Von Dietmar Kampe
„Als ich vor acht Jahren in den Ruhestand ging“, erinnert sich der frühere Mathematik- und Informatiklehrer, „hatte mein Sohn wohl befürchtet, ich würde vor dem Computer verdaddeln, und schenkte mir ein Buch über Geocaching. Seitdem bin ich mit Begeisterung dabei.“
Monika (61) und Heiner Ringe (62) sind gemeinsam ein echtes Erfolgsgespann, denn sie haben bereits mehr als 4000 Verstecke gefunden. Auch zwei andere Paare, Marianne (63) und Willi Henze (63) sowie Susanne und Heinz Wilham (beide 61) sind schon seit vielen Jahren dabei und immer noch begeistert. Die Wilhams haben ihre Tochter und das Enkelkind mitgebracht. Caching ist fast immer auch ein Gruppenerlebnis.
„Wir gehen nicht immer nur in dieser Gruppe“, versichert Willi Henze. „Wir verabreden uns von Fall zu Fall durch E-Mails oder über unser Forum www.geocaching-shg.de/. Die jüngeren Cacher nehmen auch mal ganz gern einen von uns ‚Grauköppen‘ mit“, fügt er schmunzelnd hinzu.
Es verspricht, ein schöner Spätherbsttag zu werden, und Thomas – beim Caching duzt man sich – hat für heute einen sogenannten „Multicache“ ausgesucht. Dabei sind mehrere Verstecke zu finden, und zwar der Reihe nach, weil jeder gefundene Cache erst die Koordinaten des nächsten verrät.
„Bevor wir auf Cachejagd gehen, rufen wir immer erst im Internet die Seite www.geochaching.com auf. Dort finden wir alles, was wir für die Planung brauchen“, erklärt er. Thomas hat die entsprechende Internetseite ausgedruckt und die Gruppe gibt die Koordinaten für das erste Versteck in die GPS-Empfänger ein. Im Display erscheint der zugehörige Abschnitt einer Wanderkarte, und ein Pfeil gibt die Richtung zum Versteck an.
Das GPS-Gerät führt die Sucher zwar auf sechs bis zehn Meter an das Versteck heran, aber dann muss gesucht werden. Für die erfahrenen Cacher kein Problem. Schon nach wenigen Augenblicken ruft Marianne: „Ich hab’s!“ – und hält eine kleine Plastikfilmdose hoch. In der Dose befinden sich aber nun nicht einfach nur die neuen Koordinaten, sondern ein Zahlenrätsel, das unseren Geocachern sichtlich Kopfzerbrechen bereitet.
Fast 20 Minuten lang drehen und wenden sie die Zahlen, ohne das Rätsel lösen zu können. „Für solche Fälle gibt es auch bei uns einen Telefonjoker“, bekennt Thomas. „Das könnten zum Beispiel andere Cacher sein, von denen wir wissen, dass sie diesen Cache schon einmal erfolgreich gemacht haben. Doch sie würden uns auch nicht die Lösung nennen, sondern lediglich weiterführende Hinweise geben.“
Offenbar will die Gruppe sich diese Blöße nicht geben und so beschließt sie, einfach die nächste Station ohne Koordinaten zu finden. Der „Owner“, wie der Verstecker in der Fachsprache heißt, hat nämlich in einem zusätzlichen Hinweis angegeben, dass das nächste Versteck sich an einem Pfahl befindet. Unsere Cacher nehmen diesen Hinweis dankbar an und haben nun keine weiteren Schwierigkeiten mehr.
Der „Owner“ hat sich für jedes Versteck etwas anderes einfallen lassen. Das vierte Versteck enthält zum Beispiel ein Puzzle. „Ein Puzzle ist eigentlich immer dabei“, weiß Monika, und Marianne holt aus ihrem Rucksack ein Klemmbrett heraus, weil es sich auf einem Waldboden nun mal schlecht puzzeln lässt.
So arbeitet sich die Gruppe von Versteck zu Versteck, bis sie wieder am Ausgangspunkt angekommen ist. Alle sind sich darüber einig, dass es eine schöne Cachejagd war, und loben den „Owner“. „Wir werden unserer Beurteilung auch ins Internet stellen“, versichert Thomas, und Marianne ergänzt: „Wir kommunizieren ohnehin viel über das Internet. So wird jeder Cacher, der seinen ersten Fund bei einem unserer Caches macht, beglückwünscht und im Kreis der Cacher willkommen geheißen.“
„Die Cacher auf der ganzen Welt sind wie eine große Gemeinschaft“, ergänzt Willi und fügt nach einer kleinen Pause stolz hinzu: „Und wir gehören dazu!“
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