Landkreis. In der neuen Chronik können Nutzer alle Ereignisse eingeben, die seit ihrer Geburt stattgefunden haben. Dadurch entsteht ein detaillierter digitaler „Lebenslauf“.
Auffälligste Neuerung ist auf den ersten Blick das Titelbild, das jetzt an der Spitze des Profils steht. In der darunter liegenden Informationsleiste stehen Basisdaten wie der Wohnort, das Geburtsdatum, die Arbeitsstelle oder der aktuelle Beziehungsstatus. Über die Schaltfläche „Informationen bearbeiten“ kann der Nutzer bestimmen, welche Angaben für wen sichtbar sein sollen. Die Privatsphäre- und Konteneinstellungen sind wie bisher am oberen rechten Rand der Seite zu finden und per Klick auf das kleine Dreieck zu erreichbar.
An den Datenschutzeinstellungen ändert sich nach Angaben von Facebook nichts. Die neue Chronik macht es bloß einfacher, bereits veröffentlichte Informationen aufzufinden. Der „Lebenslauf“ soll übersichtlicher sein und bietet zudem eine separate Anzeige der neusten Facebook-Aktivitäten. Neues gibt es hier also nicht, aber alte Informationen könnten wieder stärker ins Blickfeld geraten, weil sie leichter zu finden sind.
Die Darstellung kann der Nutzer für jeden einzelnen Beitrag selbst festlegen. Beispiel: Nach einem Klick auf das Stern-Symbol füllt die Statusmeldung die volle Breite des Profils aus. Über einen Klick auf das Stift-Symbol kann der Beitrag in der Chronik verborgen oder sogar ganz gelöscht werden – ein großer Pluspunkt, denn dadurch bietet die Chronik auch die Chance auf einen digitalen Neuanfang ohne "Altlasten".
Die neue Übersichtlichkeit hat nämlich auch einen Nachteil, der Datenschützer Alarm schlagen lässt: Sie schafft einen hohen Grad an Transparenz. Was bislang nur Experten zugänglich war, kann nun ohne Mühe von jedermann eingesehen werden. Sind die Sicherheitseinstellungen entsprechend locker, kann die Community so das Leben eines Nutzers leicht nachvollziehen, angefangen von der Geburt über den ersten Kuss und neue Freunde bis hin zur aktuellen Arbeitsstelle und Details aus dem Privatleben. Bei Thilo Weichert, Datenschützer in Schleswig-Holstein, stößt das Vorgehen von Facebook daher auf scharfe Kritik. Er rät den Nutzern des sozialen Netzwerks, mit Informationen sparsam umzugehen und die Chronik gründlich zu durchleuchten.
Mit der Umstellung auf die neue, in der englischen Version "Timeline" genannte Darstellung geht auch eine neue Schnittstelle namens "Frictionless Sharing", zu deutsch "Reibungsloses Teilen", an den Start. Sie soll es bestimmten von Facebook freigeschalteten Anwendungen (Social Apps) ermöglichen, zusätzliche Informationen in das Facebook-Profil einzuspielen. Social Apps erfassen beispielsweise, welche Musik ein Nutzer online hört oder welche Nachrichtenbeiträge er liest. Auf englischsprachigen Internetseiten hatte das Frictionless Sharing bereits im November 2011 eine breite Debatte ausgelöst. Kritiker der neuen Funktion argumentieren, dass nicht jedes angesehene Video oder gehörte Musikstück automatisch empfohlen werde.
Allerdings sind Facebook-Nutzer nicht verpflichtet, Social Apps zu nutzen. Diese zusätzlichen Anwendungen müssen gezielt aktiviert werden. Wem die gesamte Umstellung auf die neue Chronik nicht geheuer ist, der kann sein Profil auch deaktivieren und danach in Ruhe entscheiden, wie es weitergehen soll. Das Profil ist dann nicht mehr auffindbar, kann aber jederzeit wieder hergestellt werden.
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