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Wilhelm-Busch-Preis

Blasphemie im Ratskellersaal


Was hätte Wilhelm Busch gesagt, wenn er am Abend der Verleihung des Wilhem-Busch-Preises 2010/2011 im Ratskellersaal in Stadthagen ganz still in der hinteren Reihe gesessen hätte?

Monika Meyer-Marcotty, Stadthagen

Ich stelle mir vor, er hätte geschmunzelt über das Gedicht „Die Gerüchteküche“ der Förderpreisträgerin und Hobby-Dichterin Barbara Bürger. Das hätte ihm gefallen, und sicher wäre er beeindruckt von der Vielseitigkeit des Profi-Künstlers Ernst Kahl.

Aber die flapsigen Einlagen des Herrn Moderators Bernd Gieseking hätten ihn gelangweilt, und ein Gähnen unterdrückend wäre er wahrscheinlich schon aufgestanden, wenn da nicht der Laudator namens Wiglaf Droste die Bühne betreten hätte. Dieser ordnete erst seine Manuskript-Blätter, und dann legte er los. Gewaltig kam’s aus seinem Mund: mit großer Lust beschrieb er ein Bild vom gekreuzigten Christus, der mit Wollust einer sich entkleidenden Nonne zusieht (Anmerkung des Laudators: „Sein Beitrag zum Papstbesuch am kommenden Tag“).

Mir sträubt sich die Feder beim Schreiben ob dieser Blasphemie. Und Wilhelm Busch?

Er hätte sich angewidert abgewandt und sich kopfschüttelnd ins stille Wiedensahl verzogen und gedichtet: „Wenn jedoch bei deinem Tisch er / Unverschämt dich neckt und stört, / Dann so gib Ihm einen Wischer, / Dass er merkt, was sich gehört.“

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