Wir werden noch viele Jahre mit dem Problem „Rechts marschiert in Bad Nenndorf“ leben müssen. Und es ist richtig und wichtig, dass sich die Bevölkerung wehrt. Der Zulauf der Gegendemonstration wird immer größer. Das ist auch gut so.
Aber was sind das für Leute, die da „trauern und marschieren“? Diesen Marschierern mangelt es an Einigem, gehören zum Beispiel Bildung, Toleranz und Selbstsicherheit nicht zu ihren Stärken. Verbal oftmals nicht auf der Höhe, aber in der Gemeinschaft stark, werden unterschiedliche Ansichten über Kultur und Religion niedergebrüllt, nicht toleriert, vorausgesetzt, man hat genügend Gesinnungsgenossen um sich herum.
Dem Thema Konfliktlösung begegnet man – mit genügend Rückendeckung – mit körperlicher Gewalt, und beim Anblick einer anderen Hautfarbe lässt sich mancher dann schon zu dem Begriff „Bimbo“ hinreißen.
Hundekenner nennen so etwas „Angstbeißer“. Im Rudel laut und aggressiv, allein jedoch mit eingekniffenem Schwanz, winselnd und auf den Fußboden blickend. Beängstigenderweise werden es immer mehr.
Die Köpfe der rechten Szene wissen nämlich genau, wen sie rekrutieren müssen. Zielgruppe: der nicht intellektuellste Teil unser Bevölkerung, Mitläufer, folgsam Parolen nachplappernd und perspektivlos, alle Altersklassen, Außenseiter. Auf den Punkt gebracht: Marschierer.
Wir möchten unsere Kinder zwar zu selbstbewussten und selbstsicheren Menschen erziehen, so wird dem Faschismus jedoch oftmals durch Bildungsarmut, Unsicherheit und Perspektivlosigkeit genügend Boden bereitet.
Wie sollen wir nun in der Zukunft damit umgehen? Wie kann verhindert werden, dass sich diese Problematik noch verschärft? Diese Defizite könnten meines Erachtens nach zunächst in den Elternhäusern und den Schulen verhindert werden.
Aus Erfahrung im eigenen Umfeld weiß ich, dass diese Zeit der Mörder und Brandleger in den Schulen kaum oder wenig behandelt wurde. Egal, ob kleine Zwergenschule auf dem Land oder in der Stadt, dieses dunkle Thema wurde oftmals wenig oder gar nicht behandelt. Totgeschwiegen. Unsere Landesregierung sollte sich weniger damit beschäftigen, wie Gesamtschulen verhindert werden, sondern sich eher mit den Lehrplänen beschäftigen.
So dürfte zum Beispiel das Kultusministerium schleunigst darüber nachdenken, ob ein Nebenfach für 14- bis 16-Jährige für ein Jahr ausgesetzt wird und stattdessen die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts als Pflichtfach in den Lehrplan aufgenommen wird. Ist es doch wichtiger, dass heranwachsende deutsche Bürger über die dunkle Seite des letzten Jahrhunderts in Kenntnis gesetzt werden, als etwas über die Funktion einer elektrischen Nähmaschine oder das Serviettenfalten im Arbeit-Wirtschaft-Technik-Unterricht zu erfahren. Auch das politikverdrossenste Elternhaus wird einem Jugendlichen kaum auf Rückfrage die Herrschaft von Massenmördern als Kavaliersdelikt beibringen. Der Aufruf in die braune Masse „Gedenken? – Geht denken!“ ist gut gemeint, läuft aber ins Leere. Handelt es sich doch in der rechten Szene um Rekrutierte, bei denen sich das Nachdenken über dieses Thema, das Denken, überhaupt, auf ein Minimum beschränkt, gepaart mit dem Defizit an Achtung vor dem Anderen.
Worüber sollen diese Leute nachdenken, wenn sie das Denken nicht gelernt haben, es an Grundwissen mangelt und ihre soziale Kompetenz im Minusbereich dümpelt?
Es ist erschreckend, wie viel antisemitisches und ausländerfeindliches Gedankengut schon durch das Land wabert. Die Sympathie zu den Nazis von Bad Nenndorf wird zwar abgestritten, ist aber deutlich zu erkennen. Mitläufer aller Altersklassen und Gesellschaftsschichten sind auch in Schaumburg genug vorhanden, in Bad Nenndorf unsichtbar, aber im Geiste dabei. Ich bekomme Angst bei dem Gedanken, dass diese menschenverachtende Brut irgendwann mit großer Mehrheit in weiteren Parlamenten sitzen könnte, und hoffe, dass das braune Kasperletheater in Bad Nenndorf irgendwann ein Ende hat.
Kinder sind unsere Zukunft auf allen Ebenen, politisch und gesellschaftlich. Die Schüler von heute können morgen nicht nur die Mitläufer sein, sie sind auch die Politiker, Richter Staatsanwälte von morgen. Doch Gnade uns Gott, wenn diese jemals wieder aus dem rechten Lager kommen. Ich möchte nicht auf Auschwitztauglichkeit getestet werden, nur weil ich glaube, dass es ein friedliches Miteinander vieler Kulturen und Religionen geben kann.
Gundi Donje Stadthagen
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