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Hohe Geldstrafen für Mufflon-Wilderer

Auetal / Urteil Hohe Geldstrafen für Mufflon-Wilderer

Die Wilderer von Bernsen sind in ihre eigene Falle getappt. Zwei Jahre nach dem Verschwinden eines Mufflons aus dem Revier nahe der Autobahn hat das Bückeburger Amtsgericht gestern gegen beide Männer hohe Geldstrafen wegen Jagdwilderei verhängt.

Auetal/Bückeburg. Einer soll 3200 Euro zahlen, der andere 6600 Euro, wobei Richter Armin Böhm eine frühere Verurteilung wegen unerlaubten Waffenbesitzes einbezog.

„Die Angeklagten haben alles getan, um sich selber verdächtig zu machen“, stellte Böhm fest. So hatten die Bad Oeynhauser im Vorfeld des Prozesses angegeben, sie seien in der Nacht zum 20. September 2007 auf dem Rückweg aus Brandenburg gewesen, wo Bekannte sie gesehen hätten. Diese Zeugen wussten jedoch nichts davon.

Dass die Männer ausgerechnet in Bernsen Rast gemacht haben wollen, sechs bis sieben Kilometer von der Abfahrt Rehren entfernt, konnte Böhm ebenfalls nicht nachvollziehen. „Die Stelle findet nachts kein Mensch, der einen Rastplatz sucht“, erklärte der Vorsitzende. „Normalerweise macht man Pause an einer Raststätte.“ Oder gar nicht, so kurz vor dem Ziel. „Wer fährt im Auetal ab, wenn er nach Bad Oeynhausen will?“, fragte Oberstaatsanwalt Klaus Jochen Schmidt eher rhetorisch.

Verdächtig waren auch die Angaben eines Angeklagten zu dem Muffelfleisch, das bei einer Hausdurchsuchung in dessen Kühltruhe gefunden worden war. Erst behauptete er, das Wildschaf in Brandenburg selbst geschossen zu haben. Nachdem ein Gutachten vorlag, wonach das Fleisch eindeutig zu einem Tier aus der Bernser Herde gehört, schwenkte der Oeynhauser um und erklärte, ein Bekannter könne es bei ihm zwischengelagert haben. Dieser Mann ist unterdessen verstorben.

Ob das Wildbret aus der Truhe tatsächlich von dem zuletzt verschwundenen Widder stammt, konnte das Gericht nicht klären. „Wir haben so etwas wie einen Mord ohne Leiche“, sagte Richter Böhm. Vor Ort war kein erlegtes Wild gefunden worden. Zeugen hatten lediglich einen Schuss gehört, bevor beide Männer von der Polizei auf einem Feldweg angetroffen wurden, verborgen hinter einer Hecke, im Auto zwei Jagdgewehre.
Ob die Angeklagten gefeuert haben, spielt keine Rolle. Für eine Verurteilung wegen Jagdwilderei reicht bereits das Nachstellen. Das Gericht erkannte auf besonders schwere Fälle, weil die Täter erstens zur Nachtzeit gewildert haben und zweitens mit Schusswaffen ausgerüstet waren.

Verteidiger Thomas Röckemann, der auf Freispruch plädiert hatte, fühlte sich an den Film „Halali oder Der Schuss ins Brötchen“ erinnert, eine Satire. „Meinem Mandanten ist nichts nachzuweisen“, meinte der Rechtsanwalt. „Er kommt sich vor, als befinde er sich im falschen Film.“

Für „völlig abwegig“ hält den Vorwurf der Jagdwilderei auch Röckemanns Kollege Frank Seeger. „Zwei Personen sind biertrinkenderweise angetroffen worden, nicht mehr und nicht weniger“, sagte er mit Nachdruck.

Vielleicht gibt es demnächst eine Fortsetzung, denn gegen die Urteile ist noch Berufung möglich. Teil zwei der Satire, die wohl eher ein Drama ist, läuft dann vor dem Landgericht. ly

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