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Dauergast im Gefängnis – dabei bleibt’s

Mutter von zwei Kindern mit Axt niedergeschlagen Dauergast im Gefängnis – dabei bleibt’s

Die vergangenen zehn Jahre seines Lebens hat der Einbrecher von Rolfshagen fast ununterbrochen in Gefängnissen verbracht. Daran wird sich vorerst auch nichts ändern: Gestern hat die 1. Große Strafkammer am Bückeburger Landgericht den Mann aus Gelsenkirchen zu sechs Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

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Quelle: Symbolbild dpa

Rolfshagen/Bückeburg. Nachdem er am Vormittag des 7. Mai in Rolfshagen von der Wohnungsinhaberin überrascht worden war, hatte der 28-Jährige die Frau mit der stumpfen Seite einer Axt niedergeschlagen. Das Opfer hatte großes Glück und kam mit Platzwunden davon.

 An den seelischen Folgen der brutalen Tat leidet die Frau aber noch heute. Angst ist ihr ständiger Begleiter. „Der Angeklagte hat großes Unheil über eine Familie gebracht“, stellte Staatsanwalt André Lüth fest.

 Vor Gericht wirkte der Mann, der vor Jahren mehrere Tankstellen überfallen hatte, äußerlich unbeteiligt. „Er hat keinerlei Reue gezeigt“, so Richter Norbert Kütemeyer. Dem Opfer sprach die Kammer 12000 Euro Schmerzensgeld zu.

 Der Schuldspruch lautet auf Einbruchsdiebstahl und gefährliche Körperverletzung. Anfangs war wegen versuchten Mordes ermittelt worden. Ebenso wie Verteidiger Ralf Jordan geht die Kammer jedoch nicht davon aus, dass der Einbrecher vorhatte, die Frau zu töten. Richter Kütemeyer: „Er hat freiwillig von ihr abgelassen und zugelassen, dass sie flüchtete.“ In ersten Vernehmungen hatte der Täter erklärt: „Sie sollte ruhig sein oder irgendwie ohnmächtig werden, damit ich Zeit habe, um abzuhauen.“ Nach dem zweiten Axthieb auf den Kopf war die 37-Jährige zunächst in die Badewanne gestürzt, konnte dann aber durchs Fenster fliehen, während der Mann kurze Zeit später auf der Straße von Polizisten festgenommen wurde. Auch die „relativ geringen Verletzungen“ (Jordan) der Frau sprechen aus Sicht des Gerichts gegen einen Tötungsvorsatz.

 Dietmar Weyland, der Anwalt des Opfers, fühlt sich durch die Tat, begangen am hellichten Tag, an einen Horrorfilm erinnert: „Es ist schon gruselig genug, dass meine Mandantin in der eigenen Wohnung einem Unbekannten gegenübersteht“, sagte er. „Und dann führt dieser Mann auch noch eine Axt bei sich.“

 Staatsanwalt Lüth war „emotional sehr berührt“, nachdem er davon erfahren hatte. Eine Mutter von zwei Kindern werde mit einer Axt niedergeschlagen. Lüth: „Ein herausragender Vorfall, was die Brutalität des Täters betrifft.“ Zur Tatzeit war der Mann zu Besuch bei seiner Verlobten im Auetal.

 Ein Gutachter sieht in dem psychisch gestörten Angeklagten (acht Vorstrafen) eine Gefahr für die Allgemeinheit. Trotzdem bleibt nur eine Haftstrafe, um die Öffentlichkeit zu schützen. Weil der 28-Jährige einem Gutachten zufolge weder unzurechnungsfähig noch vermindert schuldfähig war, kann er nicht in der Psychiatrie untergebracht werden.

 Die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt scheidet aus, weil der Einbruch keine Rauschtat war. Vor der Tat hatte der Einbrecher drei Dosen Bier getrunken. Außerdem sind zwei Jahre, das Maximum in der Entziehungsanstalt, laut Gutachter zu wenig für eine erfolgreiche Therapie. Und für Sicherungsverwahrung fehlen die rechtlichen Voraussetzungen. ly

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