von der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG). Dies sei vergleichbar „mit der Bringpflicht zur Schule im Rahmen der elterlichen Fürsorge“. Wer bei Festen anpackt oder am Vereinsheim mitbaut, sollte sich vorab über Versicherungsdetails informieren.

Besonders unfallgefährdet sind die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren. Weil hier die Bundesländer zuständig sind, seien die Regelungen für sie allerdings ein „Flickenteppich“, sagt Carsten-Michael Pix vom Deutschen Feuerwehrverband. Mal sind die allgemeinen Unfallkassen zuständig, mal spezielle Feuerwehrunfallkassen. Beide leisten auch bei Unfällen auf dem Weg zum Einsatz. Geht beim Crash ein fremdes Auto kaputt oder treten Wehrleute im Einsatz eine Tür ein, hafte die Kommune, sagt Pix.

In der Flüchtlingsarbeit genießen Ehrenamtliche ebenfalls den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung, sofern sie von Bund, Land oder Kommune beauftragt sind. „Hier ist immer die Tätigkeit im Einsatz selbst versichert und auch der Hin- und Rückweg zum Einsatz- und Wohnort“, erläutert Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Private Flüchtlingshilfe könne über Unfall-Sammelversicherungen der Bundesländer abgedeckt sein. Da aber nicht jedes Land eine solche Sammelversicherung abgeschlossen habe, rät Boss, sich zu erkundigen.

Engagierte Bürger ohne Anspruch auf gesetzliche Hilfe können sich freiwillig über die sogenannte Ehrenamtsversicherung absichern. Diese ist in der Regel bei der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft angesiedelt. Sie greift unter anderem für Funktionsträger wie Vereinsvorstände, Schiedsrichter oder Mitglieder von Parteigremien. Entweder schließe die jeweilige Organisation den Vertrag oder „die Ehrenamtsträger versichern sich selbst“, erklärt die VBG. Der Beitrag kostet derzeit 3,20 Euro pro Person und Jahr.

Manche Vereinigungen bieten ihren Helfern die Option, sich privat zu versichern. So hat die Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenarbeit Rahmenverträge für Haftpflicht und Unfall abgeschlossen, die sie Mitgliedsvereinen für deren Aktive offeriert.

Auf eigene Faust Policen abzuschließen sollte sorgfältig geprüft werden. Manchmal umfasse eine bestehende Privathaftpflicht ehrenamtliche Arbeit, meint Bianca Boss. Hinweise finden sich im Kleingedruckten. Boss und DOSB-Mann Niese empfehlen jedoch, sich zunächst über Möglichkeiten durch Vereine und Organisationen zu informieren. Denn der gesetzliche Unfallschutz sei umfassender.

Von Monika Hillemacher/dpa/RND