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Die neue Kurparkplanung erhitzt die Gemüter

Bad Nenndorf. „Ein besonderes Prozedere und ein großer Rahmen“ – so hat Bad Nenndorfs Stadtdirektor Bernd Reese die Bedingungen skizziert, unter denen der Vorentwurf für die Umgestaltung des Kurparks der Öffentlichkeit vorgestellt worden ist. Während einer gemeinsamen Sitzung von Fremdenverkehrs-, Umwelt- und Bauausschuss stellte Landschaftsarchitektin Anke Deeken den Kommunalpolitikern und rund 40 interessierten Bürgern die zwei favorisierten Varianten vor. Als Knackpunkt bei der Planung erwies sich erwartungsgemäß der Umgang mit der Esplanade, dem Platz zwischen dem gleichnamigen Hotel und der Kurpromenade.

So sieht im Vorentwurf die modifizierte Variante 5 der Kurparkplanung aus, die wohl auch den Segen der Denkmalschützer hätte und damit zuschussfähig wäre: Die Sichtachse zwischen dem Hotel Esplanade und dem oberen Kurpark ist frei, die Esplanade selber ist eine Ebene mit vielen Bäumen. Das Hamburger Dach vor der Musikmuschel wäre weg, dafür stehen Sonnenschirme über den Sitzreihen. Ein Wasserband mit einem großen Brunnen ziert die in Naturstein gehaltene Kurpromenade. Der Sonnengarten bleibt nahezu unverändert.

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Bauamtsleiter Hans-Bernhard Kampen wies zu Beginn noch einmal darauf hin, dass das Planungsbüro die Aufgabe gestellt bekam, eine Auswahl von Vorschlägen vorzubereiten, „um für Zuschüsse aus den Töpfen Tourismus und Städtebauförderung werben zu können“. Insgesamt sieben Varianten hatte die Bremer Planerin ausgearbeitet. „Dabei war die grundlegende Frage: Restauration oder Rekonstruktion des historischen Vorbildes?“, betonte Kampen. Die Verwaltung habe für die Rekonstruktion plädiert. „Denn allein das sichert uns Fördermittel“, unterstrich Reese.

Deeken erläuterte, dass viele Kriterien zu beachten gewesen seien: „vielfältige Nutzungsansprüche, die Belange und Vorgaben des Denkmalschutzes, der Anspruch, die Aufenthaltsqualität zu verbessern – und die Finanzen.“ Die Kosten für die Realisierung der von ihrem Büro erstellten Konzepte würden 2,7 respektive drei Millionen Euro betragen. In der Sitzung trug sie jedoch auch die verlangten abgespeckten Versionen vor, für die jeweils zwei Millionen Euro aufzubringen wären. Köcheclub-Chef und Gastronom Martin Hattendorf, der unter den Besuchern weilte, brachte das dann zu erwartende Ergebnis angesichts der Streichliste auf den Punkt: „Da wird ja alles gestrichen, was schön ist.“

Im Großen und Ganzen geht es bei beiden Varianten um eine Umgestaltung der Freiflächen (Kurpromenade, Esplanade, Sonnengarten) in Anlehnung an das historische Vorbild. Deeken betonte, dass eine 100-prozentige Rekonstruktion weder gewünscht noch nötig sei, um die Maßgaben des Denkmalschutzes zu erfüllen. Zudem sei dies ein Vorentwurf, bei dem Änderungen möglich seien: Das gelte für Baumabstände und Bepflanzungen genauso wie für das Vorsehen von etwaigen Lichtungen.

Das allerdings schien bei SPD und CDU so nicht angekommen zu sein. „Unstrittig ist, dass die Wege neu gemacht werden müssen – und zwar beschleunigt. Aber das Wichtigste ist für uns, dass unsere Veranstaltungen stattfinden“, plädierte Volker Busse (SPD) für den Erhalt des Ist-Zustandes der Esplanade, weil eine Eins-zu-Eins-Wiederherstellung des Historischen Kurparks doch gar nicht möglich sei. Außerdem müsse man die Kosten im Auge behalten. „Ich finde es sinnvoll, wenn wir das Vorhandene mit geringen Mitteln aufpeppen.“ Das sah die CDU nicht anders. Ansgar Werner hob die Verbesserung der Aufenthaltsqualität und das reibungslose Ermöglichen von Veranstaltungen hervor. Andreas Fedler von der FDP zeigte sich ebenfalls skeptisch: „Das Bessere ist des Guten Feind. Die Lösung muss auch bezahlbar sein und darf uns finanziell nicht überfordern.“ Sozialdemokrat Friedrich Varwig sprach sich explizit für den Erhalt des Hamburger Dachs aus, weil es „ein Alleinstellungsmerkmal Bad Nenndorfs“ sei. „Wo kann man sonst zu jeder Jahreszeit Konzerte hören?“

Angesichts der Diskussionsbeiträge zeigte sich Frank Steen von der WGN „erschüttert über den Ablauf dieser Veranstaltung“. „Bad Nenndorf trägt zu Unrecht den Titel Stadt, wir sind ein Dorf.“ Es sei wünschenswert, sich mit den Ausführungen von Anke Deeken sowohl in verbaler als auch schriftlicher Form intensiver auseinanderzusetzen. „Hier sitzt eine Fachfrau, auf die sie vielleicht mal hören sollten. Erbsenzählerei bringt uns nicht weiter.“

Landschaftsplaner Henning Dormann hieb als beratendes Mitglied in dieselbe Kerbe: „Beim Wort historisch werden hier einige gleich hysterisch.“ Bislang mögen Feste und Veranstaltungen unter den gegebenen Bedingungen sehr gut durchgeführt worden sei. „Aber das heißt doch nicht, dass es nicht schöner und besser geht.“ Die Substanz sei da, denke man aber zu wenig „großspurig“, drohe die Gefahr, dass der Kurpark in der „ästhetischen Bedeutungslosigkeit versinkt“.

KurT-Geschäftsführerin Silke Busche fürchtet um die Realisierbarkeit der Großveranstaltungen, wenn die Esplanade voller Bäume stehe, außerdem wies sie darauf hin, dass die Kosten der Unterhaltung durch die gewünschten Bepflanzungen erheblich steigen würden. „Das überfordert die Kenntnisse unserer Gärtner und unsere finanziellen Möglichkeiten, denn mehr Personal kriegen wir nicht.“

Ratsherr Erwin Biener hatte eine Idee, wo etwas Geld zu holen sei: „Es gibt ja immer noch einige Politiker, die wollen mit einer abgespeckten Version eines Parkhauses Geld verschleudern.“ Das sollte stattdessen in den Kurpark gesteckt werden. „Das ist nicht nur unsere grüne Lunge, sondern ein Juwel.“ Die drei Ausschüsse vereinbarten, über das Thema noch einmal in den Fraktionen zu beraten. „Vielleicht wäre es auch gut, den Denkmalschutz direkt zu hören“, betonte Busse abschließend. ni

Variante 5: Das sind die Knackpunkte

Es gibt zwei Modelle der Kurparkgestaltung, über die zu entscheiden sein dürfte. Die diskussionsträchtigere ist die hier etwas näher beschriebene modifizierte Variante 5, die sich auf die Bereiche Kurpromenade, Esplanade und Sonnengarten konzentriert.

. • Kurpromenade: Mit der Neugestatung soll zum einen die Linearität der Promenade als frühere Straßenverbindung und heute noch wichtige innerstädtische Fußwegeverbindung sowie als wichtige Sichtachse zwischen Park und Hauptstraße wiederhergestellt werden. Es wird außerdem eine engere Verknüpfung zwischen Park und Innenstadt geschaffen. Es sollen „Torsituationen“ am Anfangs- und Endpunkt der Promenade, eine Wasserachse mit Brunnen, Fontänen und Fließbecken sowie ein bepflanztes Staudenband geschaffen werden, dazu ein besonderes Lichtkonzept

• Esplanade: Bei der Umgestaltung der Esplanade gehe es darum, die zentrale Sichtachse zum Schlösschen wieder freizulegen. Dazu wird die Fläche eingeebnet. Zur Raumgliederung und um das Quergefälle zu reduzieren, wird das Areal in zwei terrassierte Bereiche unterteilt. Die Hügelbeete werden entfernt. Das in die Jahre gekommene und zum Teil marode Hamburger Dach verschwindet und wird durch Segel oder große Sonnenschirme ersetzt. Zudem wird ein Baumhain gepflanzt, der allerdings so gestaltet wird, dass Veranstaltungen möglich bleiben sollen. Die untere Ebene nahe dem Hotel Esplanade wird als ruhiger Raum gestaltet. Hier sind ein Staudenband und Bänke vorgesehen. Im Osten bleibt die breite Böschung mit einigen Bäumen und Gehölzen und dem zentralen Aufgang zur Promenade.

• Sonnengarten: Er bleibt im wesentlichen Bestand erhalten. Dieser Teil des Parks soll neu bepflanzt und überarbeitet werden. Lediglich die Wege werden neu erstellt. Die Verbindung zur Esplanade soll optimiert werden.

Der Alternativ-Entwurf zur Variante 5 unterscheidet sich in der Hauptsache dadurch, dass er den Bereich der Esplanade in der derzeitigen Gestaltung bei vergleichsweise kleineren Änderungen beibehalten will. ni


  • Peinliche Vorstellung der Politik badnenndorfer – 12.09.09
    Peinlich was sich die Politiker von SPD CDU und FDP da geleistet haben. Unvorbereitetes, unsachliches Geschwafel.
    Das sich die Politiker die Unterlagen noch nicht einmal durchgelesen haben ist grausig.
    Und die KurT-Geschäftsführerin behauptet, dass ihre Gärtner fachlich überfordert seien, wenn es darum geht auf der Esplanade Laub zu fegen.
    Armes Bad Nenndorf - ein Dorf, zu Recht, wie die WGN zitiert wird. Die Leute von der WGN waren die einzigen, die sich mit dem Thema überhaupt fachlich beschäftigt hatten.
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