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Annäherung über Bande

Rehren Annäherung über Bande

Wenn er einem Gast, dem das Auetal fremd sei, die Augen verbinde und ihn dann, sagen wir mal in Hattendorf oder am Wasserfall Langenfeld diese Augenbinde wieder abnehme, dann werde der Gast auf die Frage, wo er hier sei, wohl so antworten: im Schwarzwald.

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Axel Arndt

Quelle: rnk

Rehren. Axel Arndt, seit wenigen Wochen neuer Vorsitzender der Auetaler SPD, hat dieses Bild natürlich mit Bedacht gewählt, es soll dies ausdrücken: Das Auetal hat viele schöne Seiten, „das ist ja gar keine Frage“, nur kennen sie die meisten nicht. Aber, so überlegt Arndt, vielleicht liegt das auch in der Natur des Menschen: Was man besitzt, das weiß man zuweilen nicht mehr zu schätzen.

 Möglicherweise hat der 52-Jährige mit dieser Einschätzung recht. Vielleicht bedarf es wirklich des Blickes von außen, damit man sich der eigenen Stärken besinnt. Für die Auetaler SPD bringt er ihn auf jeden Fall mit, diesen Blick von außen. Und vielleicht ist es nicht der schlechteste Zug einer in den vergangenen Monaten arg gebeutelten Partei, den Vorsitz in die Hände eines Mannes zu legen, dessen Name vor einiger Zeit auch innerhalb der SPD noch zu einer Nachfrage geführt hätte: Axel wer?

 Geboren in Bakede, Vater Handwerker, Mutter Hausfrau, zwei Geschwister, die SPD ist durchaus ein Thema im Elternhaus. Nach der Volksschule folgen zwölf Jahre Bundeswehr, davon vier Jahre als Ausbilder, und dann sechs Jahre im Bereich der Logistik – „tja, und dann kam die Wende“, erklärt Arndt, „und die Bundeswehr war am trudeln“. Für den Oberfeldwebel waren die Zukunftsaussichten damals alles andere als rosig, „perspektivlos“ nennt Arndt die Lage der damals chronisch unterfinanzierten Truppe. Er selbst war vorbereitet, er hatte sich die letzten beiden Jahre umschulen lassen, sein zweites Berufsleben als Speditionskaufmann konnte beginnen. Zur Sozialdemokratie kam er durch einen Mitbewohner, der ihn einfach mitgenommen hat zu einem SPD-Ortsverein. Vor fünf Jahren ist er ins Auetal gezogen, er hat sich mit der Lebensgefährtin ein Haus in Rehren gekauft.

 Die biografischen Daten, die ja auch immer ein bisschen über den Menschen dahinter erzählen, sind schnell abgehakt. Und aus der Biografie erklärt sich auch, weshalb Arndt das Amt des SPD-Vorsitzenden übernahm: Es war eine Entwicklung, sagt er, das Ende von Gedankenprozessen, an deren Anfang Gespräche gestanden hätten: mit den Nachbarn, mit Freunden, über den Zustand einer Auetaler Partei, die seine Sympathie nie verloren hatte. Lange Zeit habe seine Priorität aber auf dem eigenen Garten und dem Grundstück gelegen, jetzt sei es Zeit, sich politisch zu engagieren. „Es war wirklich ein Prozess“, sagt Arndt. Und mit Blick auf den fernöstlich angehauchten Garten mit seinen klaren Strukturen und seinen schützenden Plätzen, die sich erst auf den zweiten Blick offenbaren, glaubt man Arndt als Zuhörer sofort: Nicht nur hinter einem Garten, der schwebend leicht daher kommt, steckt immer harte Arbeit.

 Bei den Fragen, die sich auf die politischen Aufgaben der kommenden Monate und Jahre beziehen, wird Arndt spürbar zurückhaltender: Jugend, Senioren, Gewerbegebiet, Tourismus führt er an, keine Frage, alles wichtig, aber bei nachbohrenden Fragen nach der konkreten Ausgestaltung verweist er nur auf die bisherigen Sitzungen: Im Vorstand will sich jeder Gedanken machen, wo man seine Stärken einsetzen könne. In der nächsten Sitzung am kommenden Montag sollen die Schwerpunktthemen definiert und kanalisiert werden. „Ich sehe viel Potenzial“, meint er, aber eines ist auch klar: Ohne Arbeitsplätze geht es nicht, Schwarzwaldatmosphäre hin oder her. Mehr will er nicht sagen, das Gespräch erinnert bei den politischen Fragen einem Billardspiel: Es ist eine Annäherung über Bande. Markige Sprüche sind seine Sache nicht, lieber lässt er sich bei der nächsten Kommunalwahl am Ergebnis messen. Bis dahin, das ist Arndt klar, gilt es, die Wunden zu schließen, die die vergangenen Monate in seiner Auetaler Partei geschlagen haben. „Es geht um die Sache, der Rest sind Nickligkeiten“, formuliert er zum Abschluss.

 Am Gartentor gibt es einen letzten Dialog: „Viel haben Sie ja nicht erzählt“, meint der Journalist. Arndt antwortet so: „Vielleicht haben Sie nicht die richtigen Fragen gestellt.“rnk

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