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Da muss Struktur rein

Naturschutzprojekt abgeschlossen Da muss Struktur rein

Bruno Scheel, Auetaler Umweltschützer der ersten Stunde, klettert zum Abschluss der Arbeiten auf den hohen Erdwall, die untergehende Sonne taucht die Szenerie in warme Brauntöne.

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Das Bild zeigt die Nabu-Baustelle in Borstel.

Quelle: rnk

Borstel. Und wo andere nur Erde sehen würde, da erblickt Scheel Strukturen, die dort seit Jahrzehnten nicht mehr zu sehen waren: tiefe Rückzugsgebiete, nicht ganz so tiefe und flache. „Solche Strukturen“, sagt Scheel, „hat es hier seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben.“

 Das Großprojekt des Naturschutzbundes (Nabu) Niedersachsen erhielt seinen Startschuss vor rund zwei Jahren, als der Landesvorsitzende Holger Buschmann beim Auetaler Nabu-Chef Rolf Wittmann nachfragte: „Kannst du dir das mal ansehen?“ Wittmann nahm Erdproben und fand – viel Lehm. Außerdem: Die Ufer waren verdammt hoch. Was Wittmann noch sah: eine Wiese links der Aue, die beweidet werden könnte.

 Im vergangenen Monat hat der Nabu in der Borsteler Gemarkung zwei Wochen lang die Bagger arbeiten lassen, und nur kurz streift Wittmann bei der Hauptversammlung die kurzfristigen Planänderungen: Eigentlich sollte der nährstoffreiche Boden direkt auf die umliegenden Felder gefahren werden, aber der sie besitzendes Landwirt legte sein Veto ein: Zu schwer seien die Lastwagen, zu sehr werde der Boden verdichtet. Wittmann weist daraufhin, dass auch ein Traktor mit Güllewagen 50 Tonnen auf die Waage bringt, lässt das Fass aber lieber zu – alles schon Vergangenheit.

 Die Sekundäraue beginnt dort, wo ein kleiner Bach aus Richtung Rolfshagen in die Aue mündet. Und hinten, am Ende der zweiten Aue, kann das Wasser dann wieder austreten und wird in der Aue weitergeführt. Eine kleine Furt wurde ebenfalls angelegt, damit die Tiere, die die Weiden nutzen, trinken können. Welche Tiere dort weiden werden, steht noch nicht fest. Es könnten zwei Pferde oder zwei Rinder sein – „die halten das kurz“, ist Wittmann sicher. Zugefüttert werden soll nicht, „sie finden ihr Futter“. Nur bei ganz schlechter Wetterlage, also bei viel Schnee, wird über eine Zusatzfütterung nachgedacht. Der Hintergrund: Über das Futter könnten Nährstoffen von draußen auf das Gelände kommen, das wollen die Naturschützer nicht.

 So eine Maßnahme, sagt Wittmann, „sieht immer wüst aus“. Aber schon im nächsten Jahr werde man von der Baustelle nichts mehr sehen.

 Einer Legendenbildung wollte Wittmann einen Riegel vorschieben. Denn in den Wurzeln eines durch den Orkan Kyrill umgestürzten Baumes hatte lange ein Eisvogel samt Familie genistet. Nun ist der untere Teil des Wurzelwerkes samt Eisvogelwohnung abgebrochen. Wittmann legt größeren Wert auf die Feststellung, dass dabei die Natur am Werk war: Abgebrochen sei dieser Teil schon lange vor den Arbeiten an der Aue. Dem Eisvogel werde der Wohnungsverlust nicht stören, ist sich der Nabu-Chef sicher: „Er hat an der Aue genug Möglichkeiten, sein Nest zu bauen.“

 Schon beendet ist eine Maßnahme in Klein Holtensen, wo auf 300 Quadratmetern Fläche, die von privat zur Verfügung gestellt wurde, eine Mulde gebildet wurde. Das Problem dort waren die hohen Böschungen des Riesbachs: Das Wasser trat viel zu selten auf die Wiesen, neuer Lebensraum entstand so nicht. Jetzt könne das Wasser besser einlaufen, so Wittmann. Wenn es zu voll werde, laufe es einfach wieder ab. Kurzum: In Klein Holtensen werde durch ein Projekt zugleich Amphibien- und Hochwasserschutz betrieben. Führt der Riesbach zu viel Wasser, flutet er die Mulde und verteilt sich dort. Es ist auch ein idealer Lebensraum für die Gelbbauchunke. Wittmann hofft aber, dass sich noch mehr Amphibien ansiedeln. Auch der Schwarzstorch komme dort schon mal vorbei.

 Gepflanzt wurde auch: Schwarzerlen, die als Tiefwurzler die Böschung halten und das Ufer befestigen. Jedenfalls bekomme er das seit 20 Jahren so gesagt, meinte Wittmann. Rund 300 haben die Helfer und er gepflanzt, nicht alle werden angehen, „das ist ja immer so“. Die Kosten der Maßnahme liegen bei 3000 Euro. rnk

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