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Mann von Giftschlange gebissen

Noteinsatz rettet Leben Mann von Giftschlange gebissen

Ungewöhnlicher Rettungseinsatz am Karfreitag in Lippe. Am späten Mittag meldet sich ein Schlangenbesitzer aus Extertal über Notruf, dass er soeben von einer giftigen Schlange gebissen wurde.

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Eine Gabunviper dieser Größe hat den Mann mit einem ihrer Giftzähne erwischt. Hier zeigen die Schlangenexperten Patrick Urban (links) und Benjamin Westerheide, dass der Umgang mit dem gefährlichen Tier nicht ganz einfach ist. 

Quelle: nw

Extertal/Bielefeld. Er hatte seiner jungen Gabunviper beim Häuten geholfen. Dabei soll der Kopf des Tieres freigekommen sein. Plötzlich trifft ihn ein Zahn der Giftschlange in den Finger.
Für die Disponenten der Leitstelle der Feuerwehr und des Rettungsdienstes in Lemgo ist schnell klar, dass höchste Eile geboten ist. „Die Kollegen haben erst einmal recherchiert, was für eine Schlange das ist und wie giftig sie ist“, sagte Dienstgruppenleiter Stefan Hartmann-Paulsen von der Leitstelle.

Das Gift der Gabunviper wirkt tödlich, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Ein Biss, der mehr als 35 Milligramm Gift injiziert, gilt für Menschen bereits als tödlich. Ausgewachsene Exemplare dieser Spezies geben bei einem durchschnittlichen Biss eine deutlich höhere Menge Gift ab. Die Drüsen der Jungtiere produzieren dafür eine deutlich höhere Giftkonzentration, können die Abgabe aber nicht gut steuern.

Die Leitstelle informierte daraufhin sofort den Schlangenexperten der Bielefelder Feuerwehr, Björn Buschkamp. Er gilt bei Bissen von giftigen Reptilien als Experte und erster Ansprechpartner in Ostwestfalen. „Nachdem klar war, dass hier eine der giftigsten Schlangen der Welt zugebissen hat, habe ich mit der Giftnotrufzentale in Berlin Kontakt aufgenommen“, sagt Buschkamp.

Während Rettungshubschrauber „Christoph Westfalen“ aus dem Münsterland den 48-jährigen Patienten ins Klinikum Bielefeld Mitte bringt, wo er sofort auf der Intensivstation aufgenommen wird, kümmert sich Buschkamp mithilfe der Datenbank in Berlin um das nötige Antiserum.

Die Giftnotrufzentrale findet ein Depot des nötigen Antiserums im Zoo Wuppertal. Ein Polizeihubschrauber aus Düsseldorf fliegt daraufhin sechs Ampullen, von denen eine mehrere Tausend Euro kosten soll, vom Wuppertaler Zoo nach Bielefeld.

Dort warten die Intensivmediziner schon auf das nötige Gegengift. Sie benötigen es spätestens, wenn ihr Patient kollabieren sollte. Ob sie das Antiserum einsetzen, sei je nach Menge des Giftes und Alter der Schlange unterschiedlich, sagte Joachim Feldkamp, ärztlicher Direktor des Klinikums Mitte. „Es ist immer eine individuelle Entscheidung.“

Am Sonnabend können die Mediziner schließlich Entwarnung geben: Der Patient schwebt nicht in Lebensgefahr. Der 48-Jährige hatte Glück im Unglück: Der extra hinzugezogene Schlangenexperte Patrick Urban erkennt, dass die Giftdosis in seinem Körper relativ gering ist. Daraufhin rät er den Medizinern ab, dem Patienten das Antiserum zu verabreichen.

Urban erklärt: „Nur wenn Gift und Gegengift sich von der Menge neutralisieren, kann das Antiserum eine Hilfe sein. Ist das Gegengift allerdings deutlich stärker, kann sich auch das Antiserum für den Patienten tödlich auswirken.“

Die Ärzte behandeln deshalb weiterhin die Symptome des Schlangengifts. Da das Gift der Gabunvipern unter anderem das umliegende Gewebe zersetzt, droht dem Schlangenbesitzer nach Informationen dieser Zeitung mindestens die Amputation seines Fingers.

Die Behandlung des Patienten im Krankenhaus dauert an. Die Klinik wollte keine Auskunft zu dem Fall geben. Die Kosten des aufwendigen und teuren Rettungseinsatzes werden auf jeden Fall in Rechnung gestellt, sagte Hartmann-Paulsen von der Leitstelle in Lippe später auf Anfrage. Wenn es für den Schlangenbesitzer gut laufe, springe seine Krankenkasse ein.

Die Experten sind der Auffassung, dass der Schlangenbesitzer beim Umgang mit seiner Gabunviper fahrlässig gehandelt habe. Demnach soll er beim Häuten auf Schutzkleidung und Handschuhe verzichtet haben. nw

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