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Harmonien und Leerstellen

Künstlerin in Porträt Harmonien und Leerstellen

An den Zeichenunterricht an der Volksschule kann sich Karin Böger noch bestens erinnern, auch wenn er schon Jahrzehnte zurückliegt. Sie sollte ein Bild malen, hat sich vom Opa ein Pferde-Foto ausgeliehen, hat es abgemalt, mit zur Schule gebracht – und dann hat der Lehrer ihr vorgehalten, dass sie das Bild abgepaust hätte: Also einfach das Papier auf die Vorlage gelegt und die Linien und Striche nachgezeichnet hat.

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 Einen Birkenwald hat Karin Böger hier malerisch eingefangen, im Original ist das Bild um einiges größer – und wirkt noch stärker.

Quelle: rnk

Auetal/Stadthagen. Sie hat dann das Pferde-Foto ebenfalls in die Schule getragen, und ihr Lehrer hat es unter ihr Bild gelegt. Und siehe da, es stimmte nicht überein, es passte nicht.

 „Abpausen, das geht gar nicht“, sagt Karin Böger jetzt in ihrem Wohnzimmer in Stadthagen. Aber so ganz generell will sie das nicht verstanden wissen, schließlich kann jeder Künstler so arbeiten, wie er möchte, dafür gibt es ja die künstlerische Freiheit, aber für sie selbst ist das eben so: „Abpausen kommt nicht infrage.“

 Zur Malerei und zum Auetaler Malkreis kam Böger auf kleinen Umwegen. 2003 stellte sie sich die Frage, wie sie denn als Rentnerin ihre freie Zeit füllen würde: Wie wäre es denn mit Malen? Im Programm der Volkshochschule wurden zwar Kurse angeboten, aber nur Acryl und Aquarelle – und Böger schätzte schon in der Schule die Malerei mit Wasser nicht besonders. Aber sie hat dann Elke Harms kennengelernt, und die hat sie einfach mal mitgenommen zu einer Ausstellung der Auetaler Malerinnen, in der Alten Molkerei Rehren, die damals umgebaut wurde. Es war eine Ausstellung, auf der es kalt und zugig war, Böger kann sich gut erinnern. Abgeschreckt hat sie das nicht. Seit dem Frühjahr 2006 ist sie Mitglied im Malkreis.

 Aufgewachsen ist sie in einer Zeit, in der in der Volksschule die Jungen noch Raumlehre lernen mussten, während Mädchen die hohe Kunst der Handarbeiten näher gebracht wurde. Es war eine Zeit, in der junge Mädchen früh am Abend und pünktlich zu Hause zu sein hatten, in der der Kinobesuch am Sonnabend schon ein echter Höhepunkt war und in der die Eltern noch ein gewichtiges Wort bei der Ausbildungsfrage mitgesprochen haben: Näherin sollte Böger werden, und so ist sie es geworden. Noch heute führt sie ihre Änderungsschneiderei, im Herbst wird sie ihren 68. Geburtstag feiern, und selbstverständlich ist die Schneiderei noch immer geöffnet; so viel zur Rentenzeit.

 Der Blick im Wohnzimmer fällt auf ein gerahmtes Stück Spitze. Drei Jahre lang, antwortet Böger auf den fragenden Blick des Redakteurs, habe sie an der Volkshochschule Rinteln die hohe Kunst des Klöppelns gelehrt, also wie Verdrehen, Verkreuzen, Verknüpfen und Verschlingen zu einer schönen und pfiffigen Spitze führen. Später wird das Gespräch auf einen Glasschrank mit Puppen kommen, und siehe da, auch die meisten der kleinen Geschöpfe hat Karin Böger selbst hergestellt. Handwerklich ist sie nicht nur sehr geschickt, sondern tanzt auf vielen Hochzeiten.

 Und sie ruht sich nicht auf dem Erlernten, auf dem eigenen Können aus. An ihren Bildern ist das gut zu verfolgen. Blumen, Tiere, Landschaften, viel in Pastell, dann aber auch immer neue Techniken, zurzeit arbeitet sie viel in Ölkreide und nimmt Kurse bei Anne Brömme in Hannover. Und wie in der Malerei von Brömme geht es Böger auch um das Verstehen innerer Zusammenhänge, um Spannungsmomente und Harmonien, um Überlagerungen und Leerstellen. Denn ein Abenteuer, wenn es sich dem Unbekannten nähert, kann zu Zeiten Kunst hervorbringen. „Ich male, was mir gefällt“, formuliert es Böger, und wenn es Bambus ist, der ihr gefällt, dann ist das eben so – und wird gemalt und aufgehängt.

 Der späte Nachmittag in Stadthagen neigt sich dem Ende zu, der Blick fällt auf eine Zinkwanne außerhalb: „Sind das Bohnen, die Sie dort anbauen?“ Ja, sagt Böger, sie ist unverhofft zu zwei Zinkwannen gekommen, und die Bohnen erinnern sie an die Kindheit.

 Einen grünen Daumen hat sie also auch, aber verwundert ist der Redakteur darüber nun wirklich nicht mehr. rnk

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