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Manchmal hat auch Motte Angst

Auetal / Gemeindenachmittag Manchmal hat auch Motte Angst

So wie der Laie es sich vorstellt, so ist es nicht: Nicht jedes Kind jubelt, wenn es auf der Krebsstation liegt und es an der Tür klopft und ein Clown tritt ein, der sich mit Namen Motte vorstellt – dann ist nicht immer Jubel, Freude, Heiterkeit, erklärt Sabine Kemmann beim Gemeindenachmittag in Kathrinhagen.

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Raus aus der Schule, rein in den Wald

Die Hunde Zimt (rechts) und Zucker begleiten Sabine Kemmann oft in Kliniken und Seniorenheime. jaj

Auetal. Sabine Kemmann war in ihrem ersten Leben Mutter von vier Kindern und Pädagogin. Dann hat sie sich auf den Weg gemacht, sagt sie, und hat sich zum Clown ausbilden lassen. Über ihre Arbeit als Klinikclown erzählt sie nun in Kathrinhagen.

 In ihrem ersten Leben fand Kemmann Clowns doof, weil sie so albern sind. Aber der nächste Blick offenbarte einen Philosophen: Denn Clown leitet sich ab von „colonus“, dem „Bauerntölpel“, und das waren einst Bürger, die aus dem Dorf in die Stadt zogen und sich dort linkisch anstellten, weil sie mit den Regeln in der Stadt nicht vertraut waren. Und damit waren sie Außenseiter, die aber auch Neuland betraten und Grenzen überschritten; Menschen, die allein der Wahrheit, Freiheit und dem Neuen verpflichtet waren.

 Und so nimmt sich auch Clown Motte im Krankenhaus die Freiheit, auch einmal ein Kinderzimmer auf der onkologischen Station wieder zu verlassen. Sie klopft und wartet auf die Einladung, und wenn sie aufgefordert wird, dann bleibt sie weit hinten im Zimmer stehen. Es ist die Körpersprache des Kindes, auf die sie achtet, denn oft gerät sie in eine Situation, einen Moment, der geprägt ist von Schmerz und Trauer. Und da darf der Clown nicht plötzlich auftauchen und lachen und fröhlich sein, oh nein, „er muss die Situation erspüren“, sagt die Rehrenerin: „Worum geht es in diesem Moment?“ Tja, worum geht es in diesem Moment? „Es geht darum, dem Menschen zu begegnen, dann ergibt sich daraus – vielleicht – ein freudiger Moment. Es muss aber nicht.“ Denn der Clown und der Tod, das sind nur auf den ersten Blick Gegensätze wie Feuer und Wasser. Wer in seinem Leben dem Tod begegnet, dem bleibt das Lachen im Halse stecken: Schluss mit lustig!

 Der Tod, so heißt es auf ihrer Internetseite ausführlich, „ist ein ernster Begleiter und eine ernst zu nehmende Wirklichkeit. Doch wenn der Ernst so schwer wird, dass er zur anhaltenden Niedergeschlagenheit führt, sucht der Mensch nach Wegen zurück ins Leben.“ Auf diesem Weg könne der Clown mit seinem unerschütterlichen „Ja“ zum Leben ein wertvoller und heilsamer Gefährte sein: „Der Clown überrascht, tut das Unerwartete, ist unpassend wie der Tod. Im Zusammenhang mit Tod und Sterben ruft er unweigerlich heftige Reaktionen hervor: Passt nicht!“

 Wie sie mit den Kindern als Clown Motte eine Begegnung sucht und meistens, aber eben nicht immer, auch findet, das kann sie an diesem Gemeindenachmittag nicht vorführen. Sie hat kein Programm, sondern improvisiert. Manchmal, so gibt sie zu, hat auch sie Angst, wenn sie ein Krankenzimmer betreten soll, aber ein ängstlicher Clown, das ist kein guter Clown. Aber der Clown, sagt sie, der kann mit der Angst spielen – und dann hat sie ihn nicht mehr im Griff.

 Aber ist das Kind unsicher oder hat gar Angst, dann wird es keinen Kontakt geben, erzwingen kann man es nicht. Doch manchmal ergeben sich Möglichkeiten, wenn man gar nicht mehr damit rechnet, erzählt sie: Sie hat den Raum betreten und das Kind weint und weint und weint. Sie nimmt eine Vase, fängt die Tränen auf, geht zum Tisch und schüttet den Inhalt der Vase in die Blumen. Das macht sie einmal, fünfmal, zehnmal, dann hört das Kind mit dem Weinen auf und sagt: „Jetzt können wir mal was anderes spielen.“

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