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Eine zweite Aue

Nabu Rinteln Eine zweite Aue

Frost oder Sonne? Das ist Christian Höppner egal, beides wäre gut, „Hauptsache befahrbar“, sagt der Mitarbeiter des Naturschutzbundes Rinteln und zeigt auf die gelben und roten Pflöcke: Dann könnte der Bagger kommen und mit seiner Arbeit beginnen.

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 Gelbbauchunken sollen sich in der Sekundäraue ansiedeln.

Quelle: pr.

Borstel. Denn dort unten – im Bereich zwischen Bernsen und Borstel an der Schiefen Lanner – wird eine zweite Aue entstehen, eine „Sekundäraue“, nennt es Höppner.

Fünfeinhalb Hektar hat der Naturschutzbund (Nabu) vom Landkreis Schaumburg übernommen oder vom Besitzer gepachtet, anderthalb Hektar liegen nördlich der Aue. „Und dort passiert das meiste“, sagt Höppner. Entstehen wird eine große Flutmulde. Es sind 4900 Quadratmeter, die bei einem höheren Stand der Aue überflutet werden, dazwischen wird ein zehn Meter breiter Streifen stehen bleiben.

Die Fläche ist abgesteckt, die Finanzierung steht, der Startschuss ist intern längst gefallen. Nur das Wetter muss sich ändern, denn sonst wären die Schäden durch die schweren Baufahrzeuge beträchtlich. Verwendung für den Boden gibt es auch: Er muss keineswegs umweltbelastend und teuer zu einer Deponie gefahren werden, sondern landet auf den umliegenden landwirtschaftlichen Flächen, auf den Feldern: „Nährstoffreicher Boden frisch auf den Acker“, sagt Höppner – und meint: Das freut den Landwirt. Anderthalb Meter werden für diese zweite Aue abgetragen, bei höherem Wasserstand wird dieser Bereich überflutet.

Gelenkt wird das Wasser auch: durch eine umgestürzte Pappel. Dadurch reduziert sich die Fließgeschwindigkeit. Zwar ist die Aue weitgehend von der Flussbegradigung verschont geblieben, aber je schneller das Wasser fließt, desto weniger Pflanzen siedlen sich an, die wiederum als natürlicher Lebensraum für weitere Lebewesen fungieren. Mit dem Verschwinden dieser Arten sinkt in der Regel auch die Wasserqualität, deren Stabilität wiederum andere Arten zum Überleben benötigen.

Das Aue-Vorhaben ist Teil des Projektes „Stärkung und Vernetzung von Gelbbauchunken-Vorkommen in Deutschland“, für das unter der Regie des Nabu Niedersachsen insgesamt 3,2 Millionen Euro zur Verfügung stehen, um die Gelbbauchunke, den „Lurch des Jahres 2014“, wieder anzusiedeln. Sogenannte Trittsteine sollen die Grundlage bilden. Gemeint sind damit Bereiche, die die Unke liebt und an denen sie sich ansiedelt und fortpflanzt.

So soll ein „Lückenschluss im ursprünglichen Verbreitungsgebiete der Unke“ bis weit über Niedersachsen hinaus entstehen, wie es der Nabu-Landesvorsitzende Holger Buschmann im Juli formulierte.

Der Bereich links und rechts der Aue soll offengehalten werden, es werden also Rinder oder Pferde dafür sorgen, dass keine holzigen Pflanzen aufkommen. Und gleichsam als Nebenprodukt sorgen die schweren Tiere mit ihren Hufen dafür, dass kleine Abdrücke im Boden entstehen, in denen sich die Gelbbauchunken heimisch fühlen. Kleingewässer bieten Nahrung und Reproduktionsmöglichkeiten.

Aber ganz der Natur überlassen wollen die Projektmitarbeiter die Wiederansiedlung der Gelbbauchunke auch nicht, daher wird auf dem südlichen Bereich eine kleine Terrasse angelegt mit kleinen und –wie es Höppner ausdrückt – „sonnenexponierten Tümpeln“. Es sind Tümpel, die durch Regen oder von den Feldern und Wiesen abfließendes Wasser gefüllt werden. Ein Drainagesystem wird auch angelegt, sagt Höppner, damit soll die Stauwirkung auf den Feldern verhindert werden. Konkret bedeutet dies: In zwei kleinere Gräben kann das Wasser abfließen.

Generell ist das Gelbbauchunken-Projekt eng an die Praxis geknüpft. So wird ein bedeutender Anteil der Gelder für praktische Maßnahmen zur Renaturierung und zur Schaffung von geeigneten Bedingungen in Lebensräumen verwendet. Weiter werden schutzwürdige Landschaftsbestandteile im räumlichen Zusammenhang mit und für die Gelbbauchunke gesichert und hergerichtet – ein wichtiger Beitrag zum Biotopverbund.

Die Art selbst steht dabei als Leit- und Zielart stellvertretend für eine Vielzahl bedrohter Tier- und Pflanzenarten, die alle in den gleichen Lebensräumen vorkommen. Dies sind dynamische strukturreiche Offenlandschaften mit temporären, also zeitweisen Klein- und Kleinstgewässern.

Vorteile wird die anstehende Maßnahme auch für andere Bewohner des Aue-Raumes bringen: Zum Beispiel für den Eisvogel wird die Uferböschung modelliert. Der schillernde Flitzer mag bekanntlich steile Böschungen im Auebereich zur Anlage seiner Brutröhren.

Außerdem entstehen strömungsberuhigte Bereiche, die als Laichplätze für Fische geeignet sind. Und um Reh- und Schwarzwild macht sich Höppner keine Sorgen: „Es wird sich weder an den Weidetieren stören, noch stellt der geplante Zaun eine Barriere für die Wildtiere dar.“ fw

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