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„Der negative Kreislauf kotzt mich an“

Bückeburg „Der negative Kreislauf kotzt mich an“

Bückeburg (hga.). Viel Humor, eine Menge Sachkunde und Zuspitzungen an den richtigen Stellen: Das sind die Grundlagen für die Prominenten-Interviews im Rahmen der „Sport-Show“ im Foyer der Sparkasse Bückeburg gewesen. Hannover-96-Präsident Martin Kind überraschte allerdings mit harscher Kritik an den 96-Fans.

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IM GESPRÄCH: SZ-Chefredakteur Frank Werner (rechts) und SN-Chefredakteur Uwe Graells (links) fühlen 96-Präsident Martin Kind (Zweiter von links) und Sportdirektor Jörg Schmadtke auf den Zahn. Grabowski (3)

Dabei fing alles ganz harmonisch an: SN-Chefredakteur Uwe Graells und SZ-Chefredakteur Frank Werner setzten der Veranstaltung durch lockere, aber stets fundierte Fragen das Sahnehäubchen auf. Michael Kraus (Mannschaftskapitän Handball-Nationalmannschaft) und Steffi Nerius (Speerwurf-Weltmeisterin) präsentierten sich als entspannte Gesprächspartner.
„Das wundert mich jetzt nicht“, sagte Graells angesichts der Tatsache, dass Michael Kraus lieber erst über die Nationalmannschaft als über seine Suspendierung beim Bundesligisten TBV Lemgo sprechen wollte. „Auch im Handball brennt die Hütte, wenn Deutschland hinter Österreich landet“, eröffnete „Mimi“ eine selbstkritische Analyse der gerade gespielten Europameisterschaft.
Die Gründe dafür seien vielseitig. „Ich selbst war nicht richtig fit, wollte aber der Mannschaft helfen“, erklärte Kraus. Das habe er aber nicht geschafft, das wolle er auch nicht als Ausrede gelten lassen. Am Ende des Gesprächs ließ
Graells nicht locker und kam auf die Suspendierung zurück. Ob Kraus denn am Montag nach Mitternacht in einer Gaststätte in Göppingen gewesen sei, kam die Frage. „Nach Mitternacht nicht“, lachte „Mimi“, es hätte halt Irritationen gegeben.
Werner begrüßte mit Steffi Nerius eine sehr gelöste Weltmeisterin. „Ich schaue mir das Video ab und zu noch an und habe immer noch eine Gänsehaut“, sagte Nerius rückblickend auf ihren Gewinn der Weltmeisterschaft. Sie sei vom Kopf her sehr entspannt in die Saison gegangen. „Ich habe im Training versucht, alles herauszuholen, was drin ist“, erläuterte Nerius das „perfekte Jahr“. Nerius bestätigte, ihrem Trainer nach dem WM-Titel eine Harley-Davidson geschenkt zu haben. „Die Athleten bekommen Prämien, mein Trainer hat in zehn Jahren keine Gehaltserhöhung bekommen. Das war mein Abschiedsgeschenk“, legte Nerius die Gründe dar. Werner sprach auch die unbekannte Facette von Nerius an, nämlich ihre Tätigkeit als Trainerin für Menschen mit Behinderung. „Das Schöne daran ist, dass soviel zurückkommt. Es ist ein schönes Arbeiten, ich bin froh über die neue Herausforderung“, gestand Nerius, die bei Bayer Leverkusen als Trainerin arbeitet.
Wesentlich angespannter – mit Blick auf die Tabelle nicht weiter verwunderlich – stellten sich der Präsident des Fußball-Bundesligisten Hannover 96, Martin Kind, und sein Sportdirektor Jörg Schmadtke vor. Kind übte Kritik an den 96-Fans und wies ihnen eine Mitschuld an der derzeitigen wirtschaftlichen Lage zu.
In der letzten Gesprächsrunde des Abends spielten sich Graells und Werner während des Interviews mit Kind und seinem Sportdirektor die Bälle so zu, wie es die 96-Verantwortlichen vermutlich gern bei ihrer Mannschaft sehen würden. Kind blieb lange Zeit ruhig, dann explodierte er verbal: „Die Hannoveraner und die Region reagieren wie die Mannschaft. Wir haben in Hannover diesen negativen Kreislauf, es kotzt mich an. Sie sollten ‘mal die Mannschaft in der Krise unterstützen.“ Bezug nahm Kind damit auf die sinkenden Zuschauerzahlen. Er verglich die Lage mit Borussia Dortmund und dem Hamburger SV – die hätten trotz Krise volle Stadien gehabt.
„Eigentlich haben es die Hannoveraner gar nicht verdient, dass man für sie kämpft“, ärgerte sich Kind. Der Verein habe schließlich 500 000 Euro weniger an Ticketeinnahmen. Diese Zuweisung von Mitschuld an der prekären Lage des Vereins sorgte bei den Zuhörern – vorsichtig formuliert – für Verblüffung.
Auf das Thema Transfers angesprochen reagierte Jörg Schmadtke leicht gereizt. Es sei kein Spieler nur per DVD gesichtet worden. „Man kann über Verpflichtungen immer diskutieren, vor allem im Nachhinein, das sind dann immer die ganz schlauen Diskussionen“, meinte Schmadtke. Es sei nach Namen und zündenden Ideen gerufen worden.
„Man muss die Wirtschaftlichkeit sehen“, verteidigte Schmadtke die Transferpolitik. „Wir haben in den vergangenen Jahren bei den Transfers und Gehältern über unsere Verhältnisse entschieden“, sprang Kind seinem Sportdirektor an die Seite. Der Verein habe sich wirtschaftlich übernommen, das müsse so klar gesagt werden.
„Krisen sind nicht mit ein oder zwei Schlagworten zu erklären“, sagte Schmadtke auf Nachfrage über die aktuelle Situation. Man dürfe nicht vergessen, dass es mit dem Tod von Robert Enke ein tragisches Ereignis gegeben habe. Automatismen und ganz normale Dinge im Fußball seien verloren gegangen. „Ich sage nicht, dass Robert Enke heute über die 90 Minuten eine Rolle spielt, aber der Auslöser war Robert Enke“, sagte Schmadtke.
Psychologische Beratung sei zuerst von Trainern und Mannschaft abgelehnt worden, so Kind. „Noch haben wir alle Chancen, dass muss man mal ganz deutlich sagen“, unterstrich Kind den Glauben an die Mannschaft. Über die 2. Liga diskutiere er gar nicht. Kind zeichnete im Übrigen ein düsteres Bild der finanziellen Lage des Klubs.

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