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Auetal / Fotomotive Alles vor der Haustür

Es gibt sie, diese nahezu perfekten Momente, für die ein Tierfotograf lebt. Das Licht ist genau richtig, warm und kräftig, der Fuchs tritt genau an der Stelle aus dem Wald, an der man seit Stunden bewegungslos gewartet hat, und sein Ausdruck im Gesicht ist, nun ja, leicht verpennt. Perfekt.

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Quelle: pr.

Von Frank Westermann. Aber diese Momente sind selten, viel öfter gibt es diese Tage, an denen man abends nach Hause kommt und nicht ein einziges vernünftiges und brauchbares Bild geschossen hat, erzählt Marc-André Rehberg.

 Rehberg stammt aus Borstel, er ist 20 Jahre alt, hat Garten- und Landschaftsbauer gelernt und arbeitet gerade an seinem Fachabitur. Und er ist Tierfotograf. Trotz seiner jungen Jahre: Er kann das ziemlich gut, manchmal sogar beeindruckend gut. Das liegt auch an seinem Vater, denn Ulrich Rehberg, den alle nur Ulli nennen, hat im Fachgeschäft Foto-Kühne in Stadthagen gearbeitet, schon früh hat er seinen Sohn Marc-Andrè mitgenommen, wenn es dorthin ging, wo die besten Fotos gemacht werden: Draußen nennt sich dieser Ort.

 Bald lag die erste Kamera unter dem Weihnachtsbaum, schnell trennten sich die fotografischen Wege von Vater und Sohn. Während Ulrich Rehberg am liebsten Landschaft in Szene setzt oder sich in der Makrofotografie vertieft, entdeckt Marc-André seine Liebe für die Tierfotografie. Denn alles liegt vor der Haustür. Zwischen Bernsen und Borstel oder in Richtung Kathrinhagen leben Rehe, Mufflon, Storch, Wiesel, Marder, Turmfalke, Wasseramsel und Eisvogel – „alles ist entlang der Aue zu finden“, erklärt Marc-André Rehberg.

 Die Tierfotografie hat vor allem in den vergangenen Jahren einen radikalen Wandel erlebt. Heute kann die Kamera dank integrierter Wifi-Steuerung in Verbindung mit LiveView aus der Entfernung via Smartphone oder Tablet-PC gesteuert werden. So arbeitet Rehberg nicht: Er ist, wenn man so möchte, ein klassischer Tierfotograf, der sich seinen Bilder erarbeitet. Denn gute Tierbilder setzen eines fast immer voraus: Wissen. Wer Tiere ablichten möchte, tut gut daran, sich vorher intensiv mit den jeweiligen Arten und ihren jeweiligen Lebensräumen zu befassen. Ein Beispiel: Der Eisvogel jagt vor allem morgens und abends. Wer sich mittags und nachmittags stundenlang auf die Lauer legt, wird sich vermutlich bald frustriert nach einem anderen Motiv umsehen. Rehberg selbst arbeitet anders, er will die Tiere natürlich in ihrem Lebensumfeld fotografieren. Aber: „ich überlasse es den Tieren, wie nahe ich ihnen kommen kann“, erklärt der Borstler und verdeutlicht an einem Beispiel, wie er das meint. Wenn er etwa die Mufflons oberhalb von Bernsen fotografieren möchte, dann überlegt er sich, wohin die Gruppe in den nächsten Minuten und Stunden ziehen wird. Dort legt er sich dann auf die Lauer.

 So ist es auch bei anderen Tieren, die er fotografieren möchte: Rehberg sucht bei seinen Spaziergängen nach Plätzen mit Potenzial; nach Orten, an denen die Tiere sich gerne und oft aufhalten, um sie dort in bestmöglicher Naturumgebung fotografieren zu können. Im Frühjahr will er junge Füchse fotografieren und hat dafür schon eine Menge Fuchsbau ins Auge gefasst, aber der richtige, der alle Anforderungen erfüllt, war noch nicht dabei. „Man muss Respekt vor den Tieren haben, die man fotografieren möchte“, sagt er. Auf eine Gruppe Rehe zugehen, die er fotografieren möchte, und die er bei dieser Vorgehensweise aufscheuchen würde, das kommt für ihn nicht infrage, so arbeitet er nicht.

 Ein zweites Vorurteil, mit dem Fotografen immer leben müssen, kann Rehberg so fast nebenbei widerlegen: Wer ein großes Objektiv hat, macht auch tolle Aufnahmen. „Ein großes Objektiv reicht nicht für ein gutes Bild“, sagt der Borstler. Wenn er den Eisvogel fotografiert, dann will er nah dran sein. „Ich sitze da und warte. Und dann kommt er, oder er kommt nicht.“ Und wenn er kommt, dann kann auch der Fotograf noch etwas lernen, etwa über den Nachwuchs: „Zwei Tage lang sind die Jungen des Eisvogels neugierig, dann ist das vorbei.“

 Man muss sich Ziele setzen, sagt Rehberg, dann kommt man weiter. Im Winter sucht er nach einem Eisvogel-Bild mit Schnee, im Frühjahr sollen die Fuchs-Bilder gemacht werden. Und immer kann man dabei lernen, sagt Rehberg, „wie die Tiere sich verhalten, wie sich jagen, wie ihr Sozialverhalten ist“. Und das alles entschädigt für diese Tage, in denen man mit null Bildern nach Hause kommt.

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