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Apotheken-Notdienste beim VHS-Arbeitskreis

Allein der Arzt entscheidet über Dringlichkeit


Die letzte Veranstaltung des Arbeitskreises Seniorinnen und Senioren der Volkshochschule (VHS) Schaumburg im Jahr 2011 in der „Alten Polizei“ in Stadthagen zum Thema Apotheken-Notdienste war sehr gut besucht, das Thema offensichtlich von großem Interesse.

Ulrike Peters (links) und Angelika Pusch stellen mögliche Problemlösungen vor.

© goe

Von Doris Goerges

Als Gäste begrüßte Arbeitskreis-Leiter Michael Schalich Bezirksapothekerin Angelika Pusch sowie Apothekerin und Notdienstkoordinatorin Ulrike Peter. Schnell kristallisierten sich zwei Problemkreise heraus: einmal die Entlassungen aus den Krankenhäusern am Wochenende und zum anderen der nächtliche Notfall.

Wer am Wochenende aus dem Krankenhaus entlassen wird, ist häufig nicht mehr in der Lage, an die benötigten Medikamente zu kommen. Das Krankenhaus gibt weder Rezept noch Medikamente mit, der Hausarzt ist nicht mehr erreichbar. Der nächtliche Notfall kann ein neues Medikament erforderlich machen, was unter Umständen nur im Umkreis von 20 Kilometern besorgt werden kann, für Senioren fast nicht machbar.

Pusch weist darauf hin, dass die Notdienstversorgung festgelegt ist. Mehr könne von den Apotheken nicht geleistet werden. Es müsse während des Notdienstes immer ein Apotheker anwesend sein, was dazu führt, dass der Apotheker ein Zwölftel des Jahres komplett in seiner Apotheke verbringt. Junge Apotheker wollen nicht aufs Land. Es werde eben auch in Schaumburg immer dünner. Zunächst einmal müsse jeder schon im Vorfeld für sich sorgen und eine Hausapotheke anlegen.

Aber für die vorliegenden Probleme muss eine Lösung gefunden werden. „Was können wir in Schaumburg besser machen? Auch wir sind bemüht, diese Lücke zu füllen. Die Medikamentenbelieferung im Apothekennotdienst lässt hier und da noch zu wünschen übrig. Nicht immer sind die verordneten Medikamente vorrätig. Eine intensivere Kommunikation zwischen den dienstbereiten Apotheken und Ärzten und ein gut geführtes Apothekenlager kann hier Abhilfe schaffen. Ein Hin- und Herschicken von Kunden im Apothekennotdienst ohne vorherige Abklärung im Kollegenkreis sollte der Vergangenheit angehören. Ich möchte das positive Beispiel aus dem Bereich der Palliativmedizin nennen. Seit August ist ein Arzneimittelsortiment bekannt, das eine vollständige Versorgung in diesem Bereich gegen Schmerzen leisten kann“, merkt Pusch an. „Wir wollen gemeinsam nach einer Lösung suchen. Mehr Notdienst ist nicht möglich, weil wir immer weniger werden. Die Politik fängt in Kommune und Landkreis an. Auch der Landkreis muss seinen Beitrag leisten.“

Für den nächtlichen Notfall wird folgender Lösungsansatz vorgeschlagen: Der Notarzt könnte ein grünes Rezept mit einem Dringlichkeitsvermerk versehen, die Notdienstapotheke benachrichtigen, welche ein Taxi mit dem Medikament losschickt, das auch das Rezept zurückbringt. Der Arzt entscheidet ganz allein über die Dringlichkeit. In manchen Fällen genügt nach der Erstversorgung durch den Notarzt auch der nächste Tag zur weiterführenden Medikamentenbehandlung.

Arztvermerk und Apothekenstempel unterbinden jeden Missbrauch dieser Lösung. Für die teilweise Kostenübernahme wird die Einbindung des schon bestehenden Seniorentaxis vorgeschlagen. Wenn Ärzte, Apotheker und Taxiunternehmen miteinander reden, lassen sich krasse Fälle vielleicht vermeiden. Nach Klärung aller Fragen im Vorfeld kann auch die Ärzteschaft besser damit umgehen.

Für die Entlassung aus dem Krankenhaus muss erreicht werden, dass die entlassenden Krankenhäuser die Versorgung mit Medikamenten bis zum nächsten Werktag sicherstellen. Notfalls muss ein Privatrezept ausgestellt werden, für dessen Kosten der Patient zunächst in Vorleistung tritt.

Pusch schlägt für die nächtliche Notfallversorgung zunächst einen Probelauf von zwei Jahren vor. Sie macht darauf aufmerksam, dass die Kommunikation im Gesundheitswesen dringend verbessert werden muss. Die für die Dauer von vier Jahren gewählte Bezirksapothekerin sieht sich als Sprachrohr und Ansprechpartnerin für die Bevölkerung mit einem offenen Ohr für schlechte Erfahrungen. „Ich biete mich an, wenn jemand Ärger hat.“

Die vom Arbeitskreis erarbeiteten Vorschläge sollen im Februar 2012 mit Vertretern von Landkreis und Ärzteschaft diskutiert werden.           

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