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Seniorentreff in Rodenberg

Generationengerechtigkeit in Wahlkampfzeiten


Eine kleine Gruppe, deren Mitglieder selbst der „Silver-Generation“ angehören, hat den Bedarf für einen Seniorentreff in der Stadt Rodenberg ausgemacht. Sie haben festgestellt, dass es zahlreiche Menschen im fortgeschrittenen Alter gibt, die speziell am Vormittag durch Rodenberg irren und die nun endlich ein Ziel in Form einer Kaffeestube finden sollen.

Rudolf Zerries, Rodenberg

Offenbar reichen die schon vorhandenen und vornehmlich von Senioren aufgesuchten „Treffs“ nicht aus, wie zum Beispiel das von der Awo betriebene „Haus der Begegnung“ oder Allee 9, deren Räumlichkeiten vom DRK betrieben werden. Die Kirchen haben Räumlichkeiten, Sportvereine, Schützenvereine und Ähnliches. Alles sicherlich sinnvolle Einrichtungen, aber man muss wissen: Sie werden allesamt mit öffentlichen Mitteln bezahlt. Daneben gib es noch zahlreiche Bäcker im Ort, die für wenig Geld jedem, also auch den Senioren, einen Kaffee mit Sitzplatz anbieten. Diesen privat wirtschaftenden Unternehmen würde ein mit Steuergeld finanzierter Kaffeeausschank (unfaire) Konkurrenz machen.

Ungeachtet dessen meinen die Befürworter offenbar: Was Griechenland, Portugal und Irland können, schaffen wir in Rodenberg schon lange! 58 000 Euro Kosten für Ausbau, plus entgangene Miete (zirka 1000 Euro pro Monat) plus Betriebskosten (rund 200 Euro pro Monat) für eine Kaffeestube, die an drei Tagen die Woche für jeweils wenige Stunden geöffnet ist. Inventar noch nicht mit eingerechnet. Da muss der Normalverdiener erst mal schlucken.

Der Erwerb des Gebäudes Allee/Ecke Lange Straße durch die Stadt Rodenberg hat eine einmalige Chance ergeben: Bislang leer stehenden Flächen mit neuen Geschäften zu füllen und die ganze Zeile als attraktive Einheit aufzuwerten. Doch wer möchte schon gern seinen Laden in der direkten Nachbarschaft eines Seniorentreffs haben, in dem kein Leben stattfindet, da eh die meiste Zeit geschlossen?

Unabhängig von der Sinnhaftigkeit: Der Termin ist geschickt gewählt, denn die Kommunalwahlen standen vor der Tür. Da wollte sich doch keine Partei die Blöße geben und den Seniorentreff ablehnen. Für eine Handvoll Stimmen setzte bei einigen Ratsvertretern auch schon mal der gesunde Menschenverstand aus.

Der eine oder andere Politiker unternahm noch den Versuch, auch die Jugend in das kostspielige Vorhaben einzubeziehen. Das stieß allerdings auf vehementen Widerstand der Kaffeestuben-Befürworter. Dabei war der Vorstoß ja schlüssig: Die Tilgung der Schulden für den Seniorentreff bürden wir unsere Kinder und Enkel auf, oder glaubt jemand, dass die Stadt dafür Geld liegen hat?
„Der jetzigen Rentnergeneration geht es so gut wie niemals zuvor. Die Gekniffenen sind die 25- bis 35-Jährigen, die Kinder in die Welt setzen wollen.“ Der Ausspruch stammt von Peer Steinbrück (SPD), damaliger Finanzminister im Juli 2009. Es gibt auch Stimmen, die sagen, dass die heutige Rentnergeneration die Jüngeren ausbeutet. So weit würde ich selbst nicht gehen – aber liebe Befürworter: Ein wenig Demut gegenüber unseren Kindern und Enkel wäre gut.

Zumal es da noch ein paar Fragen zur Kaffeestube gibt:

• Welches Konzept gibt es? Kaffeetrinken? Ist das wirklich alles?

• Was geschieht mit der Kaffeestube, wenn Sie nicht angenommen wird?

• Wer übernimmt den Betrieb nach der jetzigen Generation der Befürworter, die schon jetzt fast allesamt das Alter von 70 Jahren überschritten haben?

Ein Vorschlag zur Güte: Herr Pastor Janßen, öffnen Sie Ihre in den Vormittagsstunden ungenutzten Räumlichkeiten der Kirche an der Grover Straße. Zu weit weg? Kann ich verstehen. Dann fragen Sie doch mal Ihre Kollegen der katholischen Kirche. Die sind ja nun wirklich gleich „um die Ecke“. Hemmschwelle wegen Kirche? Das Argument habe ich auch gehört, doch ein Missionar im Auftrage des Herrn sollte sein Licht nicht so unter den Scheffel stellen.

Aber auch für diese vordergründige Hürde gibt es eine Lösung: das „Haus der Begegnung“ oder die Räumlichkeiten des DRK in der Allee 17. Das ist ja nun wirklich nur einige Schritte von der für den zukünftigen Steuerzahler teuren Kaffeestube entfernt und voll eingerichtet. Gerüchte besagen, dass die sogar einen vom Steuerzahler bezahlten Kleinbus haben, um die Senioren von überall her abzuholen und wieder hinzubringen. Da das DRK zu den größten Befürwortern des Seniorentreffs gehört, schließt sich der Kreis.

Wenn den Befürwortern das alles nicht passt: Um abzuschätzen, ob so ein Treff überhaupt angenommen wird – und darin liegt das eigentliche Risiko –, wäre es sinnvoll, eine Mietlösung als Test anzustreben. Wie wäre es zum Beispiel mit der ehemaligen und zentral gelegenen „Galerie 51“? Da muss nicht kostspielig umgebaut werden, und es darf angesichts der oben angenommen Summen – ganz großzügig geschätzt – sogar mehr als 1000 Euro pro Monat kosten. Nach geschätzten sechs bis acht Jahren würde es allerdings beginnen, unwirtschaftlich zu werden. Bis dahin wüsste der Steuerzahler aber wenigstens, ob es in Rodenberg für so eine Einrichtung überhaupt einen Bedarf und auf Dauer Betreiber gibt.

Trotz allem: Der Sinn einer solchen Kaffeestube hat sich mir bislang nicht erschlossen. Mich beschleicht nur ein Gefühl: Generationengerechtigkeit geht anders.

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