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Auetal Gänsehaut auchohne Mord und Blut
Schaumburg Auetal Gänsehaut auchohne Mord und Blut
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00:27 12.11.2015
 Als ausgebildete Märchenerzählerin beherrscht Vivian Kosok die Dramaturgie des Vortragens. Quelle: cm
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Rolfshagen (cm)

Dann sitzen alle mucksmäuschenstill und lauschen, ganz wie unsere Vorfahren am nächtlichen Lagerfeuer.

 Märchenerzählerin Vivian Kosok, die zum zweiten Mal im Familienzentrum Rolfshagen auftrat, ist aber auch keine Märchentante der gewöhnlichen Art. Ihre Darstellungsweise betont das Dunkle und das Drastische, das sich in den Sagen und Erzählungen aller Völker findet. Und merkwürdigerweise erzeugt ihr Vortrag beim Zuhörer das Gefühl, dass es gut und richtig ist und sogar ein inneres Bedürfnis erfüllt, wenn da mal jemand deutlich von Tod und Teufel spricht. Die Verharmlosung und Verniedlichung auf Disney-Niveau, die unsere Märchen oft erfahren, raubt ihnen, das erkennt man im Vergleich, die eigentliche Tiefe. Als ausgebildete Märchenerzählerin beherrscht Kosok die Dramaturgie des Vortragens. Schon ihre Erscheinung – sie tritt als dunkle, aber auch verführerische Hexe auf – stimmt die Zuhörer ein. Im Alltags-Ich eher ein schneller und temperamentvoller Mensch, wird die Erzählerin im Vortrag bedächtig und konzentriert. Sie beherrscht das Spiel mit Rhythmus, Pausen, Lautstärke, Körperhaltung, Blick und Mimik. So werden selbst bekannte Texte wie das Märchen „Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen“ zum Hörvergnügen.

 Beim letzten Text, der von den vier Adventslichtern handelt – „Ich will Sie ja nicht mit einer Gruselgeschichte ins Bett schicken“ – zeigt sich, dass Kosoks Erzählweise auch besinnliche Texte vertiefen kann. Die Gänsehaut kommt dieses Mal auch ganz ohne Mord, Blut und Gedärme. Man kann sie auch von der lichteren Seite der menschlichen Existenz, wo Liebe und Frieden wohnen, bekommen.

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