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Der Tisch ist reich gedeckt

Rehren / Ablenkfütterung Der Tisch ist reich gedeckt

Im Wald ist kein Laut zu hören. Kein Rascheln dringt aus dem Gebüsch und auch keine knackenden Äste verraten die Anwesenheit eines Tieres.

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Auch Rehwild ist immer wieder an der Futterstelle zu Gast, zeigt diese Aufnahme aus dem September.

Quelle: pr.

Von Jessica Rodenbeck. Und doch sind sich Rainer Rodewald und Andreas Pauly sicher, dass einige scheue Waldbewohner in der Nähe sind. „Die haben schon gewusst, dass wir hier sind, als wir mit dem Auto in den Waldweg gebogen sind“, sagt Rodewald, während er gemeinsam mit seinem Kollegen den Waldweg entlang geht. Ein Gewehr haben die beiden heute nicht dabei. Stattdessen einen kleinen Eimer, der mit Maiskörnern gefüllt ist. Ihn wollen sie auf einer Kirrung ausbringen, einer kleinen Futterstelle mitten im Wald. Jeden Tag ist im Moment einer der Jäger des Reviers im Wald unterwegs um die insgesamt vier Kirrungen zu überprüfen. Meistens bleiben die Männer dabei unbemerkt – zumindest von den Menschen. „Wir können sieben Tage nacheinander mit Futter in den Wald gehen, und es fällt niemandem auf. Haben wir aber an zwei aufeinanderfolgenden Tagen ein Gewehr dabei, dann ist das Gerede groß“, beschreibt Pauly.

 Nach einigen Hundert Metern ist schließlich die Futterstelle erreicht. „Wildschweine waren heut Nacht nicht hier“, erklärt Rodewald, nach einem kurzen Blick auf das Gelände. Er erkennt das an einem Kanister, der noch genauso auf einem Holzbrett liegt, wie er ihn am Tag zuvor dort zurückgelassen hat. „Wenn Schweine hier gewesen wären, hätten sie das Brett angehoben, um zu schauen, was darunter ist“, erklärt der Vorsitzende des Hegerings Auetal, in dem rund 100 Jäger organisiert sind. Schon einige Male ist das Brett erst etliche Meter entfernt in den Bäumen wieder aufgetaucht. Rehwild hingegen hätte nicht die Kraft, das große Holzstück zu bewegen.

 „Aber Rehe waren heute Nacht hier“, ist sich der Jäger sicher. Feine Spuren, die überall im feuchten Waldboden zu sehen sind, seien ein sicheres Zeichen dafür. Wie zur Bestätigung seiner Worte holt er eine kleine Kamera, die an einem Baum angebracht ist, aus ihrem Versteck. Sie reagiert auch im Dunkeln auf alle Bewegungen – und tatsächlich hat sie auch in der vergangenen Nacht ausgelöst. Auf einem Foto sind mehrere Rehe rund um die Futterstelle zu sehen, auf einem anderen Bild scheint ein Fuchs fast trotzig in die Kamera zu blicken.

 „Solche Bilder sind wichtig für uns. Mit ihnen können wir den Wildbestand überprüfen, beispielsweise, wie viele Kitze ein Reh hat“, erklärt Pauly, stellvertretender Vorsitzender des Hegerings und gemeinsam mit Rodewald Pächter des gemeinschaftlichen Jagdbezirkes Rehren A/O-Poggenhagen. Aber auch zur Überwachung der Tiergesundheit werden die Fotos herangezogen. „Wenn wir sehen, dass ein ganz abgemagertes Tier dabei ist, werden wir das beobachten – und gegebenenfalls eingreifen.“

 Eingreifen heißt in diesem Fall, das Tier erlegen. Eine Aufgabe, die die beiden Jäger, auch wenn viele Menschen etwas anderes erwarten, nicht gerne übernehmen. „Natürlich ist das Erlegen ein Teil der Jagd, für einen Jäger ist es aber bei Weitem nicht das Wichtigste“, so Pauly. Sicherlich gebe es auch hier schwarze Schafe, „die gibt es ja leider überall“. Für ihn sei die Jagd aber gelebter Tier- und Naturschutz – und damit verbunden ist eine große Portion Verantwortung. Dazu gehöre auch, kranke Tiere zu beobachten, und wenn nötig, zu töten. Kann nicht definitiv geklärt werden, um welche Erkrankung es sich gehandelt hat, würde das tote Tier in diesem Fall zur tiermedizinischen Untersuchung gebracht. So erfahren die Jäger, woran es gelitten hat, und können gegebenenfalls reagieren. „Das ist übrigens nicht nur bei Rehwild so“, sagt Pauly. Auch wenn den Jägern der Tod eines Hasen seltsam vorkommt, lassen sie ihn untersuchen.

 Doch nicht nur Tiere entdecken die Jäger auf den Fotos. Es kam auch schon vor, dass Autos fotografiert wurden, die die Kirrung ausleuchteten. „Da fragen wir uns schon, was die da mitten in der Nacht wollten“, sagt Pauly. Um zu wissen, dass Wilderer da waren, brauchen die Jäger aber keine Fotos. „Das zeigen uns unter anderem die Tiere an“, erklärt er. „Wenn die Tiere flüchten, sobald wir mit dem Auto auf den Waldwegen entlang fahren, können wir uns ziemlich sicher sein, dass irgendwo aus einem Auto heraus geschossen wurde.“

 Heute sind die Fotos aber unauffällig und so machen sich die beiden daran, die mitgebrachten Maiskörner zu verteilen. In einem 75 Hektar großen Revier dürfen sie pro Tag maximal vier Kilogramm Futter verteilen. Das reicht natürlich nicht, um alle Tiere satt zu bekommen – darum geht es aber auch gar nicht. „An einer Kirrung geht es um die Ablenkfütterung“, erklärt Pauly. Sinn dieser Fütterung ist es, dass die Tiere früh wissen, wo sie bei Nahrungsnot Futter finden können. Dadurch wollen die Jäger verhindern, dass Rehe und Wildschweine in Gärten und auf Feldern nach Nahrung suchen und dabei Schäden verursachen.

 Im Moment ist in der Natur aber noch reichlich Futter vorhanden. „Die Obermast ist in diesem Jahr sehr reichlich“, sagt Rodewald. Damit meint er Eicheln, Bucheckern und andere Früchte, die von den Bäumen auf den Boden fallen. Im Moment gibt es viele dieser Früchte, sodass die Waldtiere einen reichlich gedeckten Tisch vorfinden. Trotzdem halten die Jäger an ihren Kirrungen fest. Denn der nächste Winter kommt bestimmt – und bei einer dichten Schneedecke bekommt das Rehwild echte Probleme, ausreichend Futter zu finden, bei gefrorenem Boden wird es sogar für Schwarzwild, also Wildschweine, schwierig.

 In diesen Fällen würde der Kreisjägermeister die Winterfütterung anordnen, und dann dürfen die Jäger auch mehr als vier Kilogramm Futter ausbringen. Jeden Tag machen sie sich dann mit einem großen Rucksack zu den verschiedenen Futterstellen auf und verteilen Eicheln, Kastanien, Fallobst oder auch Rüben. „Bei einer Schneehöhe von vierzig Zentimetern ist man da schon froh, wenn man die erste Futterstelle erreicht hat und das Gewicht auf dem Rücken ein bisschen weniger wird“, sagt Rodewald.

 Wer etwas zu der Winterfütterung der Tiere beitragen möchte, sollte gesammelte Eicheln, Kastanien und Fallobst, aber auch Walnüsse vom Vorjahr beim ortsansässigen Jäger abgeben, rät Rodewald. Er bittet hingegen alle Waldbesucher, von eigenmächtigen Fütterungen abzusehen. Denn das Wild verträgt nicht alles, falsches Futter könnte sogar dazu führen, dass sich Krankheiten und Seuchen verbreiten. Kontakt:

 Für den Hegering Auetal ist Rainer Rodewald unter (05752) 1619 und sein Stellvertreter Andreas Pauly unter (05753) 1270 zu erreichen. Die Ansprechpartner aller anderen Hegeringe finden sich im Internet auf der Homepage der Kreisjägerschaft unter http://www.ljn.de/jaegerschaften/schaumburg/ueber_uns/hegeringe/.

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