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Konzepte und Lösungen müssen her – jetzt

Auetal / Befragungsende Konzepte und Lösungen müssen her – jetzt

Diplom-Geograf Timm Wiegand hat mit den Studenten der Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) das Auetal wieder verlassen, die sogenannte Feldphase ist beendet: Rund 300 Bürger wurden befragt, was am Leben im Auetal schön sei – und was eben nicht, was fehle.

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Viele Eigentümer, die in Immobilien ein Objekt als Sicherheit für die Wechselfälle des Lebens und für die Alterssicherung sehen, liegen zuweilen falsch. Doch wo sind die neuen Konzepte, mit denen die Kommunen die Zukunft bwältigen können?

Quelle: rnk

Auetal (rnk). „Es hätten ein paar mehr Bürger sein können“, erklärt Wiegand, aber das schlechte Wetter habe ihnen bei den Umfragen doch zugesetzt.

 Timm Wiegand ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Akademie für Raumforschung und Landplanung Hannover und leitet das Auetaler Projekt: Weil die Politik nach Förderrichtlinien verlangte, um mit finanzieller Unterstützung eine Wohn- und Lebensentscheidung für das Auetal zu belohnen, hatte Bürgermeister Thomas Priemer Kontakt zur Universität Hannover aufgenommen: Ob man nicht mal ein Projekt vor Ort durchführen möchte? Im Auetal etwa? Man wollte.

 Gefragt wurden zufällig ausgewählte Bürger, aber auch Auetaler, die an gewissen Schnittstellen sitzen, etwa in der Politik oder in den Geldinstituten; Menschen, von denen man glaube, dass in ihren Köpfen Ideen vorhanden seien, um etwas über den demografischen Wandel sagen zu können, meint Wiegand: Noch besser wäre es, wenn sie Maßnahmen vorschlagen könnten, mit denen dieser Wandel zu stoppen oder gar umgedreht werden kann. Auch der demografische Wandel spielte bei den zufälligen Befragungen eine Rolle: Wie wird er von der Bevölkerung wahrgenommen? Welche Angebote gibt es noch vor Ort? Wie viele Ausbildungsplätze gibt es? Und wo? Und welche Rolle spielen Immobilien? Oder: Welche Rolle spielt die Dorfgemeinschaft? Auch die Außenwirkung und das Image des Auetals als Kommune werden untersucht.

 Wiegand beschreibt die anstehenden Schritte so: „Es sieht so aus, dass wir jetzt Befragungen auswerten. Und dabei setzen wir Schwerpunkte, die von den Studenten ausgewertet werden.“ Tendenzen der Befragungen oder sogar Ergebnisse will Wiegand nicht nennen: „Dafür ist es noch zu früh.“ Das Spannende, so Wiegand, sei, dass diese Erhebung eine primäre sei, dass sie die Ersten seien, die in einer Kommune wie dem Auetal diese Parameter abprüfen können.

 Auch wenn Wiegand noch keine Ergebnisse nennen kann, so verweist er doch auf ein Papier der ARL, das den Leerstand von Wohngebäuden in ländlichen Räumen am Beispiel ausgewählter Gemeinden in Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland untersucht hat. Dort sind die Probleme ähnlich gelagert wie in Niedersachsen und damit im Auetal. Denn die Bevölkerungsentwicklung wird in den kommenden Jahren in den ländlichen Gebieten Deutschlands zu einem absoluten Rückgang der Bevölkerung führen. Dieser Prozess sei mit einer relativen Zunahme des älteren Teils und einem Rückgang des jüngeren Teils der Bevölkerung verbunden, heißt es in dem Papier. Dies werde zu erheblichen Problemen auf den Wohnungsmärkten in diesen Gebieten führen, es werde zu Wertminderungen bis hin zur Unverkäuflichkeit von Immobilien und zu Gebäudeleerständen in den Dörfern und kleinen Städten kommen, die nicht im Einzugsbereich größerer Städte liegen würden. Die Probleme seien in den Dorfkernen oft schon deutlich zu erkennen, würden aber in den kommenden Jahren in steigendem Maße auch den Bestand der Ein- und Zweifamilienhäuser betreffen, die in den sechziger bis achtziger Jahren errichtet wurden und heute oft von einzelnen Menschen im Rentenalter bewohnt werden.

 Die Problematik zunehmender Wohnungsleerstände ist vor Ort bekannt, ihre Dringlichkeit wird je nach individueller Situation unterschiedlich eingeschätzt. Die Leerstände von Wohngebäuden im ländlichen Raum hätten mehrere Ursachen: Die Erwartung der Eigentümer, mit solchen Immobilien ein Objekt als Sicherheit für die Wechselfälle des Lebens und für die Alterssicherung zu haben, erweise sich zunehmend als Illusion. Die Spekulation der Eigentümer oder ihrer Erben auf steigende Werte dieser Immobilien erweise sich bei konstanten und sogar fallenden Bodenpreisen und bei im Laufe der Nutzung abnehmenden Substanzwerten der Gebäude als falsch.

 Bei fehlender Investitionsfähigkeit oder -bereitschaft der Eigentümer und zunehmendem Auftreten unverkäuflicher Wohnimmobilien stelle sich die Frage, wann und zu welchen Konditionen die Gesellschaft diese Immobilien übernehmen solle oder müsse. Denn die Gesellschaft habe durchaus eine Verantwortung, ein ansprechendes Ortsbild zu erhalten und eine geordnete Siedlungsentwicklung zu ermöglichen.

 Das Fazit des Papiers fällt so aus: Es wird dringend dafür plädiert, „sich rechtzeitig auf die Problematik zunehmender Wohnungsleerstände in den ländlichen Räumen einzustellen und jetzt Konzepte und Lösungsansätze zu erarbeiten“. Dies könne auch Gebäudeabriss und eine Verkleinerung der Siedlungen bedeuten.

 Übrigens: Die Studenten werden voraussichtlich in der Ratssitzung im März über die Ergebnisse berichten.

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