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„Der Markt ist offen“

Naturkosmetik aus Engern „Der Markt ist offen“

Bio boomt – davon ist Naturkosmetik natürlich nicht ausgenommen. Die Menschen werden wählerischer in dem, was sie an ihre Haut lassen.  Das merkt man auch in Engern. Denn hier befindet sich der Firmensitz von „Khadi“, das Natur-Kosmetikprodukte herstellt und vertreibt.

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Das Unternehmen aus Engern hat mittlerweile mehr als nur Pflanzenhaarfarben im Sortiment.

Quelle: mld

ENGERN. Angefangen hat alles mit Pflanzenfarben fürs Haar, inzwischen führt die Firma 47 verschiedene Artikel, von Kokosöl über Shampoo bis Seifen. Begonnen haben sie mit einem Umsatz von gut 2000 Euro, inzwischen liegt der in einem zweistelligen Millionenbereich. Das jährliche Wachstum liegt nach firmeneigenen Angaben derzeit bei 25 Prozent.

Der Biomarkt wird weiter wachsen

„Die Leute wollen einfach keine Chemie mehr“, sagt der ehemalige Geschäftsinhaber Heinrich Jacob, der das Unternehmen zusammen mit seinem Kompagnon Oliver Giese im Jahr 2007 gründete und heute dort noch als Berater tätig ist: „Deshalb wird der Biomarkt weiter wachsen.“ Lag der Umsatz mit Naturkosmetika in Deutschland im Jahr 2007 noch bei 600 Millionen Euro, lag er im letzten Jahr bei über 1,1 Milliarden Euro.

Angefangen hat alles klein – mit einem Online-Shop. Jacob und Giese waren in Indien und hörten dort von der „Khadi“-Bewegung. Khadi bezeichnet handgesponnene Kleidung, wie sie beispielsweise Mahatma Ghandi ausschließlich getragen haben soll. Die Webereien und Spinnerein sollte der Landbevölkerung die Möglichkeit geben, sich selbst zu versorgen. Inspiriert davon, wollten die beiden eigene Kosmetikprodukte aus den dortigen Pflanzen entwickeln und in Indien nach ayurvedischen Verfahren sowie kontrolliert herstellen lassen, um sie in Deutschland zu vertreiben.

Pflanzenhaarfarben sind das Leitprodukt

Jacob und Giese fanden erste Hersteller und akquirierten die ersten Kunden. 2008 kamen rein natürliche Pflanzenhaarfarben ins Sortiment – „inzwischen unser Leitprodukt“, so Jacob. Denn gerade bei Haarfärbemitteln habe sich Naturhaarfarbe oft schwergetan, beispielsweise in der Grauabdeckung. Doch je wertvoller die einzelnen Bestandteile seien, desto stärker sei auch die Deckkraft.

Es gab schon Produkte im selben Segment, doch es war die Mund-zu-Mund-Propaganda – gerade online durch Blogger und Foren – die den Ruf der Khadi-Artikel etablierte, blickt Cay-Norbert Polley auf die Anfänge zurück. Polley ist inzwischen Gesellschafter-Geschäftsführer von Khadi – im vergangenen Jahr übernahm er die Firma.

„Die Produkte haben sich ihren Markt selber geschaffen“, sagt Polley. Bio-Produkte stießen damals schon auf Interesse, und es gab mehr als das altbekannte Henna, um sich die Haare zu färben.

Außenlager hinzugemietet

Noch im Jahr 2008 erfolgte die für Naturkosmetika wichtige Zertifizierung durch den Bundesverband „BDHI“. Nach und nach wurde das Sortiment erweitert und die Büro- und Lagerflächen auf dem Hof in Engern ausgebaut. Es ist der Hof – in der Riete 8 – auf dem Heinrich Jacob aufwuchs, und auf dem seit über 30 Jahren keine Landwirtschaft mehr betrieben wurde. Jacob erhielt den Altbestand, modernisierte ihn. Das Unternehmen wuchs so stark, dass Khadi ein Außenlager im Industriegebiet Süd hinzu mietete. Am Standort Engern werden die Produkte entwickelt, kontrolliert, verpackt und an die Kunden geliefert.

In Deutschland hat Khadi drei Kundengruppen: der Großhandel, Bio-Fachhändler wie Bio-Supermärkte und Reformhäuser – in Rinteln Reformhaus Korf – und sogenannte Endkunden, also Privatpersonen, die die Produkte direkt über die Homepage bestellen. Bis zu 200 Bestellungen täglich gehen laut Polley online ein – täglich.

Kein Export nach China

Khadi agiert auch international, liefert ins EU-Ausland, nach Taiwan, Japan, Russland, die Ukraine, bald eventuell auch Nordafrika. Eine Ausnahme soll bleiben: China. Denn die Volksrepublik verlangt den Test an Tieren vor Einfuhr ausländischer Produkte – extrem heikel für ein Unternehmen, das Tierversuche kategorisch ausschließt. Das Kosmetikunternehmen Logocos aus Salzhemmendorf stoppte daher im Jahr 2013 den Export nach China. 50 Prozent des Umsatzes macht das Auslandsgeschäft für Khadi inzwischen aus. Zeit, sich weiter zu professionalisieren, sagt Geschäftsführer Polley: „Wir merken, dass wir uns mehr mit Marketing beschäftigen müssen.“ 25 Mitarbeiter arbeiten derzeit in Engern, dazu dreimal so viel bei den Hersteller-Partnern in Indien. Reicht die Engersche Hofstelle für Khadi?

„Wir wollen das hier erhalten“, gibt Polley eine Zusage an den Standort. Das Ländliche habe eine „besondere Aura“. Das Unternehmen sei hier gewachsen, die meisten Mitarbeiter kämen aus der Gegend.

Und auch für die Entwicklung des Geschäfts fällt die Prognose positiv aus. Bislang seien nur unter fünf Prozent aller Haarfarben auf dem deutschen Markt rein pflanzlich. „Der Markt ist offen“, sagt Heinrich Jacob. mld

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