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Baustelle der kurzen Wege

Zur Lage der Aue Baustelle der kurzen Wege

Die Frage, wie es der Aue denn so geht, will Bruno Scheel nicht mit einem einzigen Satz beantworten. Und so erzählt Schaumburgs coolster Naturschützer von Zeiten, an denen sich auch der eine oder andere Leser noch erinnern wird.

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Boden wird zwischengelagert

Borstel. An Zeiten, in denen die einzige Frage nach der Aue die war, welche Farbe das Wasser denn hatte: War es rot, weil irgendwo geschlachtet wurde? Oder war es weiß, weil aus der Molkerei in Rehren abgeleitet wird? „Verglichen damit“, sagt Scheel, „geht es der Aue heute super. Wir haben einen Quantensprung erlebt.“

Scheel hat gestern Morgen gegen 8.30 Uhr den Weg nach Borstel gefunden, um sich dort gemeinsam mit Nabu-Mitarbeiter Christian Höppner den Startschuss für die Sekundäraue, die zweite Aue, im Bereich zwischen Borstel und Bernsen anzuschauen. Beide haben gute Laune.

Das liegt zum einen an den leicht frühlingshaften Temperaturen, zum anderen daran, dass es mit dieser Maßnahme für die Gelbbauchunke weiter vorwärtsgeht. Denn dieser hoch bedrohten Art hilft der Naturschutzbund (Nabu) Niedersachsen mit der Renaturierung dieses Auenabschnittes: Durch die Anbindung der Altaue erhofft sich der Nabu eine Struktur- und Artenanreicherung, die vor allem der Gelbbauchunke einen ursprünglichen Primärlebensraum wieder zugänglich machen soll.

Vielleicht findet die gute Laune auch ihren Grund darin, dass es eine Baustelle der kurzen Wege ist, die innerhalb der nächsten beiden Wochen abgearbeitet werden soll. Der abgetragene Boden wird von zwei Lastwagen auf gegenüberliegende landwirtschaftliche Felder gefahren: Quasi im Fünf-Minuten-Takt rollen die beiden gelben Kipper zwischen Bagger und Feld hin und her. „Das spart Kosten“, wie Höppner erklärt, denn bei der Finanzierung sei man davon ausgegangen, dass der Aushub auf einer Deponie abgelagert werden muss – und das wäre deutlich teurer. Neudeutsch würde man von einer Win-win-Situation sprechen: Der nährstoffreiche, humose Oberboden dient den Landwirten, während der nährstoffärmere Boden besser für die Gelbbauchunke geeignet ist. Entstehen wird dort eine große Sekundäraue von gut 4900 Quadratmetern, die bei Hochwasser überflutet wird.

Als Strömungslenker und weitere wertvolle Struktur wird eine Pappel in die Aue eingebaut. Diese soll die Überflutung und damit die Dynamik in diesem neu angelegten Sekundärauenbereich forcieren. Zudem werden sonnenexponierte Tümpel angelegt, in denen die Gelbbauchunke geeignete Bedingungen zur Reproduktion findet. Das ehrgeizige Ziel: Stark isolierte Populationen zu vernetzen und den genetischen Austausch wieder zu ermöglichen. Die Maßnahmen werden länderübergreifend in acht Projektregionen verteilt über die Länder Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg vorgenommen.

Im Auetal ist ein Teilerfolg erzielt worden: In Borstel ist die Gelbbauchunke 2014 schon erfolgreich angesiedelt worden. Höppner bittet jedoch, den genauen Ort besser nicht zu nennen: Noch immer gebe es Mitmenschen, die sich dann die Tiere in ihren eigenen Teich holten, „wo sie dann elendig verrecken, weil sie genau diese Lebensumstände nicht vertragen“.rnk

Von der Baustelle bis zum Feld sind es keine 100 Meter.

rnk

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