Eine Erhöhung der jährlichen Haushalts-Entsorgungsgebühren um über 30 Prozent ist nicht nachvollziehbar. Hier wäre in der Tat eine detaillierte schriftliche Begründung notwendig gewesen. Damit meine ich nicht einen mehr oder weniger freundlichen „Beipack“, sondern eine präzise Vergleichsrechnung, die Position für Position die Entwicklung der Kosten aufzeigt. Besonders unverständlich ist die Einführung der grundstückbezogenen Grundgebühr. Ein derartiges Fixum widerspricht dem Verursacherprinzip. Im Grenzfall würde auch derjenige die Gebühr bezahlen, der überhaupt keine Abfälle zu entsorgen hat, zum Beispiel bei längerer Abwesenheit. Dies führt letzten Endes auch den heiligen Grundsatz der Abfallvermeidung ad absurdum.
Wegen Preisverfall bei Papier, Kunststoff, Holz und Metall rechnet AWS mit Mindereinnahmen in Millionenhöhe. Dazu ist zu sagen, dass Kunststoff, Holz und Metall fallweise gegen Extragebühren bei den zentralen Annahmestellen abgegeben werden und die regelmäßige Haushaltsentsorgung, um die es hier geht, überhaupt nicht berühren. Das Sammeln und Sortieren von Kunststoffverpackungen (gelber Sack) wird vom Dualen System Deutschland bezahlt und ist daher für die AWS kostenneutral, nicht allerdings für den Kunden. Der zahlt nämlich zuvor für die Verpackung beim Erwerb der verpackten Ware. Bleibt noch Papier. Bei Abfallpapier sind periodische Preisschwankungen völlig normal. Bis jetzt sind diese durch Kapitalreserven abgedeckt worden, die in besseren Zeiten angelegt wurden. Warum hat das diesmal nicht funktioniert?
Die Erklärungen Herrn Insingers zur Erhöhung der Entsorgungsgebühren sind nicht überzeugend, irgendetwas ist faul bei der AWS.
Peter Hornig, Pohle
(veröffentlicht in der SN-Printausgabe vom 02.03.2010, Seite 8)