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Stadthagen / Leserbrief

Schwere Entgleisung


Zum Artikel „Drewes kündigt Kassensturz und Bürgernähe an“ vom 19. Oktober:

In Rodenberg hat kürzlich der CDU-Landratskandidat Klaus-Dieter Drewes vor Parteifreunden über „Dicke Brocken“ referiert, die er als Landrat anpacken wolle. Um dies zu erreichen, sehe er es als großen Vorteil an, „einen Parteiapparat“ im Rücken zu haben, betonte er mit Blick auf die Parteilosigkeit seines Konkurrenten Jörg Farr. Und dann redete Drewes Klartext: „Einen Landrat ohne Parteiapparat kann ich mir schwer vorstellen. Ich bin froh, dass ich darauf zurückgreifen kann.“ Schlimmer kann sich der CDU-Landratskandidat nicht verrennen. Was für eine Entgleisung.

Weiß er nicht, was er da sagt? Will er eine leistungsstarke, gut aufgestellte Kreisverwaltung von vornherein desavouieren und sich lieber auf den Parteiapparat der CDU stützen? Weiß er nicht, dass sich ein Landrat nur Ansehen, Vertrauen und Respekt verschaffen kann, wenn er sich parteipolitisch neutral verhält und sich nicht als verlängerter Arm der eigenen Partei begreift? Um es auf den Punkt zu bringen: Das Schaumburger Land ist bisher gut damit gefahren, dass es von Hauptverwaltungsbeamten geleitet wurde, die stets „politische“‘ – ich gebrauche hier ausdrücklich sogar den Begriff „preußische“ – Korrektheit im wohlverstandenen Sinne verinnerlicht hatten und auch regelmäßig danach handelten.

Sehr geehrter Herr Drewes, ich kann mir außerordentlich gut einen Landrat ohne Parteiapparat, aber nicht ohne eine leistungsstarke Kreisverwaltung vorstellen. Der Landrat ist der oberste Repräsentant aller Schaumburgerinnen und Schaumburger und nicht des CDU-Parteiapparates.

Klaus-Henning Lemme Oberkreisdirektor a. D., Stadthagen

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