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Auetal Gruft und Sarg aufgebrochen
Schaumburg Auetal Gruft und Sarg aufgebrochen
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09:25 08.02.2018
Die Spuren an den Särgen sind noch frisch. Quelle: la
BERNSEN

„Die Tür zu unserem Mausoleum stand offen, und sofort sahen wir, dass sie aufgebrochen war“, erzählen die Schwestern. Der Holzsarg ihrer Großmutter Toni Hanni Schmidt war gewaltsam aufgebrochen worden, der Sargdeckel war offen und die Glasscheibe, die den Innensarg verschließt, zersplittert.

„Unsere Großmutter hatte die ganzen Glassplitter auf dem Gesicht“, erzählt Tatjana Schmidt und kämpft dabei mit den Tränen. Einiges an Grabschmuck sei in der Gruft umgeworfen worden, aber weitere Schäden seien nicht verursacht worden. „Wer macht so etwas? Wir können das nicht verstehen“, sagen die Schwestern. Erleichtert seien sie gewesen, dass das Grab ihres Vaters unbeschädigt war. „Sein Todestag jährt sich in der nächsten Woche zum achten Mal“, erzählt Nicole Schmidt.

Die Schwestern sind mit den Nerven am Ende, und da hilft es auch nicht, dass ein großer Teil der Familie zur Gruft gekommen war, um sie zu unterstützen und zu trösten. Die Sinti-Familie macht sich Sorgen, denn der Hintergrund dieser Attacke auf ihre Lieben ängstigt die Frauen.

Am Neujahrstag hat vor dem Haus der Familie in Kathrinhagen eine Hecke gebrannt. An die von der Polizei vermutete Ursache, Kinder der Familien könnten dort gekokelt haben, glaubt Tatjana Schmidt nicht.

SS-Zeichen auf Auto

„Als es kürzlich geschneit hat, hat jemand meinen Namen und das SS-Zeichen auf meinem Auto in den Schnee geschrieben“, erzählt Tatjana Schmidt. Sie habe dann daraus Jesus gemacht. „Wir sind nämlich sehr gläubige Christen.“

Die Großeltern der beiden Schwestern, Toni Hanni und Wilhelm Schmidt, haben viele Jahre in Bernsen gelebt. „Unsere Großeltern sind deutsche Sinti gewesen und waren im Konzentrationslager. Das haben sie überlebt und sich hier in Bernsen niedergelassen“, erzählt Tatjana Schmidt. Der Großvater sei es dann auch gewesen, der die Gruft auf dem örtlichen Friedhof vor rund 40 Jahren bauen ließ.

„Unsere Gräber sind etwas ganz Besonderes. Wir sind sehr oft hier bei unseren Lieben. Auch Weihnachten und Silvester haben wir hier in der Gruft gefeiert, mit den Großeltern und unserem Vater – als wären sie noch am Leben“, erzählt Nicole Schmidt.

Die Schwestern erklären, dass nach den Bestattungsriten der Sinti die Toten nicht verbrannt werden und ihre Körper auch nicht mit Erde in Berührung kommen dürfen. Daher seien die Särge ihrer Großeltern und ihres Vaters in der Gruft aufgebahrt. Der gesamte Grabschmuck sei ein Beweis der Zuneigung und Liebe, die über den Tod hinaus bestehe.

Ermittlungen aufgenommen

„Im Sarg unserer Großmutter gab es keinen wertvollen Schmuck, nur Modeschmuck. Wir wissen, dass unsere Verstorbenen kein Gold oder Wertgegenstände benötigen. Das geben wir an die Ärmsten in der Familie weiter, denn die können es gebrauchen“, erklärt Tatjana Schmidt. Sie vermutet, dass sich die Täter erschrocken haben, als sie den so gut erhaltenen Leichnam sahen.

Sie hoffe sehr, dass die Täter geschnappt und entsprechend bestraft werden. Dafür wollen sie auch eine Belohnung von 1000 Euro aussetzen. Das Geld soll derjenige bekommen, der der Polizei Hinweise geben kann, die zur Ergreifung des Täters führen.

Die Polizei hat vor Ort Spuren gesichert und die Ermittlungen aufgenommen. „Da wir nicht ausschließen können, dass die Tat politisch motiviert ist, haben wir den Staatsschutz in Nienburg von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt“, sagte der Pressesprecher der Polizei Nienburg-Schaumburg, Axel Bergmann, auf Anfrage.

Geschehen sein muss die Grabschändung zwischen dem 31. Januar und dem 7. Februar. „Die Polizei hat gesagt, dass die Spuren recht frisch, also vielleicht drei Tage als sind“, so Tatjana Schmidt.

Hinweise nimmt die Polizei unter Telefon (0 57 52) 12 90 oder (0 57 51) 9 54 50 entgegen. la