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Kleine Kulturgüter

Auetal Kleine Kulturgüter

Das Projekt Spurensuche der Schaumburger Landschaft führt auch ins Auetal. Die tragische Geschichte dahinter ist recht bekannt.

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Typisch für viele landwirtschaftlichen Höfe waren und sind die langen Zufahrten.

Quelle: rnk

Auetal. Der Wirt der Rehrener Gastwirtschaft „Zum Auetal“, Wilhelm Schlüter, äußerte sich Anfang April 1945 gegenüber Angehörigen der auf dem Rückzug befindlichen 116. Panzerdivision in seinem Lokal abfällig über das nationalsozialistische Regime: Man hätte auf die Männer des 20. Juli 1944 hören sollen, dann wäre der Bevölkerung vieles erspart geblieben, so Schlüter. Daraufhin verurteilte ihn ein Standgericht zum Tode, er wurde unter die Autobahnbrücke geführt und dort erschossen. Heute erinnert ein Gedenkstein an Schlüter.

 Auch das Projekt Spurensuche der Schaumburger Landschaft hat in einem Internet-Portal die Gedenkstätte aufgeführt und mit Erklärungen versehen, schließlich gehört sie zu den geschichtlich aussagekräftigen im Auetal. Nur: Dort heißt der Gastwirt nicht Wilhelm mit Vornamen, sondern Walter. Es ist ein ärgerlicher Lapsus in einem ehrgeizigen Unternehmen: Die Geschichte des Schaumburger Landes besser erlebbar zu machen und gleichzeitig das Verschwinden der kleineren Kulturgüter zu stoppen.

 So wird an die Tradition erinnert, dass eine Linde als Zeugenbaum und später als Namensgeber eines Gasthauses fungiert, wie in Kathrinhagen, wo sich einst die Gaststätte „Zur Linde“ befand.

 Aufgenommen wurden in das Projekt auch geschneitelte Hainbuchen. Besonders schöne Exemplare finden sich nämlich am Rande eines Bachtales zwischen Antendorf und Klein-Holtensen.

 Das von Ost nach West verlaufende enge Auetal hat die Wirkung eines Windkanals und ist auf der Anhöhe ein günstiger Standort für Windmühlen. So wie die Windmühle in Escher. Die alte Bockwindmühle, welche die Herren von Cornberg 1700 errichten ließen, brannte im Jahre 1883 ab. Eine Holländerwindmühle war der Nachfolger. Von dieser Windmühle, die nach dem Zweiten Weltkrieg bereits flügellos war, ist noch der Turm zu sehen.

 Auf dem Höhenweg, der von Antendorf in Richtung Wald und Dachtelfeld verlief, findet sich ebenfalls noch eine Mühle. Dort ließ Klaus von Münchhausen aus Apelern um das Jahr 1600 eine Windmühle anlegen. Sie gehörte zum Gut Nienfelde und war verpachtet.

 Auch Gehöfte finden sich aufgeführt, genauer gesagt: Gehöfte mit langer Zufahrt. Denn viele Hofstellen wie beispielsweise in Kathrinhagen liegen etwas zurückgesetzt von der Straße und sind mit dieser über eine längere Einfahrt verbunden. Man hat als Besucher – vor allem zu Fuß – durchaus den Eindruck, man nähert sich einem kleinen Gut.

 Das Charakteristikum der verstreut im Auetal liegenden Güter Wormsthal, Südhagen, Nienfeld, Oelbergen und Bodenengern ist ihre abseitige versteckte Lage. Ein Beispiel dafür ist das Gut Bodenengern. Eine kleine Allee von Linden und eine Brücke markieren den Eingang zum Herrenhaus. Das Gebäude war früher ganz von einem Wassergraben umgeben.

 Weit zurück in die Vergangenheit führt die Geschichte des Gutes Nienfeld. Die Kultivierung des unwegsamen Auetals ging im dreizehnten Jahrhundert von einer ganzen Reihe von Einzelhöfen aus. Das Gut Nienfeld erhielt Klaus von Münchhausen im Jahre 1609 vom Grafen Ernst von Schaumburg als Lehen. 1952 kam es im Erbgang an die Familie von Blomberg.

 In Rolfshagen, an der Kirchstraße, befindet sich eine Leibzucht von 1830: Dieses Nebengebäude des Bauernhauses Nummer 17 wurde in Dreiständerbauweise erreichtet und war damit für Leibzuchthäuser im 19. Jahrhundert eher selten. Durch das ausgeschleppte Dach war im rechten Teil des Wohnhauses noch Platz für einen kleinen Stall geschaffen worden, der einen separaten Zugang nach außen hatte. rnk

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