Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Wissen Wie spreche ich mit meinem Kind über den Anschlag?
Nachrichten Wissen Wie spreche ich mit meinem Kind über den Anschlag?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:37 20.12.2016
Besonders für Kinder sind die Bilder aus Berlin belastend. Wie Eltern mit ihnen darüber sprechen können, erklären Experten. Quelle: Nicolas Armer/dpa
Fürth

Der Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt beunruhigt viele Menschen, einige haben Angst. Gerade für Kinder sind die Bilder und Meldungen belastend. Eltern sollten sie mit ihren Fragen auf keinen Fall allein lassen, raten Experten wie Maria Große Perdekamp. Sie ist Leiterin der Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung.

Sollten Eltern mit ihren Kinder über den Anschlag sprechen?

Das sollten die Eltern gut abwägen. „Bei kleineren Kindern, die das überhaupt nicht mitbekommen haben, sollte man das nicht von sich aus ansprechen“, findet Große Perdekamp. Die Nachrichten nützten den Kindern nichts. „Es lässt sich daraus kein Hinweis ableiten, wie sie sich verhalten sollen.“

Bei älteren Kindern lässt es sich dagegen nicht verhindern, dass sie mit den Nachrichten konfrontiert werden. Eltern sollten sie dann aber rigoros vor kursierenden Bildern und Videos schützen. Zum Informieren eignen sich Kindernachrichten am besten. Kindgerechte Erklärungen bieten etwa „Logo“, neuneinhalb (www.neuneinhalb.wdr.de) oder der Kinderradiokanal.

Sollten Eltern ihre Kinder von Nachrichten fernhalten?

„Nein, das kann man nicht und sollte man auch nicht“, meint die Kieler Diplompsychologin Svenja Lüthge. Ganz wichtig sei, dass sich Eltern Zeit nähmen und mit den Kindern über die Zusammenhänge und Hintergründe sprächen. Deren größte Angst sei es, ob ihnen Ähnliches zustoßen könne.

Vor allem jüngere Kinder wollten wissen, dass die Eltern alles tun, um sie zu schützen, erklärt Kristin Langer von der Medieninitiative „Schau hin“. Schulkinder verstünden bereits, dass terroristische Anschläge sehr selten passieren und alles getan wird, so etwas zu verhindern. „Auf jeden Fall ist es wichtig, Kinder damit nicht alleine zu lassen.“

Was können Eltern antworten, wenn Kinder fragen?

Wenn Eltern mit ihren Kindern über den Anschlag sprechen, sollten sie ehrlich sein, rät Große Perdekamp. Dazu gehört auch, dass die Erwachsenen ihre eigene Unsicherheit zugeben. Das betrifft vor allem die Frage nach dem Warum“, erklärt die Expertin. „Nach jetzigem Stand können Eltern dazu nur sagen: ’Ich weiß es auch nicht’.“

Eltern könnten dem Kind auch ihre eigenen Ängste mitteilen, sollten aber zugleich klar machen, dass sie diese im Griff haben und Angst auch wieder vergeht, sagt Lüthge. „Betroffenheit zeigen – ja, aber nicht Angst machen.“ Mütter und Väter sollten Sicherheit vermitteln und immer wieder erklären, dass ihnen nichts passieren werde, ergänzt Große Perdekamp. Schon für die Erwachsenen seien diffuse Ängste nur schwer zu fassen, noch schlimmer sei dieses Gefühl für die Kleinen.

Sollten Eltern mit ihren Kindern zum Weihnachtsmarkt gehen?

Diese Frage könne nur jeder für sich selbst beantworten, erklärt Große Perdekamp. Wenn eine Familie nicht in der Nähe des betroffenen Weihnachtsmarkts an der Gedächtniskirche in Berlin wohne, spreche nichts dagegen. Wenn die Eltern aber Angst oder ein ungutes Gefühl hätten, sollten sie lieber darauf verzichten, mit ihren Kindern zum Weihnachtsmarkt zu gehen.

„Die Kinder kriegen es ja mit, wenn die Eltern sich ständig ängstlich umdrehen“, sagt Große Perdekamp. Dann sei es besser, sich als Familie eine Alternative zu überlegen: einen Weihnachtsspaziergang im Wald machen, Plätzchen backen oder Weihnachtsgeschichten vorlesen. Wer das Gefühl habe, angesichts der Ereignisse etwas tun zu wollen, könne beispielsweise gemeinsam mit den Kindern eine Kerze anzünden. „Das ist ein schönes Ritual, mit dem man der Toten und Verletzten gedenken kann. Und für Kinder ist es sehr anschaulich.“

Von dpa/afp/RND/wer