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Zur Berichterstattung über die Kandidaten für das Amte des Bundespräsidenten

„So etwas tut man nicht“ – oder doch?

Der von mir während seiner Amtszeit sehr geschätzte Horst Köhler hat einmal in einer Rede, in der er ein politisches Verhalten kritisierte, den Satz gesagt: „So etwas tut man nicht.“ An den Inhalt der Rede kann ich mich zwar nicht mehr erinnern, ich weiß aber noch, dass ich ihm damals zugestimmt und dabei gedacht habe: „Der Mann zeigt Mut gegenüber politischen Meinungsmachern und ihren häufig opportunistischen Gefolgsleuten.“
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Und nun ist dieser Mann vom höchsten Amt im Staat auf Knall und Fall zurückgetreten, obwohl er mal geschworen hat, seine Kraft dem deutschen Volke zu widmen und seine Pflichten gewissenhaft zu erfüllen, so ähnlich wie damals der Oskar mit dem französisch-klingenden Nachnamen. Aber der war ja nur Minister. Horst Köhler jedoch war der oberste Repräsentant des deutschen Volkes. Er hat damit nicht nur diejenigen vor den Kopf gestoßen, die ihn erst vor kurzem zum zweiten Mal gewählt haben, sondern weitgehend auch die übrigen Deutschen. So etwas tut ein Bundespräsident nicht, und zwar auch dann nicht, wenn er wegen einer etwas unglücklich geratenen Formulierung kritisiert wird oder wenn – möglicherweise – auch noch andere Umstände vorliegen.

Horst Köhler hat damit der wiederholt betonten Würde des höchsten Amtes im Staate und dem geforderten Respekt vor diesem Amt eine in der Bundesrepublik beispiellose Respektlosigkeit erwiesen.
Aber damit ist die politische Tragikomödie noch nicht zu Ende. Obwohl sich Angela Merkel zur Nachfolgefrage zunächst nicht äußerte, wurden in den Medien bereits derart wilde Spekulationen darüber angestellt, dass man den Eindruck gewinnen konnte, „Röschen“ (Ursula von der Leyen, Ergänzung der Redaktion) aus der Heide sei bereits in das höchste Amt gewählt worden. Na ja, mal was anderes, dachte ich zunächst.

Und plötzlich hörte und las ich, dass Angela Merkel– sicher zur großen Enttäuschung von „Röschen“ – den Christian Wulff gefragt hat, ob er bereit sei, ein upgrade anzunehmen. Nein, nicht bei Air Berlin, sondern in der Hauptstadt Berlin, und von dort aus das deutsche Volk zu repräsentieren, zu belehren und in ihren unterschiedlichen Auffassungen zu einigen.

Zu meinem Schrecken war er dazu bereit. Ich frage mich, wer hat bloß den Christian Wulff als Kandidaten ausgebrütet, den zur Zeit größten Hoffnungsträger der CDU, nachdem der Günter Öttinger aus dem „Ländle“ wegen seiner exzellenten Kenntnisse der englischen Sprache nach Brüssel abkommandiert wurde, wo man allerdings französisch und/oder Flämisch spricht, und nachdem der Roland Koch aus Politik Reißaus nehmen will, weil ihm wahrscheinlich – wie damals dem GerhardSchröder aus Hannover– ein lukratives Angebot aus der Industrie gemacht wurde.

Wie dem auch sei, nun soll das beste Pferd im Stall der CDU in Berlin in einer Box mit schöner Aussicht abgestellt werden. Von dort aus darf er – um im Bild zu bleiben – nicht einmal laut schnauben, sonst kriegt er nämlich, insbesondere von der Opposition, eins aufs Dach. Allenfalls leise schnauben darf er, ohne allerdings die ungeschminkte Wahrheit sagen zu dürfen oder andere zu kritisieren. Der Christian Wulff soll das können und auch das Zeug haben, staatstragend aufzutreten.

Ich frage mich, warum sich die Staatsträger nicht überparteilich auf eine Person geeinigt haben, zum Beispiel auf den Joachim Gauck , der trotz seines Alters doch noch ziemlich rüstig erscheint. Dann wäre der Christian Wulff der CDU erhalten geblieben und die jetzigen Kandidaten brauchten bei einzelnen Wahlleuten entgegen der würde des bevorstehenden Amtes keine Klinken zu putzen, um deren Stimme zu erhalten.
Günther Wilkening Stadthagen


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