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„Die Menschen wollen mehr als nur Mais“

Auetal / Naturschutzbund „Die Menschen wollen mehr als nur Mais“

Man braucht gar nicht drum herum zu reden: Der Naturschutzbund (Nabu) hat das gleiche Problem wie nahezu jeder andere Verein oder Verband: Es fehlt ihm am Nachwuchs.

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Neubürger erhalten im Auetal einen Baum, das ist seit 20 Jahren so: Hier holen Enrico Rudnick und Maike Wittmann das Bäumchen für Sohn Mio ab.

Quelle: rnk

Auetal (rnk). Wenn Weiden geschneitelt oder Steine auf einem Acker aus dem Weg geräumt werden müssen, dann treffen sich immer dieselben Aktivisten – und das schon seit fast drei Jahrzehnten.

 Sein 30-jähriges Jubiläum feiert die Ortsgruppe Auetal des Nabu im nächsten Jahr, und Gerd Meier hat als zweiter Vorsitzender schon begonnen, die Chronik zusammenzustellen, die von einem langen Weg erzählen wird, den die Naturschützer seit damals gegangen sind.

 Denn Naturschutz, das war zu Beginn der achtziger Jahre eine kleine zarte Pflanze, die von einigen gar nicht wahrgenommen und von den allermeisten ignoriert und von wenigen verachtet wurde. Bruno Scheel, Schaumburgs coolster Naturschützer, wie ihn Kreisvorsitzende Petra Sittig einmal nannte, hatte sich für den Naturschutz eingesetzt, zum einen aus der generellen Liebe zur Natur, zum anderen, weil es ihn frustete, wie eine Hecke nach der anderen und damit wertvoller Lebensraum einfach verschwand, und mit fünf, sechs Gleichgesinnten die Ortsgruppe gegründet. Es war eine Zeit, erinnert sich Scheel, in der man als Naturschützer wie ein Aussätziger behandelt wurde: Scheel musste damit leben, dass man ihm drohte, sein Haus anzuzünden, seine Kinder wurden wegen seines durchaus öffentlichen Engagements in der Schule angefeindet. Aber der Bruno, so meint Gerd Meier, sei eben schon immer ein Kämpfer gewesen.

 Ein Vierteljahrhundert später fristete der Naturschutz kein Nischendasein mehr, sondern wird quer durch die Gesellschaft als wesentliche Grundlage der Lebensqualität begriffen. Man muss als Naturschützer einen langen Atem haben, so Meier. Aus mehreren Gründen: Zum einen, um überhaupt durchzuhalten, zum anderen, um Vertrauen bei Politikern und Verwaltung aufzubauen – es geht nur gemeinsam.

 Dafür könnte die Baumaktion durchaus als gutes Beispiel dienen: Seit 20 Jahren werden alle Auetaler Neubürger mit einem Baum beschenkt, die Kosten teilen sich Nabu-Ortsgruppe, Gemeinde und Sparkasse. Weit mehr als 600 Bäume wurde verteilt, über 20 waren es auch an diesem Wochenende. Nicht nur Bürgermeister und Sparkassenfilialleiter unterstreichen durch ihre Präsenz am Abgabetag den Sinn der Aktion, nicht nur viele Mitstreiter, die teilweise weggezogen sind, sind zum Jubiläum dabei, auch der Landesvorsitzende schaut kurz vorbei: Holger Buschmann zeichnet Gisela Wittmann mit der silbernen Ehrennadel des Landesverbandes aus, Sie sei, so sagt es Buschmann, die Seele der Ortsgruppe, diejenige, die auch mit Kaffee und Suppen die Aktivisten verpflegt. Die gleiche Ehre widerfährt Gerd Meier, „weil ohne Dich hier gar nichts geht“, formuliert es Buschmann, ehe sein Blick dann auf Rolf Wittmann fällt, der ebenfalls eine silberne Nadel erhalten soll. Wie steigert man das letzte Kompliment nun noch? Buschmann hilft sich so: „Ohne Dich geht hier aber nun wirklich gar nichts.“ Wittmann stehe seit Jahrzehnten für garantierte Zuverlässigkeit, sagt Buschmann, der in diesen Tagen als Landesvorsitzender auch mit mindestens einem Auge auf die anstehende Landtagswahl im Januar blickt. Im Niedersachsen Journal des Nabu wird auf 15 Seiten eine Bilanz gezogen und werden Forderungen aufgestellt, die der Nabu an die künftige Landesregierung hat. Leider, so Buschmann, mussten die Forderungen so umfassend ausfallen, da in den vergangenen Jahren sich nicht nur die umweltpolitischen Rahmenbedingungen verschlechtert hätten, sondern gleichzeitig immer größere Herausforderungen beim Klimaschutz und der Energiewende auf uns zukommen würden.

 Der Naturschutz, so erklärt es der Pressesprecher und stellvertretende Nabu-Landesgeschäftsführer Ulrich Thüre, sei kontinuierlich geschwächt worden, während Wirtschaft und industrielle Landwirtschaft in den letzten beiden Legislaturperioden protegiert wurden, Energiepflanzen, vor allem der Mais, würden in manchen Bereichen schon mehr als 60 Prozent der Ackerfläche ausmachen: „Aber die Menschen wollen mehr als Mais.“

 Während Buschmann in Rehren noch mit der Presse spricht, holen die letzten Eltern ihre Bäume ab. Was übrig bleibt, pflanzt der Nabu in der Auetaler Natur an: So haben alle was davon. Auch davon wird übrigens die Chronik künden, an der Meier gerade arbeitet: wie sich die Naturflächen, die der Nabu übernahm, im Lauf der Zeit veränderten.Vielleicht finden sich dann auch neue Aktivisten, denn, so formuliert es Meier ganz realistisch: „Es geht ganz schnell, dann ist so eine Ortsgruppe platt. Immer nur Arbeitseinsätze mit zwei Leuten – da besteht die Gefahr, dass alles einschläft.“

 Neubürger erhalten im Auetal einen Baum, das ist seit 20 Jahren so: Hier holen Enrico Rudnick und Maike Wittmann das Bäumchen für Sohn Mio ab.Foto: rnk

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