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Hannover / Interview

„Es würde mir den Kopf sprengen“


Im SNack-Interview: Vier Fragen an den Autor von „Wo samstags immer Sonntag ist. Ein deutscher Student in Israel“.

Markus Flohr © Rowohlt

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Israel ist bekannter Weise auf kultureller Diversität aufgebaut und seit jeher ein Herd mannigfacher politischer und religiöser Konflikte - selten ohne Waffengewalt. Was genau führt einen deutschen Studenten dort hin?
Ich wollte nach Israel, seit ich ein kleiner Junge war. Mein Vater ist Pastor und ich bin mit den Geschichten aus der Bibel aufgewachsen, viele davon spielen in Israel. Später habe ich die jüngere Historie des Landes studiert, etwas vom modernen Israel und seiner Lebensfreude gehört – am Ende ist es einfach ein sehr aufregender Ort.

Gab es gar keine Bedenken wegen der Vergangenheit Deutschlands?
Natürlich hatte ich Bedenken und auch ein wenig Angst. Aber gerade die jungen Israelis gehen anders mit der gemeinsamen, schmerzhaften Vergangenheit um, als zum Beispiel noch ihre und unsere Eltern das konnten. Sie sind neugierig, gerade auf Deutsche, und haben einen sehr eigenen Humor. Ein Spruch zu diesem Thema geht so: „Wie kann man alle jüdischen Feste in drei Sätzen zusammenfassen? – 1. Sie haben versucht uns zu töten; 2. Wir haben es überlebt; 3. Lasst uns essen.“

Überwiegend wirkt deine Zeit in Israel sehr witzig und unterhaltsam, insbesondere wegen des sicherlich sehr eigenen Humors der jüdischen Bevölkerung. War es denn die meiste Zeit tatsächlich eher witzig?
Nein, nicht immer. Manchmal war es grausam, grässlich und furchtbar. In Israel ist der Ausnahmezustand Normalität: Das Land wird bedroht und attackiert – von der Hamas, der Hisbollah, vom Iran. Die israelische Armee hält die Westbank besetzt, oft knallt es. Ich war gerade zwei Monate im Land, da begann der Gaza-Krieg. In jüngster Zeit ist ein beängstigender Rechtsruck durch die israelische Gesellschaft gegangen, wie sonst könnte ein Mann wie Avigdor Liebermann Außenminister werden? Aber: Mein Buch ist keine politische Analyse, sondern eine humorvolle Erzählung aus dem Alltag. Ich glaube, gerade Humor hilft dabei, sich geistig zu entwaffnen.

Vermisst du Israel? Wirst du es irgendwann wieder besuchen?
Ich vermisse Israel andauernd, weil es ein Land ist, in dem buchstäblich von einem Moment auf den nächsten alles möglich zu sein scheint: Das Ende der Welt, der schönste Tag in deinem Leben, die Ankunft des Messias, eine rauschende Partynacht in Tel Aviv, Krieg, Frieden, Hass, Liebe. Ich bin froh, dass ich das Land oft besuchen kann, aber ich glaube nicht, dass ich dort leben könnte. Es passiert einfach zuviel – es würde mir den Kopf sprengen.

Markus Flohr, 30, ist in Hannover geboren und hat nach dem Abitur die Henri-Nannen-Schule besucht. Er war Redakteur bei „Spiegel Online“ und studierte Geschichte.

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