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Auetal: Hacker erpressen Unternehmer

Internetkriminalität Auetal: Hacker erpressen Unternehmer

Es geht um Geld. Aber Kriminellen geht es ja fast immer um Geld. Jörg Spieler, ein Auetaler Internetunternehmer, zu dessen Kunden unter anderem die Stadt Rinteln, der Stadtmarketingverband „Pro Rinteln“ und der Deutsche Draisinenverband zählen, ist Opfer eines Hackerangriffs geworden.

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Unbekannte Hacker versuchen ein Auetaler Internetunternehmen zu erpressen. dpa

Rinteln/Auetal. Die unbekannten Täter drangen über eine Sicherheitslücke in die Datenbanken des Unternehmens ein. Per E-Mail verlangten sie einen Betrag um die 1000 Euro, verriet Spieler dieser Zeitung, sonst wollten sie den Kathrinhäger im Internet als Sicherheitsgefahr darstellen. Aber Spieler ließ sich nicht erpressen, sondern wagte die Flucht nach vorne und informierte sofort seine Kunden über den Zwischenfall und erstattete Anzeige.

„Der Betrag ist so gewählt, dass möglichst viele schnell bezahlen“, meint Spieler. Er kenne noch zwei weitere Unternehmen in ähnlicher Größe wie das seine, die ebenfalls betroffen sind. Die Masche der Interneterpresser scheint vergleichbar zu sein wie auch bei massenhaft versandten „Phishing-Mails“. Indem möglichst viele kleine Unternehmen parallel angegriffen werden und zunächst vergleichsweise geringe Summen gefordert werden, hofft man auf eine möglichst große Zahl an eingeschüchterten Zahlern.

Das Landeskriminalamt Niedersachsen bestätigt auf Anfrage, dass viele Betroffene den Weg zur Polizei scheuen. „Hier werden Fälle bekannt, in denen Betreiber kleiner Arztpraxen aber auch große Unternehmen im Rahmen von Erpressungen bereits auf Täterforderungen eingehen, bevor man auch nur an eine Einbeziehung der Polizei denkt“, erklärt Kriminaloberkommissarin Stephanie Weiß. 2014 sind in Niedersachsen 110 Fälle von Computersabotage angezeigt worden. 2013 waren es noch 60. „Die Aufklärung gestaltet sich oftmals aufgrund der vorhandenen Verschlüsselungssoftware der Täter schwierig“, so Weiß.

Im Falle von Spieler sind sowohl das Fachkommissariat 2 der Polizeidienststelle Nienburg als auch das LKA tätig geworden und haben den Unternehmer bereits als Zeugen befragt. Sensible Konto- oder Kreditkartendaten sind, so betont der Auetaler, bei dem Hack nicht betroffen. In der Datenbank waren E-Mail-Adressen (nicht aber die zugehörigen Passwörter) von Anfragen, die über das Kontaktformular der betroffenen Webseiten gestellt wurden, gespeichert. Auch die Passwörter der Seitenredakteure konnten erbeutet werden. Daher hat Spieler als erste Konsequenz sofort die Seiten vom Netz genommen und durch statische html-Versionen ersetzt, die nicht angreifbar sind. Dienste wie etwa das Kontaktformular sind so nicht nutzbar.

Vonseiten der Stadt Rinteln betont Jörg Schmieding, dass das EDV-System der Stadt nicht betroffen sei. Über Spieler laufe nur die Webcam am Marktplatz, die nicht direkt mit dem Rathausnetz zusammenhängt. Die Homepage von „Pro Rinteln“ war im Laufe des gestrigen Nachmittags ebenfalls wieder zu erreichen.

Jetzt arbeitet Spieler gemeinsam mit Spezialisten aus Bielefeld daran, die Sicherheitslücke zu stopfen und zukünftige Einbrüche zu erschweren.

Aber wie läuft eigentlich so eine Erpressung über das Internet ab? Nach dem erfolgreichen Eindringen bekam Spieler eine E-Mail mit Screenshots, die den erfolgreichen Hack belegten, inklusive der Geldforderung. „Zahlen sollte ich mit Bitcoins (einer nicht zurückverfolgbaren Onlinewährung, Anm. d. Red), also kein Umschlag mit Geld in dunklen Gassen“, erzählt Spieler. Später hätten die Erpresser ihre Geldforderung sogar noch gesenkt, „weil sie ja so gute Menschen sind“. Spieler geht davon aus, dass es sich um eine kleine Hackergruppe und keine Einzelperson handelt.
Noch diese Woche will der Geschäftsmann die betroffenen Seiten wieder online haben. „Es ist zwar ein schwacher Trost, aber immerhin stehen wir jetzt in einer Reihe mit dem Bundestag und Sony.“ jak

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