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Auetal Auch der kommende Wahlkampf hat seine Zeit
Schaumburg Auetal Auch der kommende Wahlkampf hat seine Zeit
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00:17 21.12.2012
Ganz allein auf weiter Flur: Piraten-Plakat. Quelle: rnk
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Auetal/Landkreis (rnk)

Bernd Riensch verweist als stellvertretender Kreisverbandsvorsitzender der Piraten und Direktkandidat für den Wahlkreis 37 auf die Personallage: Große Parteien wie die CDU oder die SPD seien in der Lage, den Landkreis innerhalb von drei Tagen komplett zu plakatieren, so groß sei die Helferschaft dieser Parteien: „Und wenn es sein muss, schaffen die das auch an einem Tag.“ Die meisten Piratenparteiverbände seien ein bis anderthalb Jahre alt, „wir haben gar nicht das Personal, um erst nach Weihnachten plakatieren zu können.“ Soll heißen: Dann würden die Piraten nicht alle Orte mit ihren Botschaften erreichen. Bislang, so Riensch, habe man in Stadthagen plakatiert, in Bad Nenndorf, im Auetal und in Nienstädt. Möglicherweise werde aber nach dem Weihnachtsfest noch einmal nachplakatiert, es komme darauf an, wie viele Plakate noch aus Nordrhein-Westfalen kommen würden, wo sie im vergangenen Jahr im Wahlkampf im Einsatz waren.

 Dass die etablierten Großparteien auf Plakate verzichten würden, um dem Wähler vor dem Weihnachtsfest Ruhe zu gönnen, hält Riensch für reine Strategie: „Das hat mit Festbelästigung nichts zu tun.“ Dahinter verberge sich vor allem eins: Angst. „Je weniger die großen Parteien auf uns aufmerksam werden, desto besser ist es für SPD und CDU.“ Denn sonst drohe denen eine inhaltliche Auseinandersetzung.

 Die SPD wird am 2. Januar offiziell den Plakat-Wahlkampf eröffnen, erklärt Grit Schmidt vom SPD-Unterbezirk. Rund 600 Plakate habe man für den Landkreis, aber ob alle aufgehängt werden, das hänge auch von der Zahl der Helfer ab. Daher habe man den aktiven Genossen signalisiert, dass ab dem 27. Dezember, also direkt nach dem Fest, plakatiert werden könne. Die Wesselmänner dagegen, also die ganz großen Riesenplakate, die würden erst am 2. und 3. Januar aufgestellt. Ganz so einfach ist der Wahlkampf mit Plakaten heute nicht mehr, erklärt Grit Schmidt: Immer mehr Kommunen möchten, dass nur noch auf öffentlichen Stellplätzen geworben werden. Vielerorts habe sich ein Gentleman-Agreement durchgesetzt: „Ich stelle mein Plakat hier auf – und Du dort.“

 Eike Paulun, CDU-Kreisgeschäftsführer, muss bei der Frage nach der Zahl der Plakate für den kommenden Wahlkampf passen: „Keine Ahnung, das weiß ich nicht.“ Schließlich habe man unterschiedliche Formate, zudem werde in Schaumburg für drei Kandidaten geworben, die alle noch eigene Einzelmotive hätten. Begonnen wird nach dem Weihnachtsfest, sagt Kaulun, und hält sich streng an die verbalen Vorgaben: „Wir wollen die Bürger vorher nicht belästigen.“ Genug Helfer habe die CDU, und die Anzahl der Wesselmänner könne er nicht sagen: „Weiß ich nicht.“

 Ob sich die großen Parteien wirklich mit dem Wahlkampf bis nach dem Weihnachtsfest gedulden werden, stellte in der letzten Woche die Berliner Tageszeitung „taz“ in ihrem Nordteil infrage. Sie berichtete über den „Kirchenboten“, der Bistumszeitung der Diözese Osnabrück, mit dem jüngst den Katholiken ein Spenden- und Wahlaufruf der CDU ins Haus flatterte. „Ihre Spende. Unser Erfolg“, heißt es in dem Flyer, „wählen Sie mit beiden Stimmen CDU.“

 Berichtet wurde in der „taz“ auch über eine Briefaktion, mit der CDU um Unterstützung wirbt: „Bekennen Sie sich aktiv und offen zu Ihrer Unterstützung für die CDU“, Unterzeichner des Briefs, der als Infopost verschickt wird: Ministerpräsident und CDU-Landeschef David McAllister, der laut „taz“ die „besten Wünsche für ein gesegnetes Weihnachtsfest“ sendet.

 Inhaltlich hätte Die Linke guten Grund, noch vor dem Weihnachtsfest zu plakatieren, denn sie bezieht sie teilweise auf das Fest: „Statt Spekulanten Kinder beschenken“ steht auf den Großplakaten. Für Nachfragen der Redaktion war indes niemand aus der Parteispitze der Schaumburger Linken erreichbar.

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