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Stadthagen / Leserbrief

Tiere sind schmerzempfindliche Wesen


Zum Artikel „Anschlag auf Putenbrütereimast“ vom 23. August:

Ohne Frage sind Anschläge der in Rede stehenden Art nicht zu vertreten und nicht geeignet, die Massentierhaltung abzuschaffen. Dennoch dürften sich bei diesem Thema bei so manchem Menschen Mitgefühl, Abscheu und Entsetzen regen. Mastputenbrüterei bedeutet, dass unendlich viele Küken das Licht ihrer begrenzten Welt erblicken, um eng gedrängt in stickigen Ställen gemästet zu werden und dabei zu leiden. In dem Artikel wird unter anderem folgendes Zitat verwendet: „50 000 Küken hätten sterben können, (...) damit wäre die gesamte Produktion zerstört worden.“ Man fragt sich, was wohl für die Tiere angenehmer gewesen wäre, welches Leid ihnen erspart geblieben wäre.

Produktion bedeutet Herstellung von Waren. Tiere sind jedoch schmerzempfindliche Wesen und Gottes Geschöpfe und als solche uns Menschen anvertraut. Fast alle Menschen lieben die Tiere, die sie ihr Eigen nennen, und beobachten, dass diese Gefühle haben. Niemals würden sie zulassen, dass ihr Eigentum gequält oder misshandelt würde.

Bei anderen Tieren, speziell solchen, die der Befriedigung unseres übermäßigen Fleischkonsums dienen, darf es aber offensichtlich sein! Wie schön wäre es, wenn die Tiere in Kleingruppen an frischer Luft, auf der Wiese oder auf Stroh artgerecht gehalten würden. Sie wären sicher gesund.

Über Umweltbelastungen und Gesundheitsrisiken durch Massentierhaltung hört man wenig. Zu nennen wären insoweit:
• Ammoniakbelastungen in der Luft.
• Belastung der Böden durch Gülle, Hühnerkot und Tiermedizin.
• Belastung des Grundwassers und der Pflanzen durch Nitrate, die in der Gülle und dem Kot enthalten sind.
• Durch den Verzehr von nitrathaltigen Pflanzen kann sich das Nitrat (kann krebsauslösend sein) im Körper zu Nitrit umwandeln.
• Bio-Aerosole (luftgetragene Teilchen biologischer Herkunft) in der Atemluft (Keime, Viren, Pilze, Bakterien),
• Durch den Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung können antibiotikaresistente Bakterien entstehen, die durch die Luft den Menschen befallen können und bei ihm eine Erkrankung auslösen können. Diese Erkrankung ist dann kaum noch mit Antibiotika behandelbar.
• Zirka 70 Prozent der Treibhausgase aus der Landwirtschaft in Deutschland gehen auf das Konto tierischer Produkte.

Die tierquälerische Massentierhaltung auf engstem Raum und in oft fensterlosen Ställen ist ethisch nicht zu verantworten. Schon Albert Schweitzer bezog in seine Ethik „Der Ehrfurcht vor dem Leben“ – die auf der Erkenntnis beruht: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will“ – selbstverständlich die Tiere mit ein.
Alle Argumente sind unseres Erachtens überflüssig durch den Satz: „Ich bin als Mensch mit Herz und Geist nicht berechtigt, Tiere zu quälen.“
Christel l‘Orange und Günther Röchter, Stadthagen

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