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Die Schnellen

DLRG probt die Rettung Die Schnellen

Der Zwölfjährige krault pfeilschnell durch das Wasser, drückt dem „Ertrinkenden“ eine Rettungsboje unter die Arme und zieht ihn an einer Leine ans rettende Land.

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Und raus damit: Auf dem Spineboard ist ein Geretteter geschnallt, und jetzt wird beide ins Boot gehievt– im Hallenbad wird der Ernstfall geprobt.

Quelle: rnk

Steinbergen/Rolfshagen. Doch Ausbilderin Corina Spizewski ist nicht ganz zufrieden: „Wir sprechen die Menschen, denen wir helfen, an.“ – „Und warum?“, will ein Mädchen wissen. „Weil ihr Rettungsschwimmer seid, weil ihr Menschen aus dem Wasser holt und Leben rettet.“

 13 Jungen und Mädchen zwischen zehn und 14 Jahren haben sich an diesem Trainingstag im Steinberger Hallenbad versammelt: Sie sind das Jugend-Einsatz-Team (JET) der Ortsgruppe Rolfshagen. Ihr Ziel: sich Fähigkeiten aneignen, die sie später im Wasserrettungsdienst benötigen. Und ganz nebenbei wird noch etwas mitgelernt: Es geht nur im Team. Im Fokus, so formuliert es Ausbilder Richard Bischof, „steht die gemeinschaftliche Ausbildung in der Wasserrettung“. Das große Ziel: „Bei uns lernen die Jugendlichen, dass es sehr einfach ist, Menschen zu helfen. Denn bereits ein Notruf kann Leben retten.“

 Bei 31,1 Grad Wassertemperatur ist es das erste Training im ureigensten Element der Menschenretter. Zuletzt wurde in der Turnhalle Rolfshagen geübt, wie Menschen vom Eis gerettet werden, diesmal geht es ins Wasser. Das „Spineboard“ kommt auch dort zum Einsatz, Richard Bischof lässt erst an Land üben, wie ein Mensch mit einer schweren Wirbelsäulenverletzung nach einem Sprung in falsches Wasser auf dem Brett fixiert wird, im Wasser wird es schwerer: „Wir können nicht mehr stehen“, gibt Bischof als Vorgabe, und der Gerettete wiegt 100 Kilogramm. „Aber dahinten“, sagt Bischof, „da kommt schon die Marie mit dem imaginären Boot.“ Und sie übernimmt sofort das Kommando: Mit vereinten Kräften wird der Gerettete ins Boot gehievt, Bischof hält die Hände hoch und klatscht jeden ab. Retterin Marie heißt mit Nachnamen Bergmann, ist 19 Jahre alt und neu in der Ortsgruppe: Sie ist Bundesfreiwilligendienstleistende.

 Zwar geht die Zahl der tödlichen Badeunfälle seit Jahren zurück, aber gerade im Vergleich mit anderen Bundesländern schneidet Niedersachsen schlecht ab und landet häufig auf dem vorletzten Platz, nur in Bayern ertrinken mehr Menschen. Ein Blick auf das Jahr 2014 zeigt dramatische Zahlen: Mindestens 33 Menschen ertranken von Januar bis August in Niedersachsen. 31 der Opfer waren männlich, die Zahl der weiblichen Opfer lag dementsprechend bei zwei Personen. Drei Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren starben vergangenen Sommer. Die Ursachen sind stets die gleichen: Übermut, Selbstüberschätzung und Leichtsinn, aber auch Unkenntnis und gesundheitliche Vorschädigungen – und fast immer sind die Opfer männlich.

 Die meisten Unfälle ereignen sich an unbewachten Gewässern. Gerade Flüsse werden häufig unterschätzt. Die Strömungen sind tückisch, und oftmals sind sie als solche nicht gleich zu erkennen. Keine Frage: Ein wichtiger Ansatz gegen den Ertrinkungstod ist die Schwimmausbildung von Kindern. Und an Ausbildern mangelt es der Ortsgruppe Rolfshagen nicht, erklärt Richard Bischof, ganz im Gegenteil: „Noch nie in der Geschichte der DLRG Rolfshagen hatten wir so viele Ausbilder wie zurzeit.“ Und nur eine gute Ausbildung binde die Jugendlichen an die Ortsgruppe und die DLRG, erklärt Bischof. Wohl wahr: Die Angebotskonkurrenz ist groß, und den Eltern ist es im Zweifelsfalle ziemlich egal, wohin sie ihren Nachwuchs fahren.

 Zwei Stunden dauert das Training im Steinberger Hallenbad, rund 90 der insgesamt 400 Mitglieder der DLRG-Ortsgruppe sind aktiv, und Ende Februar stehen die Bezirksmeisterschaften an, bei denen sich die Rolfshäger mit anderen Ortsgruppen messen werden.

 Am andern Ende des Beckens lässt Betreuer Eric Bischof das Werfen von Wurfsäcken üben. Sie enthalten ein kurzes oder langes Seil, man wirft es dem Menschen in Not zu – und Bischof erklärt wie: „Immer von unten, es sei denn, ein Hindernis steht im Weg, dann von oben.“ Und wer mit rechts wirft, der stellt den linken Fuß vor, das verleiht Standsicherheit. Denn die eigene Sicherheit, betont Eric Bischof, „ist im Einsatzfall das Wichtigste – so ist das Werfen eines Wurfsacks beispielsweise der erste Schritt, bevor ein schwimmerischer Einsatz erfolgt“.

 Die Brüder Richard und Eric Bischof wurden über die Jugendarbeit auf die DLRG aufmerksam. Nachdem Richard – als großer Bruder – bereits einen Großteil seiner Ferien am Doktorsee verbracht hatte, konnte er Eric zur Mitarbeit motivieren. Inzwischen gehört dieser als ausgebildeter Strömungsretter zu den festen Säulen der Einsatzkräfte.

 Nach dem Training der JET-Gruppe kraulen die Einsatzkräfte durch das Wasser der Steinberger Halle – sie üben für die Bezirksmeisterschaften. rnk

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