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Einzug erst im März

Nach Großbrand Einzug erst im März

Sie haben nichts von ihrer Fröhlichkeit und Leichtigkeit verloren. Gisela und Rolf Wittmann stehen in ihrem künftigen Wohnzimmer, der Ofen knistert, ein Tannenbäumchen steht bereit, Hund Manni schaut mit großen Augen in die Kamera.

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Der Ofen knistert, der Tannenbaum steht im Wohnzimmer, aber der Schein trügt. Das Weihnachtsfest feiert die Familie Wittmann in ihrer Übergangswohnung – das Haus ist nämlich noch eine Baustelle.

Bernsen. Wären da nicht der Maurerkübel, der kahle Estrichfußboden und die unverputzten Wände, dann könnte man meinen, dass die Weihnachtsvorbereitungen bei den Wittmanns fast abgeschlossen sind. „Nein, so schnell geht das alles nicht. Wir feiern dieses Weihnachten nebenan in unserer Übergangswohnung“, erklärt Rolf Wittmann. Das sei aber auch nicht anders geplant gewesen. „Ein bisschen gehofft hatte ich aber schon, dass wir bis Weihnachten wieder in unserem Haus sind“, gab Gisela Wittmann zu. Doch richtig traurig sei sie nicht.

Sturm drückte Flammen in die Scheune

Am 2. Februar gegen 1.25 Uhr hatte ein Lastwagen-Fahrer ein brennendes Auto an der Bernser Straße, direkt vor einer Scheune, gesehen. Er alarmierte die Feuerwehr, weckte die Familie durch Klopfen an die Tür und verhinderte so Schlimmeres. Inzwischen hatte nämlich der starke Sturm die Flammen in die Scheune gedrückt. Die zahlreichen Feuerwehrleute, die schnell vor Ort waren, konnten aufgrund der Windböen nicht verhindern, dass das Feuer auch auf das Wohnhaus der Familie Wittmann übergriff. Das Haus brannte fast komplett ab. Rolf und Gisela Wittmann, ihre Tochter Maike und Enkelsohn Mio verloren fast ihre gesamte Habe. Was nicht verbrannte, wurde durch das Löschwasser vernichtet.

Riesige Hilfsbereitschaft in Auetal

„Aber die Versicherung zahlt und somit können wir das Haus im Wert von etwa 350.000 Euro wieder aufbauen“, sagte Rolf Wittmann. Außerdem hätte die Familie durch die Tragödie feststellen können, dass sie viele Freunde in Bernsen und im gesamten Auetal hat. Die Hilfsbereitschaft war riesig. Soforthilfe, auch in Form von Kleidung und Gegenständen für den täglichen Bedarf, wurde von Freunden und Fremden geleistet. In der direkten Nachbarschaft konnten die Wittmanns umgehend eine Wohnung anmieten. Und schon nach wenigen Wochen, nachdem das Haus fast bis auf die Grundmauern abgerissen war, begann der Wiederaufbau.

„Das dauert selbstverständlich alles seine Zeit, aber es wird“, sagte Rolf Wittmann und führt stolz durch die Räume. „Mio führt schon Tänze in seinem künftigen Zimmer auf. Der freut sich schon riesig auf den Wiedereinzug.“ Doch etwas wird das noch dauern.

Noch neue Wände, Böden und Bäder

Der Rohbau ist fertig, Fenster und Türen sind soweit notwendig erneuert, die Heizung läuft seit einigen Tagen. Nun muss noch verputzt werden, Fliesen und der Korkfußboden müssen verlegt, die Bäder eingebaut und die Malerarbeiten erledigt werden. „Ich denke, bis März sind wir fertig und können einziehen“, zeigt sich der Hausherr zuversichtlich.

Täglich ist er auf der Baustelle. „Wir wollten ihm dort schon ein Feldbett aufstellen“, sagt Gisela Wittmann schmunzelnd. Aber schließlich kommt ihr Mann aus der Branche und kennt sich aus. „Ich lege selbstverständlich Wert darauf, dass vorwiegend naturnahe Baustoffe verwendet werden. So wie Zellulose zur Dämmung und zum Schallschutz“, erklärt Rolf Wittmann. Er sei jeden Tag im Haus, weil jetzt gut geheizt und gelüftet werden müsse.

Den ganz großen Schock hat die Familie Wittmann überwunden, aber immer wieder stellen sie fest, dass doch so einiges fehlt. „Da will ich jemandem Werkzeug ausleihen, sage das zu – und im gleichen Moment fällt mir ein, dass ich das überhaupt nicht mehr habe“, so Rolf Wittmann.

Ein großer ideeller Verlust

Schlimm sei auch, dass fast alle Fotos verbrannt sind. „Ich hatte auf meinem Nachtisch ein Foto unseres Sohnes, der im Säuglingsalter verstorben ist. Ich habe ihm nach dem Aufwachen immer guten Morgen gesagt. Jetzt ist das Foto weg“, erzählt der Bernser. Materielles sei zu ersetzen, aber der ideelle Verlust sei eben doch sehr groß.

„Aber wir lassen uns nicht unterkriegen und sind dankbar, dass wir so viele Freunde haben.“ Mit denen und vielen Feuerwehrleuten wurde im Sommer schon kräftig gefeiert – das Richtfest nämlich. „Das war ein großer Schritt in Richtung Neuanfang.“ la

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