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Kita-Leiterinnen: Gründe für Warnstreiks

„Wir wollen Wertschätzung“ Kita-Leiterinnen: Gründe für Warnstreiks

Die Arbeit im Kindergarten ist einfach. Die Eltern bringen ihre Kinder, die stapeln ein paar Bauklötze, die Erzieherin trinkt Kaffee, die Kinder werden abgeholt. Stimmt so?

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 Tanje Büthe (von links), die Leiterin der Kita in Rehren, Beate Schürmann, Leiterin des Familienzentrums in Rolfshagen, und Andrea Schwarz-Geddert von der Kita Escher erklären die Gründe für die Warnstreiks.

Quelle: jak

Auetal (jak). Auf keinen Fall. „Was wir heute alles leisten, ist gigantisch“, sagt Tanja Büthe, die Leiterin der Kita Rehren, „und dafür wollen wir Wertschätzung.“ Doch die fehlt. Sowohl in der Öffentlichkeit als auch bei den Arbeitgebern. Mit zwei Warnstreiks haben auch die Erzieherinnen im Auetal Druck in den laufenden Tarifverhandlungen der Gewerkschaft Verdi mit den kommunalen Arbeitgebern ausgeübt.

 Letztlich gehe es einfach um die Wertschätzung, betonen Tanja Büthe von der Kita Rehren, Andrea Schwarz-Geddert von der Kita Escher und Beate Schürmann vom Familienzentrum Rolfshagen einhellig. In den vergangenen 20 Jahren habe sich das Berufsbild der Erzieherin massiv verändert, ohne dass dem im Tarifvertrag Rechnung getragen wurde.

 Wie radikal sich die Arbeit der Erzieherinnen geändert hat, kann Büthe mit einem Beispiel deutlich machen: In ihrem ersten Jahr als Erzieherin in einer anderen Gemeinde hatte sie mit einem Kind aus schwierigen Verhältnissen zu tun. „Die Mutter musste mit ihm zur Frühförderung“, erinnert sich Büthe, „und sie bat mich, sie zu begleiten. Natürlich habe ich das getan. Doch im Anschluss habe ich richtig Ärger bekommen.“ Wie sie denn auf die Idee gekommen sei, sich in die Belange der Familie einzubringen, wurde ihr vorgehalten. „Heute ist das für uns selbstverständlich.“ „Wir betrachten das komplette System Familie“, ergänzt Schürmann. „Alles, was sich in der Familie abspielt, hat auch mit dem Kind zu tun.“ Die Kita ist heute eben kein Ort mehr, wo die Kleinen für einige Stunden am Tag kostensparend aufbewahrt werden. Die Ansprüche an die frühkindliche Bildung steigen. „Wir müssen alle Wissensbereiche abdecken und für Kinder verständlich erklären können“, so Schwarz-Geddert.

 Den Erzieherinnen gehe es nicht einfach um mehr Geld, sondern um eine neue Art der Wertschätzung ihrer Arbeit. „Was wir heute leisten, ist durch die Leistungsgruppe S6 nicht mehr abgedeckt“, sagt Schürmann. „Was wir eigentlich leisten, findet sich erst bei S10.“ Und genau in diese Tarifgruppe möchte die Gewerkschaft die Erzieherinnen auch eingeordnet sehen. Die Arbeitgeber sehen das naturgemäß anders. Finanziell würde das Zugewinne zwischen fünf und 15 Prozent für die Erzieherinnen bedeuten.

 Auch die Gruppengrößen, die nicht Teil der Verhandlungsrunde ist, machen die Kita-Leiterinnen zum Thema. „Wir betreuen 25 Kinder zu zweit“, erklärt Büthe, „das ist einfach zu viel.“ Zusätzlich gäbe es pro Gruppe nur sieben Stunden „Verfügungszeit“, also Zeit, die nicht direkt am Kind verbracht wird. Das werde den heutigen Ansprüchen nicht mehr gerecht. Allein die Dokumentationspflichten, aber auch die notwendigen Teamabsprachen und Gespräche mit den Eltern würden deutlich mehr Zeit erfordern.

 Auch bei der Ausbildung der Erzieherinnen sehen Auetals Kita-Leiterinnen erheblichen Nachbesserungsbedarf. „Eigentlich müsste die Ausbildung akademisch angesiedelt werden“, findet Schürmann. Die vermittelten Inhalte seien schon heute oft nicht mehr ausreichend für die tägliche Arbeit im Kindergarten, was dazu führe, dass die angehenden Erzieherinnen bei ihrer Praxiszeit in einer Kindertagesstätte an viele Themen erst ganz neu herangeführt werden müssten. „Und auch das müssen wir alles nebenbei erledigen, zusätzliche Stunden gibt es dafür nicht“, betont Schürmann.

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