Ich arbeite ehrenamtlich seit einem halben Jahr im „Ümmesüß“-Laden in Bad Nenndorf. Ich bin entsetzt über den Zeitungsbericht. Wir sind Frauen und Männer im Rentenalter und arbeiten gerne ehrenamtlich.
Eine Mitarbeiterin war sehr betroffen über den Bericht und hatte Tränen in den Augen. In der Zeit vor Weihnachten hatten wir sehr viel zu tun – und es sei uns doch wohl gestattet, dass wir auch mal zwischendurch Anspruch auf eine Pause haben, um etwas zu essen und zu trinken, oder einfach nur eine Erholungspause brauchen. Wir haben schließlich alle mehr oder weniger unsere Wehwehchen.
Die hier ehrenamtlich Beschäftigten sind nicht nur Einpacker und Auspacker. Ein- und Aussortierung neuer Ware, Kontrolle der Waren, denn nicht alles ist im besten Zustand, Neuordnung der Regale, Putzen des Ladens – es gibt viel zu tun. Und dazu kommen noch beleidigende Äußerungen von manchen Kunden, die schon unter die Gürtellinie gehen. Außerdem sind wir auch Ansprechpartner für die Sorgen und Nöte unserer Kunden, speziell in der Weihnachtszeit.
Da frage ich mich nur, was Frau Aschenbeck unter „mehr Engagement“ versteht. Zum Türaufhalten bleibt da nicht immer Zeit. Ich würde mich schämen, die Mitarbeiter so zu beschimpfen, die auch viel Kraft und Freizeit opfern. Eigentlich müsste Frau Aschenbeck ja jeden Tag über irgendwelche Missstände, die Sie ja wohl fast jeden Tag in den Geschäften erleben kann (Unfreundlichkeit, lange Schlangen an den Kassen, Kontrollen der Taschen – und nicht überall gehen die Türen automatisch auf) der Zeitung melden.
Durch diese unangemessene Kritik lasse ich mich nicht abhalten, ehrenamtlich weiterzumachen, obwohl ich daran gedacht habe. Ich spreche im Namen der Ehrenamtlichen, die sich zu Unrecht angegriffen fühlen.
Anneliese Kräft, Bad Nenndorf
(veröffentlicht in der SN-Printausgabe vom 02.03.2010, Seite 8)